Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Amazonit Lexikon

Amazonit Edelstein – türkisgrüner Feldspat mit falschem Namen

Amazonit

Amazonit trägt den Namen eines Flusses, an dem er nie gefunden wurde – und eine Farbe, für deren Erklärung die Wissenschaft über ein Jahrhundert brauchte: türkisgrüner Feldspat, gefärbt von Spuren eines Elements, das man in Schmucksteinen nicht erwartet.

Was ist Amazonit?

Amazonit ist die blaugrüne bis türkisgrüne Varietät des Mikroklins, eines Kalifeldspats (KAlSi₃O₈) – und damit ein Vertreter der häufigsten Mineralfamilie der Erdkruste, der Feldspäte, zu der auch Mondstein, Labradorit und Sonnenstein gehören. Typisch sind die weißen Adern und Schlieren aus Albit, die das Grün gitterartig durchziehen – kein Makel, sondern Gattungsmerkmal.

Eigenschaften auf einen Blick:
  • Mineral: Mikroklin (Kalifeldspat) – KAlSi₃O₈, triklin
  • Mohs-Härte: 6–6,5 · Dichte: 2,56–2,58 g/cm³
  • Farbe: Blaugrün bis Türkisgrün, meist weiß geadert (Albit/Perthit)
  • Farbursache: Spuren von Blei in Verbindung mit Gitterwasser (Forschungsstand)
  • Transparenz: opak bis kantendurchscheinend – klassischer Cabochonstein
  • Fundorte: Russland (Ilmen-Gebirge), USA (Pikes Peak), Brasilien, Madagaskar, Äthiopien

Die Farbe: ein gelöstes Rätsel

Woher das Grün im sonst beigen bis rosa Mikroklin? Lange verdächtigte man Kupfer (des Türkistons wegen) – heute gilt als gesichert: Spuren von Blei, im Zusammenspiel mit Wasser im Kristallgitter, erzeugen die Farbzentren. Die beruhigende Fußnote gleich dazu: Die Gehalte sind Spuren im Gitter gebunden – beim Tragen völlig unbedenklich. Alles Weitere: Farbe & Ursache.

Der falsche Name

Benannt wurde der Stein nach dem Amazonas – vermutlich nach grünen Steinen, die frühe Reisende von dort mitbrachten. Die Ironie: Am Amazonas gibt es kein bekanntes Amazonit-Vorkommen; die grünen Flusssteine waren wohl andere Minerale. Der Name blieb – als eine der etabliertesten Fehlbenennungen der Mineralogie. Die echten Fundorte: Herkunft.

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Häufige Fragen

Was für ein Stein ist Amazonit?
Die blaugrüne Varietät des Mikroklins, eines Kalifeldspats – verwandt mit Mondstein und Labradorit, typisch weiß geadert durch Albit.
Woher hat Amazonit seine grüne Farbe?
Nach heutigem Forschungsstand von Blei-Spuren im Zusammenspiel mit Wasser im Kristallgitter – nicht von Kupfer, wie lange vermutet.
Kommt Amazonit vom Amazonas?
Nein – dort gibt es kein bekanntes Vorkommen. Der Name beruht auf einer historischen Fehlzuordnung grüner Flusssteine.
Ist das Blei im Amazonit gefährlich?
Nein – es handelt sich um fest im Kristallgitter gebundene Spuren; beim Tragen von Amazonit-Schmuck besteht keine Gefahr.
Verwandte Edelsteine: Mondstein  ·  Labradorit  ·  Türkis

Amazonit – Kennzahlen im Überblick

Steckbrief
  • Familie: Feldspat (KAlSi₃O₈ – Mikrokline Varietät)
  • Chemische Formel: KAlSi₃O₈ mit Pb²⁺/Fe³⁺
  • Kristallsystem: Triklin
  • Mohs-Härte: 6–6,5
  • Dichte: 2,54–2,57 g/cm³
  • Brechungsindex: 1,522–1,530
  • Dispersion: 0,012
  • Farben: Türkisgrün bis blaugrün — durch Blei und Wasser in der Kristallstruktur
  • Herkunft: Russland (Ural, Ilmen), USA (Colorado, Virginia), Brasilien, Äthiopien, Madagaskar
  • Behandlung: Keine
  • Seltenheit: mittel

Fundgebiete weltweit

FundgebietBesonderheit
RusslandUral und Ilmengebirge: historische Referenzqualität seit Zarenzeit
USAPikes Peak, Colorado: intensiv blaugrün, beliebte amerikanische Qualität
ÄthiopienVerschiedene Regionen: wachsende Produktion, gute Farben
BrasilienMinas Gerais: häufig, variable Qualität
MadagaskarVerschiedene Regionen: mittlere Qualität, gute Verfügbarkeit

Qualität und Wert

MerkmalWorauf es ankommt
FarbeIntensives, gleichmäßiges Blaugrün ohne Grau ist am wertvollsten. Russische Stücke aus dem Ural und Colorado-Material zeigen oft intensivste Farben.
SchillerManche Amazonite zeigen einen silbrigen Schimmer ( Adulareszenz -ähnlich) durch Mikroperthit-Entmischung. "Schiller-Amazonit" ist wertvoller.
SpaltbarkeitAmazonit hat vollkommene Spaltbarkeit — empfindlich gegenüber Schlägen. Für Cabochons gut geeignet, für facettierte Steine schwierig.
VerwechslungOft mit Türkis, Jade oder Chrysokoll verwechselt. Unterschied: Amazonit ist deutlich härter als Türkis und hat charakteristischen Schiller.

Fazit

Falscher Name, rätselhafte Farbe, älteste Schmucktradition: Amazonit ist der Feldspat mit den besten Geschichten – und einem Türkiston, den man sich ohne Türkis-Budget leisten kann.