Die Facettenzahl macht den Brillanten aus, die Facettenwinkel machen ihn schön. Zwischen einem lebhaften und einem stumpfen Stein liegen oft nur zwei Grad am Unterteil — und die kann man nachrechnen.
Die Maße, auf die es ankommt
Alle Proportionen eines Brillanten werden in Prozent seines Rundistendurchmessers angegeben. Der Durchmesser ist also immer 100 %, und Tafel, Kronenhöhe, Pavillontiefe und Gesamthöhe werden daran gemessen. Das macht Steine unterschiedlicher Größe direkt vergleichbar.
Was bei falschen Winkeln geschieht
Damit Licht im Stein bleibt, muss es von innen flacher als 24,4° zur Facettennormalen auftreffen — das ist der Grenzwinkel der Totalreflexion beim Brechungsindex 2,417. Wird er unterschritten, tritt das Licht aus, statt zurückgeworfen zu werden. Genau das passiert, wenn der Pavillon zu flach oder zu tief geschliffen ist.
In der Praxis haben die beiden Fehler eigene Namen. Ein zu flacher Pavillon erzeugt ein Fenster: man sieht durch die Tafel hindurch, statt Reflexe zu sehen, und bei sehr flachen Steinen spiegelt sich die Rundiste als grauer Ring in der Tafel — das sogenannte Fischauge. Ein zu tiefer Pavillon erzeugt einen Nagelkopf: die Mitte der Tafel bleibt dunkel, weil das Licht seitlich entweicht. Beide Steine wiegen mehr, als ihr Durchmesser vermuten lässt.
Die Bereiche der Schliffbewertung
GIA prüft seit Januar 2006 acht Proportionswerte am runden Brillanten. Die folgende Tabelle nennt die Bereiche, die für sich genommen zur besten Note passen. Die Note selbst ergibt sich nicht aus einzelnen Werten, sondern aus ihrem Zusammenspiel: eine steile Krone verträgt einen anderen Pavillonwinkel als eine flache.
| Maß | Bereich für Excellent | Was es steuert |
|---|---|---|
| Tafelgröße | 52 – 62 % | Große Tafel: mehr Helligkeit, weniger Farbspiel. Kleine Tafel: umgekehrt. |
| Kronenwinkel | 31,5 – 36,5° | Zerlegung des Lichts in Spektralfarben, das sogenannte Feuer. |
| Kronenhöhe | 12,5 – 17,0 % | Folgt aus Tafel und Kronenwinkel; zu niedrig wirkt der Stein flach. |
| Pavillonwinkel | 40,6 – 41,8° | Der wichtigste Einzelwert. Er entscheidet über beide Totalreflexionen. |
| Gesamthöhe | 57,5 – 63,0 % | Verhältnis von Gewicht zu Durchmesser. Hohe Werte bedeuten versteckten Gewichtsballast. |
| Sternfacettenlänge | 45 – 65 % | Feinheit des Musters im oberen Drittel. |
| Länge der unteren Rundistfacetten | 70 – 85 % | Kleinteiligkeit der Reflexe, das sogenannte Funkeln. |
| Rundistenstärke | 2,5 – 4,5 % | Zu dünn: bruchgefährdet. Zu dick: unnötiges Gewicht im Rand. |
| Kalette | keine bis klein | Große Kaletten erscheinen als heller Punkt in der Tafelmitte. |
Tolkowsky und die Wirklichkeit
Marcel Tolkowsky veröffentlichte seine Rechnung 1919 in London. Sie war zweidimensional, ging von einer Rundistenstärke von null aus und betrachtete einen einzelnen Lichtweg. Trotzdem liegt sein Pavillonwinkel von 40,75° bis heute mitten im besten Bereich. Sein Wert für die Tafel — 53 % — gilt dagegen inzwischen als klein; im Handel sind 55 bis 58 % üblich, weil eine größere Tafel den Stein heller und optisch etwas größer wirken lässt.
Dass Tolkowsky den Brillantschliff erfunden hätte, ist eine Verkürzung. Der runde Vollschliff war um 1910 bereits in Gebrauch; Tolkowsky hat ihn gerechnet und damit begründet. Mehr dazu auf der Seite zur Geschichte des Schliffs.
Was Proportionen nicht leisten
Eine Proportionsliste ist kein Ersatz für das Ansehen des Steins. Zwei Brillanten mit identischen Zahlen können unterschiedlich wirken, weil Facettenkanten nicht exakt zusammentreffen, weil die Tafel leicht verkantet sitzt oder weil die Politur Schleifspuren trägt. Diese Merkmale gehören zur Schliffbewertung, nicht zu den Proportionen.
Die eine Zahl
Wenn man sich nur einen Wert merken will: der Pavillonwinkel. Er sollte zwischen 40,6° und 41,8° liegen. Alles andere lässt sich ausgleichen, dieser Winkel nicht.
Quellen: GIA, The GIA Diamond Cut Grading System for Round Brilliant Cut Diamonds · Marcel Tolkowsky, Diamond Design, London 1919 · GIA, 4Cs – Diamond Cut