Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Brillant · Preis

Was ein Brillant kostet

Es gibt keinen Börsenkurs für Brillanten. Der Preis entsteht aus vier Merkmalen, zwei Marktlisten und einer Reihe von Schwellen, die mit Physik nichts zu tun haben — und er hat sich in den letzten Jahren stärker verändert als in den drei Jahrzehnten davor.

Gerechnet wird je Karat

Im Handel wird nicht der Stein bepreist, sondern das Karat. Der Karatpreis hängt von der Gewichtsklasse ab und steigt mit ihr sprunghaft. Ein Beispiel in derselben Qualität: Kostet das Karat bei 0,50 Karat 3.000 Euro, liegt der Stein bei 1.500 Euro. Kostet das Karat bei 1,00 Karat 6.000 Euro, liegt derselbe Stein in doppeltem Gewicht bei 6.000 Euro — das Vierfache, nicht das Doppelte.

Zwei Marktlisten. Die Rapaport Price List und die Liste der IDEX veröffentlichen wöchentlich Richtpreise in US-Dollar je Karat, aufgeschlüsselt nach Gewichtsklasse, Farbe und Reinheit. Sie sind Verhandlungsgrundlage im Großhandel, keine Endkundenpreise; im Handel wird üblicherweise ein Abschlag darauf vereinbart. Endkunden sehen diese Listen nicht, können aber nach dem Abschlag fragen.

Orientierungswerte

Die folgenden Spannen beziehen sich auf zertifizierte Brillanten mit Schliffnote Excellent im deutschen Einzelhandel, ohne Fassung, einschließlich Umsatzsteuer. Stand September 2026. Sie dienen der Einordnung und ersetzen keine Bewertung des einzelnen Steins.

GewichtQualitätSpanne in Euro
0,25 ctH / SI1250 – 450
F / VS1450 – 800
0,50 ctH / SI1900 – 1.600
F / VS11.700 – 3.000
1,00 ctH / SI13.500 – 5.500
G / VS15.500 – 9.000
D / IF14.000 – 25.000
2,00 ctH / SI111.000 – 18.000
G / VS119.000 – 32.000
Preis je Karat, Qualität H/SI1, EinzelhandelSäulendiagramm: der Preis je Karat steigt von rund 1.400 Euro bei 0,25 Karat über 2.500 und 4.500 Euro auf rund 7.250 Euro bei 2 Karat.1800 €3600 €5400 €7200 €1.400 €0,25 ct2.500 €0,50 ct4.500 €1,00 ct7.250 €2,00 ctPreis je Karat, Qualität H/SI1, Einzelhandel
Der Karatpreis steigt mit der Gewichtsklasse. Die Säulen sind aus den Mittelwerten der Tabelle darüber gerechnet: nicht der Stein wird teurer, sondern jedes einzelne Karat. Deshalb kostet doppeltes Gewicht ungefähr das Vierfache. Stand September 2026.

Die Spannen sind breit, und das ist kein Mangel der Tabelle. Zwischen zwei Steinen mit identischer Zeile im Zertifikat können dreißig Prozent Unterschied liegen — je nach Lage der Einschlüsse, Fluoreszenz, Rundistenstärke und danach, welches Labor geprüft hat.

Die Schwellen

An runden Gewichten springt der Karatpreis, besonders bei 0,50, 0,70, 0,90, 1,00, 1,50, 2,00, 3,00 und 5,00 Karat. Der Sprung bei einem vollen Karat ist der größte und liegt üblicherweise zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Prozent. Ein Stein von 0,95 Karat misst 6,4 statt 6,5 Millimeter — sichtbar ist der Unterschied nicht, bezahlbar schon.

Dieselbe Schwelle wirkt auf den Schliff zurück: Wer beim Schleifen knapp unter einer Schwelle landet, lässt die Rundiste dicker stehen oder schleift den Pavillon steiler, um die Marke zu erreichen. Was dabei an Lichtrückgabe verlorengeht, steht auf der Seite zu den Proportionen.

Was Labordiamanten verändert haben

Im Labor gewachsene Diamanten sind chemisch, physikalisch und optisch Diamanten; im runden Vollschliff sind es Brillanten, die als synthetisch gekennzeichnet werden müssen. Ihr Preis ist seit 2020 stark gefallen, weil die Produktionskapazität schneller gewachsen ist als die Nachfrage.

Marktberichte für 2026 nennen für einen Einkaräter der Qualität G/VS1 im Großhandel rund 4.500 bis 7.000 US-Dollar beim Naturdiamanten und unter 1.000 US-Dollar beim Labordiamanten — ein Abstand von siebzig bis fünfundachtzig Prozent. Zwei Folgerungen daraus:

Die technischen Unterschiede und die Nachweisverfahren stehen im Diamant-Lexikon unter synthetische Diamanten. Zur langfristigen Wertentwicklung von Edelsteinen allgemein gibt es die Seite Edelsteine als Investment.

Worin sich Händlerpreise unterscheiden

PostenWirkung auf den Preis
PrüflaborSteine mit GIA-Zertifikat werden höher gehandelt als solche mit Zertifikaten strenger oder milder bewertender Häuser. Der Unterschied kann zehn Prozent und mehr betragen.
FluoreszenzStarke Blaufluoreszenz drückt den Preis bei sehr farblosen Steinen, bei getönten kann sie ihn heben.
Lage der EinschlüsseEin Einschluss unter der Tafel kostet mehr Preis als derselbe Einschluss am Rand.
RundistenstärkeEine dicke Rundiste bedeutet bezahltes, aber unsichtbares Gewicht.
FassungDer Preis eines gefassten Steins enthält Metall und Arbeit; ein Vergleich ist nur bei losen Steinen sinnvoll.

Wie man vergleicht

Nur lose Steine, nur mit Zertifikat desselben Labors, nur bei gleicher Gewichtsklasse und immer auf den Karatpreis umgerechnet. Alles andere vergleicht Äpfel mit Birnen — und genau darauf beruht ein guter Teil der Preisunterschiede im Schaufenster.

Quellen: Rapaport und IDEX, wöchentliche Preislisten · Marktberichte zum Preisverhältnis Natur- und Labordiamant 2026 · Preisangaben deutscher Diamanthändler, Stand September 2026

Häufige Fragen

Was kostet ein Brillant mit einem Karat?
Je nach Farbe und Reinheit zwischen etwa 3.500 und 25.000 Euro im deutschen Einzelhandel, Stand September 2026. Die gefragte Mitte mit G und VS1 liegt bei rund 5.500 bis 9.000 Euro.
Warum kostet ein Zweikaräter mehr als das Doppelte?
Weil nicht der Stein, sondern das Karat bepreist wird und der Karatpreis mit der Gewichtsklasse steigt. Doppeltes Gewicht zu einem höheren Karatpreis ergibt ungefähr das Vierfache.
Sind Labordiamanten billiger?
Deutlich. Marktberichte für 2026 nennen einen Abstand von siebzig bis fünfundachtzig Prozent bei gleicher Qualitätsangabe. Die Preise fallen weiter, was sie als Wertaufbewahrung ungeeignet macht.
Bekomme ich beim Verkauf den Kaufpreis zurück?
In aller Regel nicht. Der Ankaufspreis des Handels liegt unter dem Verkaufspreis, weil die Handelsspanne, die Umsatzsteuer und die Kosten der Prüfung entfallen beziehungsweise erneut anfallen.