Der Brillantschliff ist eine Facettenanordnung, keine Umrissform. Man kann ihn auf ein Oval, einen Tropfen oder ein Herz übertragen — nur heißt das Ergebnis dann nicht mehr Brillant.
Brillantiert heißt nicht Brillant
Trägt ein Stein die typischen dreieckigen und rautenförmigen Facetten des Brillantschliffs, aber einen anderen Umriss als den Kreis, spricht man von einem brillantierten Schliff. Im Handel heißen diese Formen Fantasieschliffe oder Fancy Shapes. Die Bezeichnung Brillant ohne Zusatz bleibt dem runden Vollschliff vorbehalten.
| Form | Art | Kennzeichen | Was zu beachten ist |
|---|---|---|---|
| Rund | Vollschliff | 57 oder 58 Facetten, kreisrunde Rundiste | Die einzige Form mit einer eigenen Schliffnote von GIA. Materialverlust aus dem Rohstein am höchsten, deshalb teurer je Karat. |
| Oval | brillantiert | meist 56 bis 58 Facetten | Wirkt bei gleichem Gewicht größer als rund. Anfällig für den Bow-Tie-Effekt: ein dunkler Querbalken in der Mitte. |
| Marquise | brillantiert | spitz zulaufende Ellipse | Streckt den Finger optisch. Die beiden Spitzen sind stoßempfindlich und sollten gefasst sein. |
| Tropfen | brillantiert | eine Spitze, ein runder Abschluss | Ebenfalls Bow-Tie-gefährdet. Auf Symmetrie der beiden Hälften achten. |
| Herz | brillantiert | Kerbe und zwei Lappen | Anspruchsvollste Form im Schliff. Unter 0,50 Karat ist die Herzform oft nicht mehr klar erkennbar. |
| Kissen | brillantiert | quadratisch mit runden Ecken | Größeres, ruhigeres Farbspiel. Moderne Varianten mit zusätzlichen Facetten heißen Crushed Ice. |
| Prinzess | Mischschliff | quadratisch, 57 bis 76 Facetten | Kombiniert Brillant- und Treppenschliff. Nutzt den Rohstein sehr gut aus und ist deshalb je Karat günstiger. Die Ecken sind bruchgefährdet. |
| Smaragd | Treppenschliff | längliche, parallele Facetten | Kein Brillantschliff. Zeigt wenig Funkeln, dafür Tiefe — und jeden Einschluss. Hier lohnt eine höhere Reinheitsstufe. |
Andere Steine im Brillantschliff
Der Schliff ist nicht dem Diamanten vorbehalten. Zirkonia, Moissanit, Topas, Saphir und viele andere werden im runden Vollschliff geschliffen. Nur darf das im Verkauf nicht verschwiegen werden: Die Bezeichnung muss den Stein eindeutig nennen, also etwa Zirkonia in Brillantschliff oder Weißtopas, Brillantschliff.
Optisch funktioniert der Schliff bei anderen Steinen nur bedingt, weil er auf den Brechungsindex des Diamanten hin gerechnet ist. Bei einem Stein mit niedrigerem Brechungsindex ist der Grenzwinkel größer, und ein Teil des Lichts verlässt den Stein durch das Unterteil. Deshalb wirken ein Bergkristall oder ein Topas im Brillantschliff bei gleicher Größe zurückhaltender als ein Diamant.
| Stein | Brechungsindex | Grenzwinkel | Wirkung im Brillantschliff |
|---|---|---|---|
| Diamant | 2,417 | 24,4° | Maßstab, für den der Schliff gerechnet wurde |
| Moissanit | 2,65 – 2,69 | rund 22° | noch mehr Farbzerlegung, deutlich auffälliger |
| Zirkonia | 2,15 – 2,18 | rund 28° | nah am Diamanten, etwas weniger Tiefe |
| Saphir | 1,76 – 1,77 | rund 34° | kleineres Fenster, Schliff meist angepasst |
| Bergkristall | 1,54 – 1,55 | rund 40° | spürbarer Lichtverlust nach unten |
Preis je Karat nach Form
Der runde Vollschliff ist bei sonst gleichen Merkmalen die teuerste Form. Zwei Gründe: Aus einem oktaedrischen Rohstein bleiben beim Rundschleifen nur etwa 40 % Gewicht übrig, bei einem Prinzessschliff dagegen bis zu 80 %. Und die Nachfrage konzentriert sich auf die runde Form. Fantasieschliffe liegen je nach Form und Marktlage zehn bis dreißig Prozent darunter.
Die Sprachregel
Rund und Diamant: Brillant. Andere Form, aber dieselben Facetten: brillantiert. Anderer Stein, gleicher Schliff: der Stein wird genannt, der Schliff angehängt. Alles andere ist irreführend.
Quellen: Wikipedia, Artikel Brillant und Brilliant (gemstone cut) · Deutscher Diamant Club, Qualitätskriterien nach CIBJO/IDC · GIA, 4Cs – Diamond Cut