Euklas ist ein seltenes Beryllium-Aluminium-Silikat, dessen Name eine Warnung an jeden Schleifer ist: Er bedeutet „gut spaltbar“. Fein blaue Steine aus Brasilien und Simbabwe gehören zu den begehrtesten Sammlersteinen überhaupt.
Euklas – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Silikate, Inselsilikate (Nesosilikate) mit Hydroxylgruppe |
| Chemische Formel | BeAlSiO4(OH) |
| Kristallsystem | monoklin, Raumgruppe P21/a |
| Mohs-Härte | 7,5 (richtungsabhängig, an Spaltflächen effektiv geringer) |
| Dichte | 2,99 bis 3,10 g/cm³ |
| Brechungsindex | 1,651 bis 1,675 (zweiachsig positiv, 2V etwa 50 Grad) |
| Doppelbrechung | 0,019 bis 0,020 |
| Glanz | Glasglanz, auf Spaltflächen perlmuttartig |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {010}, unvollkommen nach {110} und {001}; spröde |
| Bruch | muschelig |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Farben | farblos, weiß, hellgrün bis tiefgelbgrün, grünblau, hellblau bis tiefblau, selten rosa bis orangerosa und violett |
| Wichtigste Fundorte | Ouro Preto und Santana do Encoberto (Minas Gerais, Brasilien), Mwami/Miami-Distrikt (Simbabwe), Sanarka und Kamenka (Ural, Russland), Gachalá (Kolumbien), Tansania, Österreich |
| Behandlungen | keine handelsüblichen Behandlungen bekannt; Bestrahlung und Erhitzen sind nicht etabliert |
| Erstbeschreibung | 1792 durch René Just Haüy; Typmaterial im Muséum national d'Histoire naturelle, Paris (Haüy 3303) |
Ein Name, der vor dem Stein warnt
Wenige Mineralnamen sind so ehrlich wie Euklas. René Just Haüy bildete ihn 1792 aus den griechischen Wörtern eu für gut und klasis für Bruch — gemeint ist die vollkommene Spaltbarkeit nach {010}, die den Kristall entlang einer einzigen Fläche mühelos zerlegt. Für die Mineralogie war das ein brauchbares Erkennungsmerkmal, für jeden, der den Stein schleifen oder fassen will, ist es das zentrale Problem. Auf den ersten Blick wirkt Euklas robust: Mit einer Mohs-Härte von 7,5 liegt er über Quarz und damit über dem Staub, der im Alltag Oberflächen mattiert. Diese Zahl täuscht aber, denn Härte und Zähigkeit sind zwei verschiedene Dinge. Euklas ist spröde, und ein Schlag in die falsche Richtung erzeugt keine Schramme, sondern eine glatte Spaltfläche mit perlmuttartigem Glanz. Genau deshalb ist Euklas trotz seiner Schönheit fast ausschließlich ein Sammlerstein geblieben und taucht im gewerblichen Schmuck praktisch nicht auf.
Ein Zerfallsprodukt des Berylls
Euklas entsteht dort, wo bereits vorhandenes Beryllium noch einmal umgesetzt wird. Die Fachliteratur beschreibt ihn als Produkt der Zersetzung von Beryll in Pegmatiten und als Mineral niedrigtemperierter alpiner Klüfte. Wenn ein beryllführender Pegmatit von späten, wasserreichen Lösungen durchströmt wird, wird Beryll instabil; das freigesetzte Beryllium verbindet sich mit Aluminium, Kieselsäure und Hydroxylgruppen zu Euklas. Chemisch ist er ein Inselsilikat der Formel BeAlSiO4(OH): isolierte SiO4-Tetraeder, verknüpft über Aluminium in Oktaederkoordination und Beryllium in Tetraederkoordination, mit einer Hydroxylgruppe im Gitter. Die monokline Struktur besitzt eine ausgeprägte Schwächezone parallel zu {010}, und genau dort liegt die vollkommene Spaltbarkeit. Als Begleitminerale treten Quarz, Muskovit, Feldspat, Topas, Beryll, Fluorit, Albit, Rutil, Schörl, Calcit, Ankerit und Chlorit auf. Wo Euklas gemeinsam mit Topas in Zersatzzonen vorkommt, wie bei Ouro Preto, stammt er meist aus derselben späten hydrothermalen Phase.
Vom Ural nach Minas Gerais und Simbabwe
Die Herkunftsgeschichte des Euklas ist verwickelter, als es die kurzen Fundortlisten vermuten lassen. Das von Haüy 1792 beschriebene Material geht auf Stücke zurück, die der französische Naturforscher Joseph Dombey aus Südamerika mitbrachte; als Herkunft wurde zunächst Peru angenommen, tatsächlich stammen sie aus der Gegend von Ouro Preto in Minas Gerais. Berühmt wurde in der Folge der Ural, wo Euklas in den Goldseifen an der Sanarka und der Kamenka gemeinsam mit Topas und Chrysoberyll auftrat; diese klassischen russischen Kristalle liegen heute in Museen, nicht im Handel. Der laufende Markt hängt an zwei Quellen: Minas Gerais in Brasilien mit den Vorkommen um Ouro Preto, Rodrigo Silva und Santana do Encoberto, und der Mwami- beziehungsweise Miami-Distrikt im Nordwesten Simbabwes. Dort treten tiefblaue, kobaltblaue Kristalle auf, die in der Farbe an feinen Saphir erinnern und zu den begehrtesten Euklasen überhaupt zählen.
Selten, teuer und schwer in Größe zu bekommen
Euklas ist kein Stein, den Sie im Laden finden. Er wird fast ausschließlich über Spezialhändler, Mineralienmessen und Auktionen gehandelt, und das Angebot schwankt stark. Farblose und blassblaue Steine sind noch vergleichsweise zugänglich: Für hellblaues facettiertes Material werden nach Marktbeobachtungen etwa 10 bis 100 Euro pro Karat aufgerufen. Sobald die Farbe kräftiger wird, steigen die Preise sprunghaft. Für gesättigt blaue brasilianische Steine und für das kobaltblaue Material aus Simbabwe liegen die Forderungen bei mehreren hundert Euro pro Karat; die seltenen violetten und die besten tiefgrünen Qualitäten überschreiten 1.000 Euro pro Karat. Das eigentliche Nadelöhr ist die Größe. Stark gefärbte Steine über zwei bis drei Karat sind ausgesprochen selten, farblose über fünf bis sechs Karat ebenfalls ungewöhnlich, auch wenn einzelne geschliffene Steine bis etwa 20 Karat bekannt sind. Wer einen gefärbten Euklas über drei Karat sucht, braucht Geduld und ein belastbares Budget.
Alle Themen im Überblick
Kurz gefasst
Euklas ist ein Stein für Sammler und für Goldschmiede, die wissen, worauf sie sich einlassen. Kaufen Sie ihn wegen der Farbe und der Seltenheit, nicht als Alltagsstein: Die vollkommene Spaltbarkeit macht ihn trotz Härte 7,5 empfindlich. Achten Sie auf einen Schliff, der die Spaltebene nicht in die Rundiste legt, und lassen Sie ihn in einer schützenden Zargenfassung als Anhänger oder Ohrschmuck verarbeiten. Wer einen gesättigt blauen Stein über zwei Karat findet, sollte nicht lange zögern — dieses Segment ist dauerhaft knapp.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Euklas stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
