Karat ist ein Gewicht, kein Maß. Wie groß ein Brillant aussieht, hängt an seinem Durchmesser — und der wächst langsamer, als die meisten erwarten.
Die Reihe im richtigen Verhältnis
| Gewicht | Durchmesser | Im Handel |
|---|---|---|
| 0,005 ct | 1,1 mm | kleinste übliche Ware, Pavé-Besatz |
| 0,01 ct | 1,4 mm | Melée, meist im Achtkantschliff |
| 0,03 ct | 2,0 mm | Melée, ab hier Vollschliff üblich |
| 0,10 ct | 3,0 mm | Beisteine, Memoire-Ringe |
| 0,25 ct | 4,1 mm | kleiner Solitär |
| 0,50 ct | 5,1 mm | häufigste Solitärgröße |
| 0,75 ct | 5,9 mm | beliebte Zwischengröße unter der Karatschwelle |
| 1,00 ct | 6,5 mm | Preisschwelle, gefragteste Einzelgröße |
| 1,50 ct | 7,4 mm | |
| 2,00 ct | 8,2 mm | nächste deutliche Preisschwelle |
| 3,00 ct | 9,3 mm | |
| 5,00 ct | 11,1 mm | Einzelstück, meist mit großem Labor-Zertifikat |
| 10,00 ct | 13,9 mm | Auktionsware |
Die Formel dahinter
Das Gewicht eines runden Brillanten lässt sich aus seinen Maßen abschätzen:
Beide Maße in Millimetern. Der Faktor 0,0061 fasst die Dichte des Diamanten von 3,52 g/cm3 und den Formfaktor des Brillantschliffs zusammen. Bei einer dicken Rundiste werden ein bis drei Prozent zugeschlagen.
Setzt man die übliche Gesamthöhe von rund 61 % des Durchmessers ein, bleibt eine einfache Beziehung: Das Gewicht wächst mit der dritten Potenz des Durchmessers. Daraus folgt die Faustregel, die den meisten Käufern fehlt: doppeltes Gewicht bedeutet nur rund 26 % mehr Durchmesser. Ein Zweikaräter ist 8,2 statt 6,5 Millimeter breit — und kostet ein Mehrfaches.
Warum die Formel nur schätzt
Sie geht von einem gut proportionierten Stein aus. Ein zu tief geschliffener Brillant wiegt bei gleichem Durchmesser mehr, ein zu flacher weniger. Genau darin liegt die Versuchung beim Schleifen: Wer die Rundiste dick stehen lässt und den Pavillon steiler schleift, rettet Gewicht über eine Preisschwelle — auf Kosten der Lichtrückgabe. Die Angabe Gewichtsverhältnis in der Schliffbewertung erfasst genau diesen Fall.
Die Preisschwellen
Der Preis je Karat springt an runden Gewichten, vor allem bei 0,50, 0,70, 0,90, 1,00, 1,50, 2,00, 3,00 und 5,00 Karat. Der Sprung entsteht nicht aus der Seltenheit, sondern aus der Nachfrage: Gesucht wird „ein Einkaräter“, nicht „6,5 Millimeter“.
Daraus ergibt sich ein praktischer Rat. Ein Stein von 0,90 bis 0,95 Karat ist von einem Einkaräter mit bloßem Auge nicht zu unterscheiden — der Durchmesser liegt bei 6,3 statt 6,5 Millimetern — kostet je Karat aber spürbar weniger. Wer nicht auf die Zahl im Zertifikat angewiesen ist, kauft hier am günstigsten. Mehr zur Preisbildung auf der Seite Was ein Brillant kostet.
Größer wirken lassen
- Flache Krone, große Tafel. Ein Stein mit 58 % Tafel wirkt von oben breiter als einer mit 53 % — bei gleichem Gewicht.
- Gesamthöhe prüfen. Liegt sie über 63 %, steckt Gewicht in der Tiefe, das niemand sieht.
- Fassung wählen. Eine Kräppchenfassung lässt mehr vom Stein frei als eine Zarge und lässt ihn größer erscheinen.
- Halo statt Solitär. Ein Kranz kleiner Steine um den Hauptstein vergrößert den sichtbaren Durchmesser erheblich und kostet einen Bruchteil.
Zum Merken
Ein Karat entspricht 6,5 Millimetern, ein halbes 5,1 und ein Viertel 4,1. Zwischen diesen drei Werten liegen die meisten Käufe — und zwischen dem ersten und dem letzten liegt beim Durchmesser nur ein Faktor 1,6, beim Preis oft ein Faktor zehn.
Quellen: Wikipedia, Artikel Brillant und Brilliant (gemstone cut) · GIA, 4Cs – Diamond Cut