Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Brillant · Bewertung

Schliffbewertung: von Excellent bis Poor

Von den vier C ist der Schliff das einzige, das der Mensch zu verantworten hat. Farbe, Reinheit und Gewicht bringt der Stein mit; wie viel davon sichtbar wird, entscheidet der Schleifer.

Was bewertet wird

Seit Januar 2006 vergibt GIA für den runden Brillanten eine eigene Schliffnote in fünf Stufen: Excellent, Very Good, Good, Fair, Poor. Die Note fasst drei Gruppen von Merkmalen zusammen.

GruppeMerkmalWas gemeint ist
Erscheinung von obenBrillanzDie Summe des weißen Lichts, das der Stein innen und außen zurückwirft.
FeuerDie Zerlegung des Lichts in Spektralfarben. Sie hängt vor allem am Kronenwinkel.
SzintillationDas Muster aus hellen und dunklen Feldern und das Aufblitzen bei Bewegung.
KonstruktionGewichtsverhältnisSteht das Gewicht in einem vernünftigen Verhältnis zum Durchmesser, oder steckt es in einer dicken Rundiste und einem tiefen Pavillon?
HaltbarkeitSind Rundiste oder Spitze so dünn geschliffen, dass sie im Alltag gefährdet sind?
HandwerkPoliturZustand der Facettenoberflächen: Schleifspuren, Brennflecken, Kratzer.
SymmetrieGenauigkeit von Form und Lage der Facetten: treffen die Kanten zusammen, sitzt die Tafel mittig, ist die Rundiste gleichmäßig stark?

Politur und Symmetrie werden zusätzlich als eigene Noten ausgewiesen. Ein Stein mit dreimal Excellent — Schliff, Politur, Symmetrie — wird im Handel als 3× Excellent oder Triple Ex angeboten.

Deutsche Bezeichnungen. Nach den Regeln von CIBJO und IDC werden vier Stufen unterschieden: sehr gut, gut, mittel, gering. Sie decken sich nicht eins zu eins mit den fünf GIA-Stufen. Ein Zertifikat sollte deshalb immer sagen, nach welchem System es bewertet — sonst ist „sehr gut“ nicht vergleichbar mit „Excellent“.

Herz und Pfeil

Bei sehr genauer Symmetrie ordnen sich die Reflexe zu einem regelmäßigen Muster: acht Pfeile beim Blick von oben durch die Tafel, acht Herzen beim Blick von unten. Sichtbar wird es erst mit einem einfachen Betrachtungsrohr — dem Firescope, das Kazumi Okuda in den 1970er Jahren entwickelte. Der japanische Schleifer Takanori Tamura entdeckte den Effekt in den 1980er Jahren; den Namen Hearts and Arrows prägte Kinsaku Yamashita 1988.

Herz-und-Pfeil-MusterLinks acht gleichmäßige Pfeile, die bei Betrachtung von oben durch das Oberteil sichtbar werden, rechts acht Herzen, die von unten erscheinen. Das Muster entsteht nur bei sehr genauer Symmetrie.acht Pfeile • von obenacht Herzen • von unten
Das Muster, schematisch. Die acht Pfeile entstehen aus den Pavillonhauptfacetten, die sich in den Kronfacetten spiegeln; die acht Herzen aus derselben Anordnung von der anderen Seite. Schon Abweichungen von wenigen Zehntelgrad zerstören die Regelmäßigkeit.

Das Muster ist ein Symmetrienachweis, keine eigene Qualitätsstufe und keine geschützte Bezeichnung. Es setzt eine etwas kleinere Tafel voraus als der übliche Handelsschliff und kostet deutlich mehr Schleifzeit. Ein Stein mit Herz-und-Pfeil-Muster ist also sehr wahrscheinlich exakt geschliffen — aber ein Brillant ohne dieses Muster kann trotzdem Excellent sein.

Was eine gute Note wert ist

Der Unterschied zwischen Excellent und Good ist mit bloßem Auge sichtbar, der zwischen Excellent und Very Good häufig nicht. Wer an einer Stelle sparen will, spart hier weniger schmerzhaft als bei der Farbe: ein Stein mit Very Good und einer Farbstufe besser wirkt meist lebendiger als umgekehrt. Ganz nach unten sollte man nicht gehen — ein Schliff mit der Note Fair oder Poor lässt sich später nicht ausgleichen.

Fluoreszenz gehört nicht dazu

Viele Zertifikate führen unter den Schliffangaben auch die Fluoreszenz auf — das Leuchten des Steins unter langwelligem UV-Licht, meist blau. Sie ist weder Teil der Schliffbewertung noch ein Fehler. Bei stark getönten Steinen kann sie die Farbe sogar weißer erscheinen lassen; bei sehr farblosen Steinen der Stufen D bis F kann starke Fluoreszenz milchig wirken und drückt dann den Preis.

Worauf zu achten ist

Schliffnote nicht unter Very Good, Politur und Symmetrie ebenfalls nicht, und im Zweifel lieber eine Farbstufe tiefer als eine Schliffstufe. Der Schliff ist das einzige Kriterium, das man dem Stein ansieht, ohne ihn zu messen.

Quellen: GIA, The GIA Diamond Cut Grading System for Round Brilliant Cut Diamonds · GIA, 4Cs – Diamond Cut · Deutscher Diamant Club, Qualitätskriterien nach CIBJO/IDC · RENÉSIM Diamantenlexikon, Eintrag Hearts & Arrows

Häufige Fragen

Was bedeutet 3x Excellent?
Die Noten für Schliff, Politur und Symmetrie stehen alle drei auf der besten Stufe. Im deutschen Handel findet man dafür auch die Angabe dreimal sehr gut.
Sind Hearts and Arrows mehr wert?
Das Muster belegt eine sehr genaue Symmetrie und kostet mehr Schleifzeit, weshalb solche Steine teurer angeboten werden. Es ist aber keine geschützte Bezeichnung und keine eigene Note; ein Brillant ohne das Muster kann ebenso gut geschliffen sein.
Ist Fluoreszenz ein Mangel?
Nein. Sie ist eine Eigenschaft des Steins und wird gesondert ausgewiesen. Bei leicht getönten Steinen kann sie nützen, bei sehr farblosen kann starke Fluoreszenz milchig wirken.
Wo liegt der Unterschied zwischen Politur und Symmetrie?
Die Politur betrifft die Oberfläche der einzelnen Facette, die Symmetrie ihre Form und Lage. Schleifspuren sind ein Politurfehler, eine verkantete Tafel ein Symmetriefehler.