Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Moldavit Lexikon

Moldavit Edelstein – das grüne Glas des Ries-Einschlags

Moldavit

Moldavit ist das Andenken an eine Katastrophe: Vor rund 14,7 Millionen Jahren schlug ein Asteroid im heutigen Bayern ein – und regnete geschmolzene Erde als grünes Glas über Böhmen. Kein anderer Edelstein hat eine so exakt datierbare Geburtsstunde.

Was ist Moldavit?

Moldavit ist ein Tektit – natürliches Glas, das bei einem Meteoriteneinschlag entsteht. Beim Ries-Impakt (dem Krater verdankt Nördlingen sein Becken) wurde oberflächennahes Gestein geschmolzen, kilometerhoch geschleudert und erstarrte im Flug zu aerodynamisch geformten Glaskörpern, die rund 250–450 Kilometer entfernt niedergingen – vor allem im heutigen Südböhmen an der Moldau, die dem Stein den Namen gab.

Wichtig für die Einordnung: Moldavit ist irdisches Material – geschmolzene Erdoberfläche, kein Stück des Asteroiden. Er ist damit weder ein Meteorit noch mit dem Pseudotektit Agni Manitit zu verwechseln.

Eigenschaften auf einen Blick:
  • Klasse: Tektit – amorphes Impaktglas, ca. 80 % SiO₂
  • Alter: ca. 14,7 Millionen Jahre (Ries-Ereignis)
  • Mohs-Härte: ca. 5,5–6
  • Dichte: ca. 2,3–2,4 g/cm³
  • Brechungsindex: ca. 1,48–1,50
  • Farbe: Flaschengrün bis Olivgrün, seltener bräunlich-grün
  • Kennzeichen: matte Skulptur-Oberfläche, Fließschlieren, Lechatelierit-Einschlüsse, Gasblasen
  • Fundgebiet: Südböhmen und Mähren (Tschechien), Randfunde in Nachbarregionen

Das Besondere: die Skulptur

Echte Moldavite tragen eine unverwechselbare, tief zerfurchte Oberfläche – entstanden durch Jahrmillionen chemischer Verwitterung im Sediment. Die berühmtesten Stücke stammen aus Besednice: filigrane „Igel“-Formen mit nadelfeinen Graten, die als schönste Tektite der Welt gelten. Diese Skulptur ist zugleich das wichtigste Echtheitsmerkmal – und das, woran fast alle Fälschungen scheitern.

Das Problem: der meistgefälschte Stein des Marktes

Seit Moldavit über soziale Medien zum Hype wurde, überschwemmt geschmolzenes Flaschenglas mit gepresster Pseudo-Skulptur den Markt – glänzend, „nass“ wirkend, oft in identisch wiederholten Formen. Der Anteil an Fälschungen im Online-Handel ist erheblich; die Kaufregel lautet daher umgekehrte Beweislast. Alle Erkennungsmerkmale: Moldavit erkennen.

Endliche Ressource

Die böhmischen Fundschichten sind weitgehend abgebaut, offizielle Grabungen streng reguliert, wilde Grabungen verboten. Gutes Rohmaterial wird von Jahr zu Jahr knapper – ein wesentlicher Treiber der Preisentwicklung: Moldavit Preis.

Alle Themen im Überblick

Häufige Fragen

Ist Moldavit ein Meteorit?
Nein. Moldavit ist irdisches Gestein, das beim Ries-Einschlag geschmolzen und als Glas verstreut wurde – ein Tektit, kein Stück des Asteroiden.
Wie alt ist Moldavit?
Rund 14,7 Millionen Jahre – exakt datiert über das Ries-Ereignis, dem er seine Entstehung verdankt.
Woran erkenne ich echten Moldavit?
An der matten, tief zerfurchten Verwitterungs-Skulptur, Fließschlieren und Lechatelierit-Einschlüssen im Inneren. Glänzende, glatt-nasse Stücke sind typisch für geschmolzenes Glas.
Warum wird Moldavit so oft gefälscht?
Weil die Nachfrage durch Social-Media-Hypes stark stieg, während echtes Material knapper wird – gepresstes Flaschenglas füllt die Lücke im Online-Handel.
Verwandte Edelsteine: Agni Manitit  ·  Meteorit

Moldavit – Kennzahlen im Überblick

Steckbrief
  • Familie: Tektit (SiO₂ + Oxide)
  • Chemische Formel: SiO₂-reich mit Al₂O₃, MgO, CaO etc.
  • Kristallsystem: Amorph (Glas)
  • Mohs-Härte: 5,5
  • Dichte: 2,32–2,38 g/cm³
  • Brechungsindex: 1,480–1,510
  • Dispersion: Keine
  • Farben: Flaschengrün, olivgrün, braun-grün — immer grün
  • Herkunft: Tschechien (Böhmen, Mähren), selten Österreich, Deutschland
  • Behandlung: Keine (viele Fälschungen im Umlauf)
  • Seltenheit: selten

Fundgebiete weltweit

FundgebietBesonderheit
Böhmen (Tschechien)Südböhmen: größte Vorkommen, bestes transparentes Material
Mähren (Tschechien)Südmähren: häufig, oft opaker und bräunlicher
ÖsterreichWaldviertel: sehr selten, kleines Streufeld
DeutschlandBayern (Nördlinger Ries): Einschlagort, aber kein Moldavit dort

Qualität und Wert

MerkmalWorauf es ankommt
TransparenzTransparenter Moldavit ist wertvoller als opaker. "Museum-Qualität" ist vollständig transparent mit natürlicher Skulptur-Oberfläche.
SkulpturDie natürliche gebogene, gewellte und blasige Oberfläche ist ein Echtheitsmerkmal. Unbearbeitete Rohstücke mit vollständiger Skulptur sind wertvoller als geschliffene.
FarbeIntensives Flaschengrün ist am begehrtesten. Olivgrün und braun-grün sind häufiger und günstiger.
FälschungenGefälschter Moldavit aus Glasfabriken ist weit verbreitet. Merkmale echter Stücke: charakteristische Skulptur, Blasen und Fließlinien im Inneren, keine perfekte Oberfläche.

Fazit

Moldavit ist datierte Erdgeschichte zum Anfassen: 14,7 Millionen Jahre alt, endlich, unverwechselbar skulptiert – und genau deshalb der Stein, bei dem Echtheitsprüfung keine Option ist, sondern Pflicht.