Amazonit trägt den Namen eines Flusses, an dem er nie gefunden wurde – und eine Farbe, für deren Erklärung die Wissenschaft über ein Jahrhundert brauchte: türkisgrüner Feldspat, gefärbt von Spuren eines Elements, das man in Schmucksteinen nicht erwartet.
Was ist Amazonit?
Amazonit ist die blaugrüne bis türkisgrüne Varietät des Mikroklins, eines Kalifeldspats (KAlSi₃O₈) – und damit ein Vertreter der häufigsten Mineralfamilie der Erdkruste, der Feldspäte, zu der auch Mondstein, Labradorit und Sonnenstein gehören. Typisch sind die weißen Adern und Schlieren aus Albit, die das Grün gitterartig durchziehen – kein Makel, sondern Gattungsmerkmal.
- Mineral: Mikroklin (Kalifeldspat) – KAlSi₃O₈, triklin
- Mohs-Härte: 6–6,5 · Dichte: 2,56–2,58 g/cm³
- Farbe: Blaugrün bis Türkisgrün, meist weiß geadert (Albit/Perthit)
- Farbursache: Spuren von Blei in Verbindung mit Gitterwasser (Forschungsstand)
- Transparenz: opak bis kantendurchscheinend – klassischer Cabochonstein
- Fundorte: Russland (Ilmen-Gebirge), USA (Pikes Peak), Brasilien, Madagaskar, Äthiopien
Die Farbe: ein gelöstes Rätsel
Woher das Grün im sonst beigen bis rosa Mikroklin? Lange verdächtigte man Kupfer (des Türkistons wegen) – heute gilt als gesichert: Spuren von Blei, im Zusammenspiel mit Wasser im Kristallgitter, erzeugen die Farbzentren. Die beruhigende Fußnote gleich dazu: Die Gehalte sind Spuren im Gitter gebunden – beim Tragen völlig unbedenklich. Alles Weitere: Farbe & Ursache.
Der falsche Name
Benannt wurde der Stein nach dem Amazonas – vermutlich nach grünen Steinen, die frühe Reisende von dort mitbrachten. Die Ironie: Am Amazonas gibt es kein bekanntes Amazonit-Vorkommen; die grünen Flusssteine waren wohl andere Minerale. Der Name blieb – als eine der etabliertesten Fehlbenennungen der Mineralogie. Die echten Fundorte: Herkunft.
Alle Themen im Überblick
- Farbe & Ursache – Blei, Wasser und Albit-Adern
- Herkunft – Ilmen-Gebirge, Pikes Peak und Afrika
- Amazonit Preis – Türkiston zum Feldspatkurs
- Amazonit erkennen – Abgrenzung zu Türkis & Co.
- Amazonit kaufen – worauf man achten sollte
- Bedeutung & Geschichte – vom Pharaonengrab zum Namensirrtum
Häufige Fragen
Amazonit – Kennzahlen im Überblick
- Familie: Feldspat (KAlSi₃O₈ – Mikrokline Varietät)
- Chemische Formel: KAlSi₃O₈ mit Pb²⁺/Fe³⁺
- Kristallsystem: Triklin
- Mohs-Härte: 6–6,5
- Dichte: 2,54–2,57 g/cm³
- Brechungsindex: 1,522–1,530
- Dispersion: 0,012
- Farben: Türkisgrün bis blaugrün — durch Blei und Wasser in der Kristallstruktur
- Herkunft: Russland (Ural, Ilmen), USA (Colorado, Virginia), Brasilien, Äthiopien, Madagaskar
- Behandlung: Keine
- Seltenheit: mittel
Fundgebiete weltweit
| Fundgebiet | Besonderheit |
|---|---|
| Russland | Ural und Ilmengebirge: historische Referenzqualität seit Zarenzeit |
| USA | Pikes Peak, Colorado: intensiv blaugrün, beliebte amerikanische Qualität |
| Äthiopien | Verschiedene Regionen: wachsende Produktion, gute Farben |
| Brasilien | Minas Gerais: häufig, variable Qualität |
| Madagaskar | Verschiedene Regionen: mittlere Qualität, gute Verfügbarkeit |
Qualität und Wert
| Merkmal | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Farbe | Intensives, gleichmäßiges Blaugrün ohne Grau ist am wertvollsten. Russische Stücke aus dem Ural und Colorado-Material zeigen oft intensivste Farben. |
| Schiller | Manche Amazonite zeigen einen silbrigen Schimmer ( Adulareszenz -ähnlich) durch Mikroperthit-Entmischung. "Schiller-Amazonit" ist wertvoller. |
| Spaltbarkeit | Amazonit hat vollkommene Spaltbarkeit — empfindlich gegenüber Schlägen. Für Cabochons gut geeignet, für facettierte Steine schwierig. |
| Verwechslung | Oft mit Türkis, Jade oder Chrysokoll verwechselt. Unterschied: Amazonit ist deutlich härter als Türkis und hat charakteristischen Schiller. |
Fazit
Falscher Name, rätselhafte Farbe, älteste Schmucktradition: Amazonit ist der Feldspat mit den besten Geschichten – und einem Türkiston, den man sich ohne Türkis-Budget leisten kann.
