96 Fachbegriffe der Gemmologie, erklärt in der Sprache des Handels und der Wissenschaft zugleich — von Adulareszenz bis Zwillingsbildung, jeweils mit den Steinen, an denen sich der Begriff zeigt.
4C
Die vier Bewertungskriterien für Diamanten: Carat (Gewicht), Colour (Farbe), Clarity (Reinheit) und Cut (Schliff). Sie wurden von GIA eingeführt und sind heute international verbindlich. Bei Farbsteinen greifen sie nur eingeschränkt, weil dort die Farbe alle anderen Kriterien dominiert.
Siehe auch GIA · Reinheit · Karat
Im Lexikon belegt bei Diamant
Absorptionsspektrum
Das Muster der Wellenlängen, die ein Stein aus dem durchfallenden Licht herausfiltert. Chromhaltige Steine wie Rubin und Smaragd zeigen charakteristische Linien im Rotbereich, die im Handspektroskop sichtbar sind. Das Spektrum verrät oft das farbgebende Element und damit die Mineralart.
Siehe auch Fluoreszenz · Farbwechsel
Adulareszenz
Ein weiches, bläuliches Leuchten, das unter der Oberfläche zu schweben scheint und sich beim Kippen des Steins bewegt. Es entsteht durch Lichtstreuung an mikroskopisch feinen Entmischungslamellen zweier Feldspatarten. Namensgebend ist der Adular, eine Varietät des Kalifeldspats. Der Effekt ist nur bei Cabochonschliff sichtbar.
Siehe auch Cabochon · Schiller · Labradoreszenz
Im Lexikon belegt bei Amazonit · Anorthit · Labradorit · Mondstein · Sunstone
Asterismus
Ein vier-, sechs- oder zwölfstrahliger Lichtstern auf der Oberfläche eines Cabochons. Er entsteht, wenn sich Licht an nadelförmigen Einschlüssen bricht, die in mehreren Richtungen parallel zur Kristallstruktur angeordnet sind. Bei Korund erzeugen Rutilnadeln in drei Richtungen den typischen sechsstrahligen Stern. Der Stein muss so orientiert geschliffen werden, dass die Kuppe senkrecht zur Hauptachse steht.
Siehe auch Chatoyance · Rutilnadeln · Cabochon · Seide
Im Lexikon belegt bei Diopsid · Enstatit · Korund · Rosenquarz · Rubin · Saphir
Ausbeute
Der Anteil des Rohsteins, der als geschliffener Stein übrig bleibt — bei Diamant oft nur die Hälfte, bei stark eingeschlossenem Material deutlich weniger. Weil der Schleifer für Gewicht bezahlt wird, entstehen bewusst zu tiefe oder zu flache Steine. Das erklärt einen großen Teil der schlecht geschliffenen Ware im Handel.
Siehe auch Fenster · Rondiste · Karat
Im Lexikon belegt bei Rhodochrosit
Aventurisieren
Ein metallisch wirkendes Funkeln durch eingelagerte plättchenförmige Einschlüsse, die Licht spiegeln. Bei Sonnenstein sind es Hämatit- oder Kupferplättchen, bei Aventurin Fuchsitschüppchen. Der Effekt ist punktuell und blitzend, nicht flächig wie beim Schiller.
Siehe auch Schiller · Einschluss
Beschichtung
Eine dünne Schicht wird aufgedampft oder aufgetragen, um Farbe oder Glanz zu erzeugen — etwa bei „Mystic Topaz" oder beschichtetem Quarz. Die Schicht ist abriebempfindlich und kann sich an Kanten abnutzen. Immer deklarationspflichtig.
Siehe auch Offenlegung · Imitation
Im Lexikon belegt bei Topas
Bestrahlung
Beschuss mit Elektronen oder Gammastrahlung verändert Farbzentren im Kristallgitter. Blautopas, viele farbige Diamanten und ein Teil der Turmaline im Handel sind so behandelt. Bei manchen Materialien ist das Ergebnis lichtecht, bei anderen bleicht es aus. Bestrahlte Steine unterliegen in Deutschland einer Freigabepflicht auf Restaktivität.
Siehe auch Offenlegung
Im Lexikon belegt bei Amethyst · Aquamarin · Diamant · Hackmanit · Heliodor · Kunzit · Rosenquarz · Rubin
Brechungsindex
Das Verhältnis der Lichtgeschwindigkeit in Luft zu der im Stein. Er bestimmt, wie stark ein Lichtstrahl beim Eintritt abgelenkt wird, und ist eines der wichtigsten Bestimmungsmerkmale. Diamant liegt bei 2,42, Korund bei 1,76 bis 1,77, Quarz bei 1,54 bis 1,55. Gemessen wird mit dem Refraktometer, das bei den meisten Steinen eine sichere Zuordnung erlaubt.
Siehe auch Dispersion · Doppelbrechung · Dichte
Im Lexikon belegt bei Achat · Alexandrit · Amazonit · Amethyst · Andalusit · Anorthit · Aquamarin · Aventurin
Brillantschliff
Der runde Schliff mit 57 oder 58 Facetten, entwickelt für maximale Lichtrückgabe. Die Bezeichnung „Brillant" ohne Zusatz ist in Deutschland ausschließlich dem so geschliffenen Diamanten vorbehalten. Ein Saphir in dieser Form heißt nicht Brillant, sondern brillantgeschliffener Saphir.
Siehe auch Facette · Handelsname
Im Lexikon belegt bei Aquamarin · Diamant · Euklas · Phenakith · Smaragd
Brillanz
Der Anteil des Lichts, der aus der Oberseite eines Steins zurück ins Auge fällt. Sie hängt am Brechungsindex des Materials und vor allem an den Schliffwinkeln: Ein zu flacher oder zu tiefer Pavillon lässt Licht nach unten austreten, der Stein wirkt leblos. Brillanz ist nicht dasselbe wie Feuer — sie beschreibt weißes, nicht farbiges Licht.
Siehe auch Dispersion · Pavillon · Fenster
Im Lexikon belegt bei Diamant
Bruch
Die Form der Bruchfläche, wenn ein Mineral nicht entlang von Spaltebenen bricht. Der muschelige Bruch mit gewölbten, rippigen Flächen ist typisch für Quarz und Glas und gehört zu den Merkmalen, an denen sich Glasimitationen erkennen lassen.
Siehe auch Spaltbarkeit · Zähigkeit
Cabochon
Ein Schliff mit gewölbter Oberseite und flacher oder leicht gewölbter Unterseite, ohne Facetten. Er ist die einzige Form, in der Katzenaugeneffekt, Asterismus und Adulareszenz sichtbar werden. Undurchsichtige und stark eingeschlossene Materialien werden fast immer als Cabochon geschliffen.
Siehe auch Facette · Asterismus · Chatoyance
Im Lexikon belegt bei Achat · Amazonit · Andalusit · Aquamarin · Chrysopras · Citrin · Danburit · Dumortierit
Chatoyance
Ein einzelner heller Lichtstreifen, der wie eine Katzenpupille über die Wölbung eines Cabochons wandert. Ursache sind parallel ausgerichtete Nadeln oder Röhren im Stein. Am bekanntesten beim Chrysoberyll, wo der Effekt so charakteristisch ist, dass „Katzenauge" ohne Zusatz immer diesen Stein meint. Auch Quarz, Turmalin und Apatit können ihn zeigen.
Siehe auch Asterismus · Cabochon
Im Lexikon belegt bei Aquamarin · Seraphinit · Sillimanit · Smaragd
CITES
Das Artenschutzabkommen regelt den Handel mit organischen Materialien wie Elfenbein und bestimmten Korallen. Für rote Edelkoralle gelten je nach Art und Herkunft Nachweispflichten; beim grenzüberschreitenden Handel sind Dokumente erforderlich.
Im Lexikon belegt bei Koralle
Dichroismus
Der Sonderfall des Pleochroismus bei optisch einachsigen Kristallen: Der Stein zeigt genau zwei verschiedene Farben, je nach Blickrichtung. Rubin etwa erscheint in einer Richtung purpurrot, in der anderen orangerot. Bei zweiachsigen Kristallen sind es drei Farben, dann spricht man von Trichroismus.
Siehe auch Pleochroismus · Doppelbrechung
Im Lexikon belegt bei Grandidierit · Iolith · Musgravit
Dichte
Masse pro Volumen, angegeben in Gramm je Kubikzentimeter. Sie entscheidet, wie groß ein Stein bei gegebenem Karatgewicht ausfällt: Ein Einkaräter Smaragd (Dichte 2,72) ist deutlich größer als ein Einkaräter Saphir (4,00). Bestimmt wird sie durch Wägung in Luft und in Wasser oder mit Schwereflüssigkeiten.
Siehe auch Karat · Brechungsindex
Im Lexikon belegt bei Achat · Alexandrit · Amazonit · Amethyst · Andalusit · Anorthit · Aquamarin · Aventurin
Diffusionsbehandlung
Beim Erhitzen werden Fremdelemente von außen in den Stein eingebracht, um Farbe zu erzeugen. Bei der Berylliumdiffusion entstehen orange und gelbe Saphire, deren Farbe nur in einer dünnen Randschicht sitzt — beim Nachschleifen kann sie verschwinden. Die Behandlung ist deklarationspflichtig und senkt den Wert erheblich.
Siehe auch Erhitzen · Offenlegung
Im Lexikon belegt bei Saphir
Dispersion
Die Aufspaltung von weißem Licht in seine Spektralfarben beim Durchgang durch den Stein — im Handel „Feuer" genannt. Gemessen wird sie als Differenz der Brechungsindizes für rotes und violettes Licht. Diamant liegt bei 0,044, Demantoid bei 0,057, Sphen bei 0,051. Hohe Dispersion wirkt nur bei farblosen oder hellen Steinen, weil eine kräftige Eigenfarbe die Spektralfarben überdeckt.
Siehe auch Brechungsindex · Brillanz
Im Lexikon belegt bei Achat · Alexandrit · Amazonit · Amethyst · Andalusit · Anorthit · Aquamarin · Aventurin
Doppelbrechung
Ein Lichtstrahl wird beim Eintritt in den Kristall in zwei Strahlen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit zerlegt. Bei starker Doppelbrechung erscheinen die hinteren Facettenkanten doppelt — bei Zirkon und Peridot mit bloßem Auge erkennbar. Kubische Minerale wie Diamant, Spinell und Granat sind einfachbrechend und zeigen den Effekt nie. Das ist eines der zuverlässigsten Unterscheidungsmerkmale im Labor.
Siehe auch Brechungsindex · Pleochroismus · Kristallsystem
Im Lexikon belegt bei Hambergit · Serendibit · Taaffeit · Zirkon
Dublette
Ein zusammengesetzter Stein aus zwei oder drei verklebten Schichten. Häufig ist eine dünne Deckschicht aus echtem Material auf einem billigen Unterteil, oder ein farbiger Kleber zwischen zwei farblosen Lagen. Opaldubletten und -tripletten sind im Handel verbreitet. Die Klebefuge ist von der Seite oder in Immersion erkennbar.
Siehe auch Imitation · Offenlegung
Einschluss
Fremdkörper, Hohlräume oder Wachstumsstrukturen im Inneren eines Steins. Sie mindern die Reinheit, sind aber zugleich der wichtigste Beweis für natürliche Entstehung und geben oft Hinweise auf die Herkunft. In der Gemmologie gilt der Satz, dass Einschlüsse der Fingerabdruck eines Steins sind.
Siehe auch Reinheit · Fingerprint · Provenienz
Im Lexikon belegt bei Amethyst · Andalusit · Aquamarin · Aventurin · Bernstein · Charoit · Danburit · Demantoid
Erhitzen
Die mit Abstand häufigste Behandlung bei Farbsteinen. Kontrolliertes Erhitzen klärt trübe Steine, vertieft die Farbe und löst Seide auf. Bei Saphir und Rubin gilt sie als akzeptiert und dauerhaft, muss aber offengelegt werden. Unerhitzte Steine mit Laborbestätigung erzielen erhebliche Aufschläge — bei Spitzenqualitäten ein Vielfaches.
Siehe auch Seide · Diffusionsbehandlung · Offenlegung
Im Lexikon belegt bei Amethyst · Andalusit · Aquamarin · Chrysopras · Crocoite · Diaspor · Heliodor · Korund
Facette
Eine ebene, polierte Fläche am Stein. Ihre Zahl, Größe und vor allem ihr Neigungswinkel entscheiden darüber, wie viel Licht zurückgeworfen wird. Der moderne Brillantschliff hat 57 oder 58 Facetten.
Siehe auch Brillantschliff · Pavillon · Tafel
Im Lexikon belegt bei Amazonit · Andalusit · Anorthit · Azurit · Brookit · Cavansite · Danburit · Demantoid
Färben
Poröse oder rissige Materialien werden mit Farbstoff getränkt. Bei Achat, Howlith, Türkis und Jade verbreitet. Der Farbstoff sitzt bevorzugt in Rissen und Poren, was unter der Lupe als Farbkonzentration entlang der Strukturen erkennbar ist. Nicht immer lichtecht.
Siehe auch Stabilisierung · Offenlegung · Imitation
Im Lexikon belegt bei Achat · Aquamarin · Aventurin · Cavansite · Chrysopras · Demantoid · Epidot · Fluorit
Farbwechsel
Der Stein zeigt in Tageslicht eine andere Farbe als in Kunstlicht — bei Alexandrit grün bis blaugrün am Tag, rot bis purpurn unter Glühlampe. Ursache ist ein Absorptionsfenster im Spektrum, das je nach Lichtquelle unterschiedlich stark bedient wird. Die Stärke des Wechsels wird als schwach, mittel oder stark bewertet und bestimmt den Preis maßgeblich. Auch Granat, Saphir, Spinell und Diaspor können Farbwechsel zeigen.
Siehe auch Pleochroismus
Im Lexikon belegt bei Alexandrit · Diaspor · Epidot · Granat · Saphir · Spessartin
Fenster
Ein durchsichtiger Bereich in der Mitte eines zu flach geschliffenen Steins, durch den man hindurchsieht statt reflektiertes Licht zu sehen. Entsteht, wenn der Pavillon zu wenig Tiefe hat. Ein Fenster mindert Farbe und Brillanz deutlich und ist der häufigste Schliffmangel bei Farbsteinen, weil flacher Schliff mehr Gewicht erhält.
Fingerprint
Ein verheilter Riss, in dem Flüssigkeit in kleinen Tröpfchen zurückblieb — unter der Lupe wie ein Fingerabdruck. Ein sicheres Merkmal natürlicher Entstehung, weil Synthesen dieses Muster nur selten und dann anders ausbilden.
Siehe auch Einschluss · Synthese
Im Lexikon belegt bei Bernstein · Seraphinit
Fluoreszenz
Das Aufleuchten eines Steins unter ultraviolettem Licht, das mit dem Abschalten der Quelle sofort endet. Rubin fluoresziert durch seinen Chromgehalt kräftig rot, viele Diamanten blau. Fluoreszenz ist ein Bestimmungsmerkmal und kann Hinweise auf die Herkunft geben; bei Diamanten wird sie im Zertifikat vermerkt und kann den Preis beeinflussen.
Siehe auch Phosphoreszenz · Zertifikat
Im Lexikon belegt bei Benitoite · Bernstein · Fluorit · Paraíba · Rubin · Saphir · Scheelite · Smaragd
Flussmittelverfahren
Der Kristall wächst langsam aus einer Schmelzlösung. Das Verfahren liefert sehr natürlich wirkende Rubine, Smaragde und Spinelle und ist teuer. Typisch sind Flussmittelreste als schleierartige Einschlüsse, die natürlichen Fingerprints ähneln.
Siehe auch Synthese · Hydrothermalsynthese · Einschluss
Geode
Ein Hohlraum im Gestein, dessen Wände nach innen mit Kristallen bewachsen sind. In brasilianischen und uruguayischen Basalten entstehen so die großen Amethystgeoden. Eine vollständig gefüllte Geode heißt Mandel.
Siehe auch Hydrothermal
GIA
Das 1931 gegründete US-Institut, das die 4C und die heute weltweit verwendete Diamantgraduierung entwickelt hat. GIA-Berichte gelten als Referenz, insbesondere bei Diamanten. Für Farbsteine erstellt GIA Berichte mit Herkunftsangabe.
Siehe auch Zertifikat · 4C · Provenienz
Im Lexikon belegt bei Amethyst · Aquamarin · Benitoite · Brookit · Chrysokoll · Citrin · Clinohumit · Danburit
Glanz
Der Eindruck der polierten Oberfläche, abhängig von Brechungsindex und Politurqualität. Unterschieden werden unter anderem Diamantglanz (sehr hoher Brechungsindex), Glasglanz (die meisten Farbsteine), Fettglanz, Perlmuttglanz und Metallglanz. Der Glanz ist eine der ersten Beobachtungen bei der Bestimmung.
Siehe auch Brechungsindex · Politur
Im Lexikon belegt bei Brookit · Crocoite · Danburit · Diamant · Dumortierit · Euklas · Hämatit · Heliodor
Gübelin
Das Luzerner Labor, gegründet 1923, gilt neben SSEF als führend bei Farbsteinen. Gübelin-Berichte mit Herkunftsangabe können bei Spitzensteinen erhebliche Preisunterschiede bewirken, etwa die Bestätigung „Kaschmir" bei Saphir oder „Mogok" bei Rubin.
Siehe auch SSEF · Zertifikat · Provenienz
Im Lexikon belegt bei Alexandrit · Demantoid · Granat · Grandidierit · Korund · Paraíba · Perle · Rubin
Habitus
Die charakteristische Ausbildung eines Kristalls: prismatisch, tafelig, nadelig, oktaedrisch oder derb. Derselbe Mineraltyp kann je nach Wachstumsbedingungen verschiedene Habitusformen ausbilden — Diamant etwa oktaedrisch, würfelig oder rundlich als Rohstein.
Siehe auch Kristallsystem · Zwilling
Im Lexikon belegt bei Axinit · Brookit · Cavansite · Crocoite · Epidot · Legrandit · Pyrit · Sphen
Handelsname
Ein im Handel gebräuchlicher Name, der keine mineralogische Art bezeichnet. Manche sind anerkannt und beschreiben eine Varietät, etwa Tansanit für blauen Zoisit. Andere sind irreführend, weil sie einen fremden Edelstein im Namen führen — „Abendsmaragd" für Peridot oder „Ceylon-Diamant" für Zirkon. Solche Bezeichnungen sind wettbewerbsrechtlich angreifbar.
Siehe auch Varietät · Imitation · Offenlegung
Im Lexikon belegt bei Aventurin · Chrysokoll · Diaspor · Diopsid · Epidot · Iolith · Labradorit · Mondstein
Hydrothermal
Heiße, wässrige Lösungen transportieren gelöste Stoffe durch Spalten im Gestein und scheiden sie beim Abkühlen als Kristalle ab. Amethyst in Achatgeoden, Smaragd in Kolumbien und viele Quarzvorkommen entstehen so. Dasselbe Prinzip nutzt die Hydrothermalsynthese im Labor.
Siehe auch Hydrothermalsynthese · Geode · Primärlagerstätte
Im Lexikon belegt bei Achat · Amethyst · Aventurin · Axinit · Benitoite · Brookit · Cavansite · Danburit
Hydrothermalsynthese
Kristallzucht in wässriger Lösung unter hohem Druck und hoher Temperatur — den natürlichen Bedingungen am nächsten. Wird vor allem für synthetischen Smaragd und Quarz verwendet. Die Steine sind schwer zu erkennen, zeigen aber oft charakteristische wellige Wachstumszonen.
Siehe auch Synthese · Flussmittelverfahren
Imitation
Ein Material, das einen Edelstein optisch nachahmt, ohne dessen Zusammensetzung zu haben — Glas als Rubin, Zirkonia oder Moissanit als Diamant, gefärbter Howlith als Türkis. Im Unterschied zur Synthese ist die Imitation ein anderer Stoff.
Siehe auch Synthese · Dublette · Zirkonia
Im Lexikon belegt bei Bernstein · Larimar · Moldavit · Painit · Serpentin
Irisieren
Regenbogenfarben, die durch Interferenz an dünnen Schichten oder feinen Rissen im Stein entstehen. Bei Rissen spricht man von Regenbogen-Einschlüssen; sie sind ein Hinweis auf innere Spannungen. Der Effekt ist verwandt mit dem Farbspiel dünner Ölfilme.
Siehe auch Opaleszenz · Labradoreszenz
Isomorphie
Zwei Minerale mit gleicher Struktur, deren Bausteine sich gegenseitig ersetzen können, bilden eine lückenlose Reihe von Mischkristallen. Die Granatgruppe ist das bekannteste Beispiel: Zwischen den Endgliedern Pyrop, Almandin und Spessartin liegen alle Übergänge, was die Bestimmung einzelner Steine erschwert.
Siehe auch Mineralart
Im Lexikon belegt bei Anorthit
Jardin
Das dichte Geflecht von Einschlüssen im Smaragd, das im Handel „Garten" heißt. Anders als bei den meisten Steinen wird es toleriert, weil nahezu jeder Smaragd es zeigt; ein völlig reiner Smaragd weckt eher den Verdacht auf Synthese.
Siehe auch Einschluss · Reinheit
Im Lexikon belegt bei Smaragd
Kalette
Die unterste Spitze des Pavillons, entweder auslaufend oder als kleine Facette abgeschliffen. Eine große Kalette ist durch die Tafel als heller Punkt sichtbar und gilt als Schliffmangel.
Im Lexikon belegt bei Alexandrit · Amethyst · Azurit · Demantoid · Grandidierit · Hackmanit · Iolith · Jade
Karat
Gewichtseinheit für Edelsteine, seit 1907 international auf 0,2 Gramm festgelegt. Ein Hundertstel Karat heißt Punkt. Nicht zu verwechseln mit dem Karat der Goldlegierung, das den Feingehalt angibt: 18 Karat bedeutet 750 Teile Gold von 1000. Ein Einkaräter in einem 18-karätigen Ring trägt also zwei völlig verschiedene Karatangaben.
Im Lexikon belegt bei Achat · Alexandrit · Amazonit · Amethyst · Andalusit · Anorthit · Aquamarin · Aventurin
Karatpreis
Der Preis je Karat, aus dem sich der Gesamtpreis durch Multiplikation mit dem Gewicht ergibt. Er steigt mit der Größe überproportional, weil große saubere Steine seltener sind: Ein Zweikaräter kostet meist deutlich mehr als das Doppelte eines Einkaräters gleicher Qualität.
Im Lexikon belegt bei Diamant · Granat · Jade · Musgravit · Painit · Rubin · Serendibit · Spinell
Kimberley-Prozess
Ein 2003 in Kraft getretenes Zertifizierungssystem, das den Handel mit Rohdiamanten aus Konfliktgebieten unterbinden soll. Es erfasst ausschließlich Rohdiamanten und nur Konflikte im Sinne von Rebellenfinanzierung — Kritik entzündet sich daran, dass Arbeitsbedingungen und staatliche Gewalt nicht erfasst werden.
Siehe auch Provenienz
Im Lexikon belegt bei Diamant
Kimberlit
Ein vulkanisches Gestein, das aus großer Tiefe explosionsartig aufsteigt und Diamanten als Fremdkristalle mitführt. Die trichterförmigen Schlote sind die wichtigsten primären Diamantlagerstätten. Benannt nach Kimberley in Südafrika.
Siehe auch Primärlagerstätte
Kristallsystem
Die Einteilung aller Kristalle in sieben Systeme nach ihrer Symmetrie: kubisch, hexagonal, trigonal, tetragonal, rhombisch, monoklin und triklin. Das System bestimmt die äußere Form, die Spaltbarkeit und das optische Verhalten. Kubische Minerale sind immer einfachbrechend und zeigen nie Pleochroismus.
Siehe auch Doppelbrechung · Habitus · Spaltbarkeit
Im Lexikon belegt bei Achat · Alexandrit · Amazonit · Amethyst · Andalusit · Anorthit · Aquamarin · Aventurin
Krone
Der Teil des Steins oberhalb der Rondiste. Kronenhöhe und Kronenwinkel bestimmen zusammen mit dem Pavillon, wie das Licht im Stein geführt wird.
Siehe auch Rondiste · Pavillon · Tafel
Im Lexikon belegt bei Topas
Labradoreszenz
Ein flächiges Aufleuchten in Blau, Grün, Gold oder Violett, das beim Kippen des Steins wie ein Vorhang über die Fläche wandert. Es entsteht durch Interferenz an feinsten Entmischungslamellen im Plagioklas. Namensgeber ist der Labradorit; die besonders farbstarke finnische Varietät heißt Spectrolith.
Siehe auch Adulareszenz · Schiller · Irisieren
Im Lexikon belegt bei Achat · Labradorit
Matrix
Das umgebende Gestein, in dem ein Mineral gewachsen ist. Bei Türkis und Opal bleibt die Matrix oft im geschliffenen Stein sichtbar und bildet die charakteristische Zeichnung — beim Türkis das Spinnennetzmuster. Bei Sammlerstufen erhöht eine schöne Matrix den Wert.
Siehe auch Einschluss · Sammlerstufe
Im Lexikon belegt bei Amazonit · Azurit · Brookit · Cavansite · Crocoite · Dumortierit · Epidot · Legrandit
Metamorphose
Die Umbildung von Gestein unter Druck und Temperatur, ohne dass es aufschmilzt. Rubin, Saphir, Spinell, Granat und Jadeit entstehen überwiegend metamorph. Die Bedingungen bestimmen, welche Minerale sich bilden — deshalb treten bestimmte Steine regelmäßig gemeinsam auf.
Siehe auch Primärlagerstätte · Isomorphie
Im Lexikon belegt bei Andalusit · Anorthit · Azurit · Demantoid · Diopsid · Enstatit · Epidot · Granat
Mineralart
Ein Mineral mit definierter chemischer Zusammensetzung und Kristallstruktur, anerkannt von der International Mineralogical Association. Neue Arten müssen dort eingereicht und geprüft werden, bevor der Name gültig ist.
Siehe auch Varietät · Mineraloid
Im Lexikon belegt bei Benitoite · Granat · Hiddenit · Painit · Spinell · Turmalin
Mineraloid
Ein mineralähnlicher Stoff ohne geordnete Kristallstruktur. Opal, Obsidian, Bernstein und Moldavit gehören dazu. Mineraloide haben keine Spaltbarkeit im kristallographischen Sinn und sind stets einfachbrechend.
Siehe auch Mineralart · Kristallsystem
Im Lexikon belegt bei Bernstein · Chrysokoll · Moldavit · Obsidian · Opal · Zirkon
Mischschliff
Krone im Brillantschliff, Pavillon im Treppenschliff. Bei Farbsteinen weit verbreitet, weil er Funkeln der Oberseite mit gewichtserhaltender Tiefe verbindet.
Siehe auch Brillantschliff · Treppenschliff · Ausbeute
Mohs-Härte
Die 1812 von Friedrich Mohs aufgestellte Skala ordnet zehn Minerale danach, welches welches ritzt: Talk 1 bis Diamant 10. Sie ist ein reines Ordinalmaß — der Abstand zwischen 9 und 10 ist ein Vielfaches des Abstands zwischen 1 und 2. Ab Härte 7 ist ein Stein gegen Quarzstaub beständig, der überall in der Luft ist; darunter wird er im Alltag matt. Über die Bruchfestigkeit sagt die Härte nichts.
Siehe auch Spaltbarkeit · Zähigkeit · Bruch
Im Lexikon belegt bei Achat · Alexandrit · Amazonit · Amethyst · Andalusit · Anorthit · Aquamarin · Aventurin
Naturbelassen
Ein Stein, der nach dem Schleifen und Polieren keinerlei weitere Behandlung erfahren hat. Der Begriff ist nur belastbar, wenn ein Labor ihn bestätigt hat. Bei Rubin und Saphir ist der Aufschlag für bestätigt unerhitzte Ware erheblich; bei Smaragd ist völlig unbehandelte Ware eine Ausnahme.
Siehe auch Erhitzen · Offenlegung · Zertifikat
Im Lexikon belegt bei Amethyst · Andalusit · Aquamarin · Aventurin · Clinohumit · Granat · Grandidierit · Grossular
Offenlegung
Die Pflicht, jede wertrelevante Behandlung eines Steins anzugeben. Sie ergibt sich in Deutschland aus dem Wettbewerbsrecht und den kaufrechtlichen Beschaffenheitsregeln; unterlassene Angaben können den Kauf anfechtbar machen. Im Handel üblich sind die Kürzel N für naturbelassen, H für erhitzt und weitere Codes je nach Verband.
Siehe auch Erhitzen · Rissfüllung · Zertifikat
Opaleszenz
Das Farbenspiel des Edelopals: bewegliche Farbflecken, die beim Drehen wechseln. Ursache ist Lichtbeugung an regelmäßig gepackten Siliziumdioxid-Kügelchen. Deren Größe bestimmt die Farbe — kleine Kügelchen erzeugen Blau und Grün, große auch Orange und Rot. Rotes Farbenspiel ist deshalb am seltensten und am teuersten.
Siehe auch Irisieren
Im Lexikon belegt bei Labradorit
Ölen
Feine Risse werden mit farblosem Öl gefüllt, dessen Brechungsindex dem des Steins nahekommt, sodass die Risse optisch verschwinden. Bei Smaragd ist die Ölung seit Jahrhunderten üblich und wird als geringfügig, mäßig oder stark eingestuft. Öl kann austrocknen oder ausgewaschen werden — deshalb kein Ultraschall und keine Hitze.
Siehe auch Rissfüllung · Ultraschallreinigung
Im Lexikon belegt bei Lapislazuli · Rubin · Smaragd · Tsavorit
Pavillon
Der Teil unterhalb der Rondiste. Sein Winkel entscheidet darüber, ob einfallendes Licht zur Tafel zurückreflektiert wird oder unten austritt. Zu flach erzeugt ein Fenster, zu tief einen dunklen Kern.
Pegmatit
Ein grobkörniges Ganggestein, das aus den letzten, wasserreichen Restschmelzen eines erstarrenden Magmas entsteht. Weil dort viel Platz und Zeit zur Verfügung stehen, wachsen außergewöhnlich große Kristalle. Turmalin, Beryll, Topas, Spodumen und Kunzit stammen überwiegend aus Pegmatiten.
Siehe auch Primärlagerstätte
Im Lexikon belegt bei Alexandrit · Amazonit · Anorthit · Aquamarin · Aventurin · Clinohumit · Dumortierit · Euklas
Phosphoreszenz
Ein Nachleuchten, das anhält, nachdem die anregende Lichtquelle abgeschaltet wurde — im Unterschied zur Fluoreszenz, die sofort endet. Bekanntestes Beispiel ist der Hope-Diamant, der nach UV-Bestrahlung mehrere Sekunden rot nachglüht.
Siehe auch Fluoreszenz
Pleochroismus
Ein Kristall zeigt je nach Betrachtungsrichtung verschiedene Farben, weil er Licht in unterschiedlichen Richtungen verschieden stark absorbiert. Tansanit ist dafür das Lehrbuchbeispiel: unbehandelt blau, violett und bräunlich. Der Schleifer entscheidet mit der Orientierung des Rohsteins, welche Farbe der fertige Stein zeigt — deshalb kostet dieselbe Rohware je nach Ausrichtung sehr unterschiedlich viel Ausbeute.
Siehe auch Dichroismus · Doppelbrechung
Im Lexikon belegt bei Amethyst · Andalusit · Axinit · Clinohumit · Epidot · Euklas · Grandidierit · Iolith
Politur
Die Endbearbeitung der Facettenflächen. Polierspuren, Kratzer und Verbrennungen werden im Zertifikat als eigene Bewertung geführt, getrennt von der Symmetrie. Schlechte Politur mindert den Glanz auch bei sonst gutem Schliff.
Siehe auch Glanz · Symmetrie · Zertifikat
Im Lexikon belegt bei Amazonit · Dumortierit · Enstatit · Grandidierit · Hämatit · Jaspis · Karneol · Legrandit
Primärlagerstätte
Der Fundort, an dem ein Mineral ursprünglich entstanden ist und noch im Muttergestein sitzt. Der Abbau ist aufwendig, liefert aber Kristalle mit unbeschädigten Flächen und erlaubt eine sichere Herkunftszuordnung.
Siehe auch Sekundärlagerstätte · Matrix · Pegmatit
Provenienz
Die laborseitige Zuordnung eines Steins zu einem Fundgebiet, gestützt auf Einschlüsse, Spurenelemente und Spektren. Sie ist keine exakte Wissenschaft — verschiedene Labore kommen bei demselben Stein gelegentlich zu verschiedenen Ergebnissen. Bei Rubin, Saphir und Smaragd kann die Herkunftsangabe den Preis vervielfachen.
Siehe auch Zertifikat · Einschluss · Gübelin
Im Lexikon belegt bei Smaragd
Pseudomorphose
Ein Mineral nimmt die äußere Form eines anderen an, weil es dieses chemisch ersetzt hat, ohne die Gestalt zu verändern. Versteinertes Holz und Tigerauge, bei dem Quarz Krokydolithfasern ersetzt hat, sind bekannte Beispiele.
Siehe auch Verwitterung
Im Lexikon belegt bei Tigerauge
Reinheit
Der Grad der Freiheit von Einschlüssen. Bei Diamant reicht die Skala von lupenrein bis zu Einschlüssen, die mit bloßem Auge sichtbar sind, jeweils bei zehnfacher Vergrößerung beurteilt. Bei Farbsteinen ist der praxisnahe Maßstab „augenrein": aus etwa dreißig Zentimetern Abstand ohne Lupe keine Einschlüsse erkennbar.
Siehe auch Einschluss · Jardin · Zertifikat
Im Lexikon belegt bei Alexandrit · Amethyst · Aquamarin · Chrysokoll · Diamant · Fluorit · Hambergit · Heliodor
Rissfüllung
Risse werden mit Kunstharz, Glas oder Bleiglas gefüllt, um die Reinheit scheinbar zu verbessern. Bleiglasgefüllte Rubine bestehen teils zu erheblichen Anteilen aus Glas und sind gegenüber Säuren, Hitze und Ultraschall extrem empfindlich. Sie sind handelsrechtlich kein vollwertiger Rubin und müssen als solche gekennzeichnet werden.
Siehe auch Ölen · Offenlegung
Rondiste
Der umlaufende Rand an der breitesten Stelle, an dem der Stein in der Fassung gehalten wird. Sie kann matt, poliert oder facettiert sein. Eine zu dünne Rondiste ist stoßempfindlich, eine zu dicke verschenkt Gewicht in einen Bereich, der optisch nichts beiträgt.
Rutilnadeln
Feine nadelförmige Kristalle aus Titandioxid, die in Korund und Quarz parallel zur Kristallstruktur wachsen. In dichter Anordnung erzeugen sie Seide, Asterismus oder Katzenaugeneffekt. Im Rutilquarz sind sie so grob, dass sie als goldene Nadeln sichtbar werden.
Siehe auch Seide · Asterismus · Chatoyance
Im Lexikon belegt bei Achat · Alexandrit · Aquamarin · Aventurin · Brookit · Dumortierit · Korund · Rosenquarz
Sammlerstufe
Ein unbearbeiteter Kristall oder eine Kristallgruppe auf Muttergestein, gesammelt wegen ihrer Ausbildung, nicht zum Schleifen. Bewertet werden Kristallgröße, Glanz, Farbe, Unversehrtheit der Spitzen und die Ästhetik der Anordnung. Manche Minerale wie Crocoit oder Legrandit sind fast ausschließlich als Stufe von Bedeutung.
Im Lexikon belegt bei Achat · Anorthit · Aquamarin · Axinit · Azurit · Benitoite · Brookit · Cavansite
Schiller
Sammelbegriff für flächige Lichteffekte unter der Oberfläche, die auf Einlagerungen oder Lamellen im Inneren beruhen. Adulareszenz, Labradoreszenz und Aventurisieren sind Sonderfälle. Der Effekt setzt eine gewölbte, polierte Fläche voraus.
Siehe auch Adulareszenz · Labradoreszenz · Aventurisieren
Im Lexikon belegt bei Amazonit · Enstatit · Labradorit · Obsidian
Seide
Feinste, parallel gelagerte Nadeleinschlüsse, die dem Stein einen samtigen Schimmer geben. In geringer Menge erhöht Seide bei Rubin und Saphir den Wert, weil sie das Licht weich streut und für Kaschmir-Saphire kennzeichnend ist. Zu viel Seide macht den Stein trüb. Erhitzen löst Seide auf — deshalb ist ihr Vorhandensein ein Indiz für einen unbehandelten Stein.
Siehe auch Asterismus · Rutilnadeln · Erhitzen · Einschluss
Im Lexikon belegt bei Lapislazuli · Rubin
Sekundärlagerstätte
Verwitterung hat das Muttergestein zersetzt, Wasser die widerstandsfähigen Minerale fortgetragen und nach Dichte sortiert. In solchen Seifen liegt bereits vorsortierte, meist gerundete Ware — rissige Kristalle sind unterwegs zerbrochen. Ein großer Teil der Saphire Sri Lankas und der Diamanten Indiens stammt daher.
Siehe auch Primärlagerstätte · Verwitterung · Dichte
Im Lexikon belegt bei Achat · Alexandrit · Amethyst · Andalusit · Anorthit · Aquamarin · Aventurin · Axinit
Spaltbarkeit
Die Neigung eines Kristalls, entlang bestimmter Ebenen glatt zu brechen, weil dort die Bindungskräfte schwächer sind. Topas hat vollkommene Spaltbarkeit in einer Richtung, Diamant in vier, Fluorit in vier. Steine mit ausgeprägter Spaltbarkeit vertragen Ultraschall und Schläge schlecht und sollten geschützt gefasst werden.
Siehe auch Bruch · Zähigkeit · Ultraschallreinigung
Im Lexikon belegt bei Amazonit · Azurit · Danburit · Diaspor · Epidot · Euklas · Fluorit · Hambergit
SSEF
Das Schweizer Forschungsinstitut in Basel, spezialisiert auf Farbsteine und Perlen. SSEF-Berichte sind bei hochwertigen Rubinen, Saphiren und Smaragden im Auktionshandel Standard, vor allem wegen der Herkunftsbestimmung.
Siehe auch Zertifikat · Gübelin · Provenienz
Im Lexikon belegt bei Alexandrit · Demantoid · Diamant · Granat · Jade · Korund · Perle · Rubin
Stabilisierung
Poröses Material wird mit Kunstharz getränkt, um es schnittfest und farbbeständig zu machen. Bei Türkis betrifft das den überwiegenden Teil der Handelsware. Stabilisierter Türkis ist echt, aber deutlich weniger wert als naturbelassener.
Siehe auch Färben · Offenlegung
Im Lexikon belegt bei Chrysokoll · Türkis · Variscit
Symmetrie
Die Genauigkeit, mit der die Facetten in Größe, Winkel und Anordnung übereinstimmen. Abweichungen zeigen sich als verschobene Kalette, ungleiche Facetten oder eine außermittige Tafel. Wird im Diamantzertifikat mit einer eigenen Note bewertet.
Siehe auch Politur · Zertifikat
Synthese
Ein im Labor hergestellter Stein mit derselben chemischen Zusammensetzung und Kristallstruktur wie das natürliche Vorbild. Er ist chemisch echt, aber nicht natürlich entstanden, und muss immer als synthetisch bezeichnet werden. Unterscheidbar meist nur an den Einschlüssen und Wachstumsstrukturen.
Siehe auch Imitation · Verneuil-Verfahren · Hydrothermalsynthese · Offenlegung
Im Lexikon belegt bei Alexandrit · Diamant · Lapislazuli · Moissanit · Musgravit · Paraíba · Saphir · Serendibit
Tafel
Die große ebene Facette obenauf. Ihr Durchmesser im Verhältnis zum Steindurchmesser wird in Prozent angegeben und gehört zu den Schliffproportionen im Zertifikat. Eine zu große Tafel mindert das Feuer, eine zu kleine die Brillanz.
Siehe auch Facette · Krone · Brillanz
Im Lexikon belegt bei Axinit · Brookit · Iolith · Kunzit · Sphen · Wulfenit
Tektit
Natürliches Glas, das beim Einschlag eines Meteoriten aus aufgeschmolzenem Erdgestein entsteht und in großer Entfernung wieder niedergeht. Moldavit aus Böhmen ist der bekannteste Vertreter; er stammt vom Ries-Einschlag vor rund 15 Millionen Jahren.
Siehe auch Mineraloid
Im Lexikon belegt bei Moldavit
Trapiche
Ein sechsstrahliges, radförmiges Muster aus dunklen Einschlüssen, das den Kristall in sechs Sektoren teilt — benannt nach dem spanischen Wort für Zuckerrohrmühle. Bekannt vor allem von kolumbianischen Smaragden, seltener bei Rubin, Saphir und Turmalin.
Siehe auch Einschluss
Im Lexikon belegt bei Smaragd
Treppenschliff
Rechteckige, stufenförmig angeordnete Facetten parallel zur Rondiste. Er betont Farbe und Reinheit statt Funkeln und ist beim Smaragd Standard, weil die abgeschrägten Ecken den spröden Stein vor Absplittern schützen.
Ultraschallreinigung
Reinigung durch hochfrequente Schwingungen in einem Flüssigkeitsbad. Für Diamant, Korund und Beryll ohne Rissfüllung meist unbedenklich, für geölte Smaragde, Opal, Perle, Türkis, Bernstein, Malachit und alle rissigen oder gefüllten Steine ungeeignet. Im Zweifel: lauwarmes Wasser, milde Seife, weiche Bürste.
Siehe auch Ölen · Rissfüllung · Spaltbarkeit
Im Lexikon belegt bei Achat · Alexandrit · Amazonit · Amethyst · Andalusit · Aquamarin · Aventurin · Axinit
Varietät
Eine durch Farbe oder Erscheinungsbild unterschiedene Ausprägung derselben Mineralart. Rubin und Saphir sind beide Korund, Amethyst und Citrin beide Quarz, Smaragd und Aquamarin beide Beryll. Die Varietät ist ein handelsüblicher Name, keine eigene mineralogische Art.
Siehe auch Handelsname · Mineralart
Im Lexikon belegt bei Achat · Amazonit · Amethyst · Andalusit · Aquamarin · Aventurin · Axinit · Cavansite
Verneuil-Verfahren
Das älteste industrielle Syntheseverfahren, 1902 von Auguste Verneuil für Rubin eingeführt. Pulver wird durch eine Knallgasflamme geschmolzen und wächst tropfenweise zu einer Birne. Erkennbar an gebogenen Wachstumsstreifen und kugeligen Gasbläschen — natürliche Steine zeigen gerade Streifen.
Siehe auch Synthese · Einschluss
Verwitterung
Die mechanische und chemische Zersetzung von Gestein an der Erdoberfläche. Sie legt widerstandsfähige Minerale frei und ist die Voraussetzung für die Bildung von Seifen. Bei Türkis und Malachit entstehen die Minerale selbst erst durch Verwitterung kupferhaltiger Erze.
Siehe auch Sekundärlagerstätte · Pseudomorphose
Im Lexikon belegt bei Chrysopras · Hämatit · Legrandit · Malachit · Smithsonit · Türkis
Wärmeleitfähigkeit
Diamant leitet Wärme besser als jeder andere Feststoff — darauf beruhen die verbreiteten Diamanttester. Moissanit leitet allerdings ähnlich gut und wird von einfachen Geräten fälschlich als Diamant angezeigt. Kombinierte Tester prüfen deshalb zusätzlich die elektrische Leitfähigkeit.
Im Lexikon belegt bei Moissanit
Zähigkeit
Der Widerstand gegen Bruch und Absplittern — eine von der Härte unabhängige Eigenschaft. Nephrit ist mit Mohs 6 bis 6,5 vergleichsweise weich, wegen seines verfilzten Fasergefüges aber außerordentlich zäh. Diamant ist das härteste Mineral und lässt sich dennoch entlang seiner Oktaederflächen spalten. Für die Alltagstauglichkeit eines Rings zählt Zähigkeit mindestens so viel wie Härte.
Siehe auch Mohs-Härte · Spaltbarkeit · Bruch
Zertifikat
Ein Laborbericht, der Mineralart, Gewicht, Maße, Schliff und festgestellte Behandlungen dokumentiert. Ein Zertifikat ist kein Wertgutachten und nennt in der Regel keinen Preis. Es bezieht sich immer auf einen bestimmten Stein, identifiziert über Maße und Gewicht — bei gefassten Steinen ist die Zuordnung deshalb schwieriger.
Siehe auch GIA · Offenlegung · Provenienz
Im Lexikon belegt bei Achat · Alexandrit · Amazonit · Amethyst · Andalusit · Anorthit · Aquamarin · Aventurin
Zirkonia
Kubisch stabilisiertes Zirkoniumdioxid, seit den 1970er Jahren die häufigste Diamantimitation. Mit Mohs 8 bis 8,5 vergleichsweise hart, aber deutlich schwerer als Diamant und mit höherer Dispersion, was den charakteristischen bunten Überblitz erzeugt. Nicht zu verwechseln mit dem natürlichen Mineral Zirkon.
Siehe auch Imitation · Dispersion
Zonierung
Streifige oder fleckige Farbunterschiede innerhalb eines Kristalls, entstanden durch wechselnde Bedingungen während des Wachstums. Bei Saphir und Amethyst häufig; der Schleifer versucht, die Zonen so zu orientieren, dass der Stein von oben gleichmäßig wirkt. Starke Zonierung mindert den Wert.
Siehe auch Pleochroismus · Ausbeute
Zweiphaseneinschluss
Ein Hohlraum, der Flüssigkeit und Gasblase enthält, bei drei Phasen zusätzlich einen Kristall. Dreiphaseneinschlüsse gelten als Hinweis auf kolumbianische Smaragde und werden bei Herkunftsgutachten herangezogen.
Siehe auch Einschluss · Provenienz
Zwilling
Zwei oder mehr Kristalle desselben Minerals, die nach einer festen Gesetzmäßigkeit miteinander verwachsen sind. Bei Korund erzeugen Zwillingslamellen sichtbare Streifen; beim Staurolith führt die Verzwillingung zur bekannten Kreuzform. Zwillingsebenen können Sollbruchstellen sein.
Siehe auch Kristallsystem · Spaltbarkeit
Im Lexikon belegt bei Staurolith
Die Begriffe nach Sachgebiet
| Sachgebiet | Begriffe |
|---|---|
| Optische Erscheinungen | 18 |
| Handel, Zertifikate und Recht | 13 |
| Schliff und Form | 13 |
| Physikalische Eigenschaften | 10 |
| Kristallographie und Mineralogie | 10 |
| Behandlungen | 9 |
| Lagerstätten und Geologie | 9 |
| Synthesen und Imitationen | 7 |
| Einschlüsse | 7 |