Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Smithsonit Lexikon · Übersicht

Smithsonit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Smithsonit

Smithsonit ist ein Zinkcarbonat, das in traubig-nierigen Krusten von Türkisblau über Apfelgrün bis Rosa und Gelb auftritt. Benannt ist er nach James Smithson, dem britischen Chemiker, dessen Vermögen die Smithsonian Institution begründete.

Smithsonit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseCarbonate, Calcit-Gruppe (Strunz 5.AB.05)
Chemische FormelZnCO3
Kristallsystemtrigonal, Raumgruppe R-3c
Mohs-Härte4 bis 4,5
Dichte4,3 bis 4,5 g/cm³
Brechungsindexnε 1,619 bis 1,623, nω 1,842 bis 1,850
Doppelbrechung0,223 bis 0,227, einachsig negativ; Dispersion 0,037
GlanzGlasglanz bis Perlmuttglanz, an traubigen Aggregaten seidig bis fettig
Spaltbarkeitvollkommen nach dem Rhomboeder {10-11}
Bruchuneben bis muschelig, spröde
Transparenzdurchsichtig bis durchscheinend, derbe Aggregate undurchsichtig
FarbenTürkisblau, Apfelgrün, Rosa bis Violett, Gelb bis Honiggelb, Braun, Weiß, farblos
Wichtigste FundorteKelly Mine bei Magdalena (New Mexico), Tsumeb und Berg Aukas (Namibia), Lavrion (Griechenland), Monteponi und Masua (Sardinien), Ojuela Mine bei Mapimí (Mexiko), Kabwe/Broken Hill (Sambia), 79 Mine (Arizona)
Behandlungenin der Regel unbehandelt; traubige Aggregate werden gelegentlich geölt oder gewachst, um den Glanz zu heben
Erstbeschreibung1832 benannt durch François Sulpice Beudant nach James Smithson, der die Galmei-Erze 1802/03 analytisch in Carbonat und Silikat trennte

Der Stein, der die Smithsonian Institution mitbenannte

James Smithson (1765 bis 1829) war ein britischer Chemiker und Mineraloge, dessen Nachlass die Gründung der Smithsonian Institution in Washington ermöglichte. Sein mineralogisches Verdienst liegt woanders: Seit Agricola 1546 den „Lapis calaminaris“ beschrieben hatte, warf man zwei völlig verschiedene Zinkminerale in einen Topf, das Carbonat und das Silikat. Smithson untersuchte die Galmei-Erze um 1802 und 1803 systematisch und wies nach, dass es sich um Gemenge aus Carbonat und Silikat handelt. 1832 benannte der französische Mineraloge François Sulpice Beudant das Zinkcarbonat ihm zu Ehren Smithsonit; das Silikat trägt heute den Namen Hemimorphit. Für Sie als Käufer ist das mehr als Anekdote: Der alte Sammelbegriff Galmei geistert bis heute durch Etiketten und Altbestände, und wer „Calamine“ oder „Galmei“ auf einem Schild liest, weiß damit noch nicht, welches der beiden Minerale vor ihm liegt.

Eine Farbpalette aus Spurenelementen

Reiner Smithsonit ist farblos oder weiß. Seine berühmten Farben entstehen durch Fremdelemente, die Zink im Gitter ersetzen oder als feinste Einschlüsse vorliegen. Kupfer erzeugt das türkisblaue bis apfelgrüne Spektrum, für das die Kelly Mine in New Mexico weltberühmt ist. Kobalt färbt rosa bis violett; solche Stücke stammen vor allem aus Tsumeb und aus mexikanischen Gruben. Cadmium erzeugt die gelben Töne, die der alte Bergmannsname „Turkey Fat Ore“ beschreibt, wobei hier feinverteilte Greenockit-Einschlüsse als Ursache diskutiert werden. Eisen führt zu Braun- und Rottönen und macht das Material zugleich trüber. Die Zuordnung ist nicht in allen Fällen abschließend geklärt, neuere Untersuchungen stellen einzelne der klassischen Zuschreibungen in Frage. Unbestritten ist der praktische Befund: Kein anderes Zinkmineral deckt eine derart breite Farbpalette ab, und genau das macht Smithsonit für Sammler interessant.

Traubig, nierig, tropfsteinartig

Gut ausgebildete Rhomboeder sind beim Smithsonit die Ausnahme. Die typische Erscheinungsform ist traubig-nierig: dicht an dicht sitzende Halbkugeln, die an eine Weintraube erinnern, dazu nierige Krusten, stalaktitische Zapfen und derbe, poröse Massen. Diese Form entsteht, weil das Mineral aus Lösungen auf Hohlraumwänden abgeschieden wird und dabei radialstrahlig nach außen wächst. Der Anschnitt zeigt deshalb konzentrische Schalen und einen faserigen Aufbau, der dem Stein seinen seidigen Schimmer gibt. Für den Schmuckhandel ist das die entscheidende Form: Aus traubigen Krusten lassen sich Cabochons schneiden, die die Wölbung der einzelnen Halbkugeln aufnehmen, oder flache Platten mit der charakteristischen Bänderung. Die derbe, poröse Varietät hieß im Bergbau „Dry Bone Ore“, weil sie an ausgetrocknete Knochen erinnert; sie war einmal ein wichtiges Zinkerz, ist aber als Schmuckmaterial ohne Wert.

Weich, schwer und selten facettiert

Mit einer Mohshärte von 4 bis 4,5 ist Smithsonit weich, und seine vollkommene rhomboedrische Spaltbarkeit macht ihn zusätzlich empfindlich. Für Ringe und Armbänder ist er deshalb ungeeignet; Anhänger, Broschen und Ohrschmuck in geschützter Fassung sind der richtige Rahmen. Auffällig ist seine hohe Dichte von 4,3 bis 4,5 Gramm je Kubikzentimeter: Ein Smithsonit fühlt sich deutlich schwerer an, als seine Härte vermuten lässt, und das ist zugleich das beste Erkennungsmerkmal gegenüber Türkis oder Chrysokoll. Facettierte Steine sind eine Rarität, weil durchsichtiges Material in verwertbarer Größe kaum vorkommt; Steine über 10 Karat gelten als Ausnahmeerscheinung. Preislich reicht die Spanne von wenigen Cent je Karat für einfache Rohware bis zu dreistelligen Eurobeträgen je Karat für facettierte Spitzenstücke. Sammlerstufen aus der Kelly Mine bewegen sich in einer eigenen Liga.

Alle Themen im Überblick

Kurz gefasst

Smithsonit ist in erster Linie ein Sammler- und Liebhaberstein. Wenn Sie ihn als Schmuck tragen möchten, kaufen Sie einen traubigen Cabochon in kräftigem Türkisblau oder Apfelgrün und lassen Sie ihn als Anhänger oder Brosche in eine Zarge fassen. Achten Sie auf ungeölte Oberflächen und auf ein Stück ohne angeschnittene Spaltflächen. Für den Schrank lohnt eine Stufe mit unversehrter Traubenoberfläche mehr als ein geschliffener Stein. Von Ringen und Armbändern sollten Sie absehen.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Smithsonit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Nach wem ist Smithsonit benannt?
Nach James Smithson, einem britischen Chemiker und Mineralogen, der von 1765 bis 1829 lebte. Er wies um 1802 und 1803 nach, dass die bis dahin einheitlich als Galmei bezeichneten Zinkerze aus einem Carbonat und einem Silikat bestehen. François Sulpice Beudant benannte das Carbonat 1832 nach ihm. Smithsons Vermögen begründete die Smithsonian Institution in Washington, obwohl er die Vereinigten Staaten nie betreten hatte.
Warum gibt es Smithsonit in so vielen Farben?
Weil Zink im Kristallgitter leicht durch andere Metalle ersetzt werden kann. Kupfer erzeugt Türkisblau und Apfelgrün, Kobalt Rosa bis Violett, Cadmium Gelb, Eisen Braun. Schon geringe Gehalte genügen für kräftige Farben. Reiner Smithsonit ist farblos oder weiß. Einzelne dieser Zuordnungen werden in der Fachliteratur noch diskutiert, das Grundprinzip der Farbgebung durch Spurenelemente ist aber unstrittig.
Kann ich einen Smithsonit-Ring tragen?
Davon ist abzuraten. Bei einer Härte von 4 bis 4,5 zerkratzt der Stein im Alltag schnell, und die vollkommene rhomboedrische Spaltbarkeit lässt ihn bei einem Stoß entlang glatter Flächen aufspringen. Dazu kommt die Empfindlichkeit gegen Säuren: Schon Zitronensaft oder Essig greifen das Carbonat an. Wählen Sie Anhänger, Broschen oder Ohrschmuck und dort eine Zargenfassung.
Was kostet Smithsonit?
Die Spanne ist groß. Einfache Cabochons liegen bei unter einem Euro je Karat, gute Ware mit kräftiger Farbe bei bis zu etwa 30 Euro je Karat. Die extrem seltenen facettierten Steine beginnen bei rund 20 bis 50 Euro je Karat und erreichen bei Spitzenqualität dreistellige Beträge je Karat. Sammlerstufen aus der Kelly Mine werden je nach Größe und Qualität im vierstelligen Bereich gehandelt.