Epidot ist das eisenreiche Endglied der Klinozoisit-Epidot-Reihe und liefert die charakteristische Pistaziengrünfarbe metamorpher Gesteine. Facettierte Steine zeigen einen der stärksten Pleochroismen der gesamten Edelsteinkunde — und zwingen den Schleifer zu einer Entscheidung, die über Leben oder Leblosigkeit des Steins bestimmt.
Epidot – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Silikate, Gruppensilikate (Sorosilikate), Epidot-Supergruppe |
| Chemische Formel | Ca2(Al2Fe³⁺)[Si2O7][SiO4]O(OH) |
| Kristallsystem | monoklin, Raumgruppe P21/m |
| Mohs-Härte | 6 bis 7, gemmologisch meist 6 bis 6,5 |
| Dichte | 3,38 bis 3,49 g/cm³, mit steigendem Eisengehalt zunehmend |
| Brechungsindex | nα 1,715 bis 1,751; nβ 1,725 bis 1,784; nγ 1,734 bis 1,797; Schleifware meist 1,729 bis 1,768 |
| Doppelbrechung | 0,019 bis 0,046, bei facettierbarem Material meist um 0,035; zweiachsig negativ |
| Glanz | Glasglanz, auf Spaltflächen perlmuttartig |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {001}, unvollkommen nach {100} |
| Bruch | uneben bis muschelig, spröde |
| Transparenz | durchsichtig bis undurchsichtig, dunkles Material oft nur durchscheinend |
| Farben | Pistaziengrün, Gelbgrün, Olivgrün, Bräunlichgrün bis fast Schwarz, selten farblos |
| Wichtigste Fundorte | Bourg d'Oisans in der Isère (Frankreich, Typlokalität), Knappenwand im Untersulzbachtal bei Neukirchen am Großvenediger (Österreich), Capelinha in Minas Gerais (Brasilien), Sandare und Bendoukou in der Region Kayes (Mali), Gilgit-Baltistan (Pakistan), Prince of Wales Island in Alaska (USA), Kenia, Mexiko, Norwegen |
| Behandlungen | keine marktüblichen Behandlungen bekannt; weder Brennen noch Bestrahlung haben sich durchgesetzt |
| Erstbeschreibung | 1801 durch René Just Haüy, benannt nach griechisch epidosis für Zuwachs, weil eine Prismenseite länger ausgebildet ist |
Ein Mineral, das eine ganze Reihe anführt
Epidot ist kein einzelner Stein, sondern das eisenreiche Ende einer Mischkristallreihe. Am anderen Ende steht Klinozoisit, das reine Aluminium-Glied, farblos bis blassgrün oder blassrosa. Mit jedem Prozent dreiwertigen Eisens, das auf den Aluminiumplatz rückt, wird der Kristall grüner, dichter und stärker lichtbrechend. Beide Endglieder sind monoklin und bilden eine lückenlose Reihe; im Handel heißt praktisch alles Epidot, was deutlich grün ist. Diese Kontinuität erklärt, warum die Literaturwerte für Brechungsindex, Dichte und Doppelbrechung so weit streuen. Ein blassgrüner Stein mit 1,72 und ein tiefgrüner mit 1,78 können beide korrekt als Epidot bezeichnet sein. Für Sie bedeutet das: Ein Zertifikat, das nur den Namen nennt, sagt wenig. Verlangen Sie die gemessenen Werte, denn sie beschreiben, wo in der Reihe Ihr Stein tatsächlich steht.
Der Pleochroismus, der über den Stein entscheidet
Kaum ein anderer geschliffener Edelstein zeigt einen so ausgeprägten Pleochroismus wie Epidot. Je nach Blickrichtung erscheint derselbe Kristall farblos bis blassgelb, grünlichgelb oder kräftig gelblichgrün. Drehen Sie einen Rohkristall im Tageslicht, und Sie sehen den Farbwechsel mit bloßem Auge; ein Dichroskop ist dafür nicht nötig. Für den Schleifer ist das Segen und Fluch zugleich. Wird der Stein falsch orientiert, wirkt er braunstichig und tot; richtig orientiert leuchtet er in einem frischen Gelbgrün, das an Pistazie erinnert. Genau dieser Farbeindruck hat dem eisenreichen Material den historischen Namen Pistazit eingetragen. Achten Sie deshalb beim Kauf darauf, den Stein aus verschiedenen Winkeln zu betrachten, und zwar bei Tageslicht. Ein Stein, der nur in einer einzigen Position schön aussieht, ist schlecht geschliffen. Prüfen Sie auch den Übergang zu Kunstlicht, unter dem Epidot meist dunkler und gelblicher wirkt.
Knappenwand und die klassischen Vorkommen
Die Typlokalität von Epidot liegt bei Bourg d'Oisans in der französischen Isère, wo Haüy das Mineral 1801 beschrieb. Berühmt geworden ist das Mineral jedoch an einem anderen Ort: der Knappenwand im Untersulzbachtal bei Neukirchen am Großvenediger im Salzburger Land. Dort entdeckte 1865 der Strahler Alois Wurnitsch lose Epidotkristalle, kurz darauf eine Kluft mit ganzen Kristallgruppen. Ab 1867 wurde systematisch abgebaut. Der Mineraloge Aristides Brezina dokumentierte 1869 Kristalle bis 13 Zentimeter Länge, neuere Funde erreichen 16 Zentimeter. Von 1977 bis 1992 hielt das Naturhistorische Museum Wien die Konzession, seit 2001 arbeiten wieder ortsansässige Strahler an der Wand. Knappenwand-Epidote sind unter Sammlern ein eigener Begriff und werden nach Stufe, nicht nach Karat bezahlt. Schleifbares Material liefern daneben vor allem Brasilien, Mali und Pakistan.
Was Epidot im Handel wirklich kostet
Epidot ist billig in der Rohware und erstaunlich teuer im fertigen Stein. Rohes Material geht im Großhandel für 0,10 bis 0,50 Euro pro Karat weg, gute Sammlerkristalle für 0,80 bis 2,50 Euro pro Karat, Cabochonmaterial für unter einem Euro. Sauber facettierte Steine dagegen liegen im Großhandel zwischen 30 und 300 Euro pro Karat. Der Grund für diesen Sprung liegt nicht in der Seltenheit des Minerals — Epidot ist weltweit häufig —, sondern in der Schwierigkeit, daraus einen lebendigen Stein zu schleifen. Die vollkommene Spaltbarkeit, die starke Doppelbrechung und die Neigung zu dunklen, leblosen Ergebnissen sortieren fast alles aus. Wer Epidot kauft, bezahlt das Können des Schleifers, nicht die Knappheit des Rohstoffs. Große facettierte Steine über vier Karat sind fast immer zu dunkel.
Alle Themen im Überblick
Kurz gefasst
Kaufen Sie Epidot in kleinen Größen. Facettierte Steine zwischen einem und drei Karat in klarem Gelbgrün bieten das beste Verhältnis aus Preis, Leuchtkraft und Verfügbarkeit; alles über vier Karat wird meist zu dunkel und wirkt leblos. Prüfen Sie den Stein aus mehreren Blickwinkeln bei Tageslicht — der starke Pleochroismus verrät sofort, ob der Schleifer sauber orientiert hat. Fassen Sie Epidot wegen der vollkommenen Spaltbarkeit geschützt und meiden Sie Ultraschall. Unakit und Epidot in Quarz sind hübsche Gesteine, aber keine Edelsteine; zahlen Sie dafür keine Edelsteinpreise.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Epidot stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
