57 Facetten, verteilt auf vier Sorten im Oberteil und zwei im Unterteil, jede mit einer eigenen Aufgabe. Wer die Namen kennt, kann ein Schliffgutachten lesen — und erkennt auf den ersten Blick, ob ein runder Stein wirklich ein Vollschliff ist.
Oberteil: 33 Flächen
Das Oberteil, auch Krone genannt, reicht von der Tafel bis zur Rundiste. Es trägt die größte Einzelfläche des Steins und zugleich die feinsten.
| Facette | Anzahl | Form | Aufgabe |
|---|---|---|---|
| Tafel | 1 | regelmäßiges Achteck | Haupteintritts- und Hauptaustrittsfläche. Über sie kommt der größte Teil des Lichts herein und der größte Teil der Helligkeit zurück. |
| Hauptfacetten auch Bezel- oder Kronrautenfacetten | 8 | Rauten | Sie kippen das Licht seitlich weg und wieder zurück. Ihr Winkel zur Rundiste ist der Kronenwinkel und bestimmt, wie viel Farbzerlegung sichtbar wird. |
| Sternfacetten | 8 | Dreiecke | Sie sitzen auf den Kanten der Tafel und vermitteln zwischen Tafel und Hauptfacetten. Ihre Länge steuert, wie fein das Funkeln aufgeteilt ist. |
| obere Rundistfacetten auch obere Hälften | 16 | Dreiecke | Sie führen die Krone zur Rundiste hinunter und erzeugen die vielen kleinen Lichtpunkte am Rand des Steins. |
| Summe Oberteil | 33 Flächen | ||
Unterteil: 24 oder 25 Flächen
Das Unterteil, der Pavillon, arbeitet als Spiegel. Es trägt nur zwei Facettensorten, und beide sind größer und wirkungsvoller als alles im Oberteil.
| Facette | Anzahl | Form | Aufgabe |
|---|---|---|---|
| Pavillonhauptfacetten | 8 | lange Rauten | Die eigentlichen Spiegel. Ihr Winkel zur Rundiste entscheidet darüber, ob das Licht zweimal total reflektiert wird oder unten austritt. |
| untere Rundistfacetten auch untere Hälften | 16 | Dreiecke | Sie teilen die Reflexe auf. Je länger sie geschliffen sind, desto kleinteiliger und lebhafter wirkt das Funkeln. |
| Kalette | 0 oder 1 | winziges Achteck | Eine kleine Fläche an der Spitze, ursprünglich zum Schutz vor Absplittern. Moderne Brillanten laufen meist spitz zu; eine sichtbare Kalette wirkt als heller Punkt in der Tafelmitte. |
| Summe Unterteil | 24 Flächen, mit Kalette 25 | ||
Wie die Facetten zusammenpassen
Die Anordnung ist achtzählig: jede Sorte tritt in Vielfachen von acht auf, und alle Sorten sind gegeneinander um 22,5° versetzt. Die acht Pavillonhauptfacetten liegen dabei genau unter den acht Kronhauptfacetten. Diese Ausrichtung ist der Grund dafür, dass ein sehr genau geschliffener Brillant das Herz-und-Pfeil-Muster zeigt.
Eine Facette ist eine ebene Fläche, keine gewölbte. Jede muss in ihrem Winkel und ihrer Größe zu den sieben gleichartigen passen; Abweichungen von einem Zehntelgrad sind im Reflexbild sichtbar. Wie weit die Winkel abweichen dürfen, ist der Gegenstand der Schliffbewertung.
Andere Facettenzahlen
- Achtkant, 16 oder 17 Facetten. Der Einfachschliff für sehr kleine Steine unter etwa 0,02 Karat. Er heißt nicht Brillant.
- Schweizer Schliff, 33 Facetten. Zwischenform für kleine Ware, ebenfalls kein Vollschliff.
- Vollschliff, 57 oder 58 Facetten. Die einzige Form, die Brillant heißen darf.
- Mehrfachbrillantierung, 65 bis über 100 Facetten. Zusätzliche Rundist- oder Pavillonfacetten. Sie sind Sonderschliffe und tragen eigene Handelsnamen.
Zum Nachzählen
1 Tafel + 8 Haupt + 8 Stern + 16 obere Rundist = 33 im Oberteil. 8 Haupt + 16 untere Rundist = 24 im Unterteil. Zusammen 57, mit Kalette 58. Jede andere Zahl gehört zu einer anderen Schliffform.
Quellen: Wikipedia, Artikel Brillant und Brilliant (gemstone cut) · GIA, 4Cs – Diamond Cut · Deutscher Diamant Club, Qualitätskriterien nach CIBJO/IDC