Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Brillant · Bewertung

Die vier C beim Brillanten

Farbe, Reinheit, Schliff und Gewicht — auf Englisch Colour, Clarity, Cut, Carat. Vier Kriterien, von denen drei am Stein abgelesen und eines gewogen wird. Der Preis ergibt sich aus allen vieren zugleich, nie aus einem allein.

Farbe: je weniger, desto besser

Bei farblosen Brillanten wird nicht die Farbe bewertet, sondern ihr Fehlen. Die Skala beginnt bei D für völlig farblos und läuft bis Z für deutlich gelblich. Beurteilt wird im Vergleich mit Meistersteinen, bei genormter Beleuchtung und mit Blick durch die Seite — nicht durch die Tafel, weil der Schliff dort die Tönung verdeckt.

Farbskala von D bis ZZwölf Felder von farblos bis deutlich gelblich, jeweils mit dem GIA-Buchstaben und der deutschen Bezeichnung nach CIBJO von Hochfeines Weiß+ bis Getönt.DHochfeinesWeiß+EHochfeinesWeißFFeinesWeiß+GFeinesWeißHWeißILeichtgetöntesWeiß+JLeichtgetöntesWeißKGetöntesWeiß+LGetöntesWeißMGetönt1N–RGetönt2–3S–ZGetönt4
Die Farbskala mit deutschen Bezeichnungen. Die Unterschiede zwischen benachbarten Stufen sind am losen Stein von der Seite erkennbar, im gefassten Schmuck oft nicht mehr. Die Darstellung ist schematisch; verbindlich ist der Vergleich mit Meistersteinen.
GIABezeichnung nach CIBJOPraktisch
DHochfeines Weiß+Höchste Stufen. Der Aufpreis gegenüber F ist erheblich, der sichtbare Unterschied im gefassten Zustand gering.
EHochfeines Weiß
FFeines Weiß+Gilt noch als farblos. F und G sind das übliche Ziel für anspruchsvollen Schmuck.
GFeines Weiß
HWeißIn Weißgold und Platin noch unauffällig, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
I – JLeicht getöntes Weiß (+)In Gelbgold kaum wahrnehmbar, in Weißgold beginnt die Tönung sichtbar zu werden.
K – LGetöntes Weiß (+)Tönung von oben erkennbar. Preislich deutlich günstiger.
M – ZGetönt 1 bis 4Deutlich gelblich. Ab einer kräftigen, reinen Farbe beginnt eine eigene Kategorie, die Fancy Colours.
Die Fassung färbt mit. Gelbgold hebt die Tönung eines Steins an, Weißgold und Platin stellen sie heraus. Wer in Gelbgold fasst, kann zwei Farbstufen tiefer gehen, ohne dass es auffällt — das ist der am leichtesten zu hebende Preisvorteil beim Brillantkauf.

Reinheit: was bei zehnfacher Vergrößerung zu sehen ist

Maßgeblich ist allein die zehnfache Vergrößerung durch eine Lupe, nicht das Mikroskop. Bewertet werden Zahl, Größe, Lage, Art und Auffälligkeit der Einschlüsse. Ein einzelner Einschluss direkt unter der Tafel wiegt schwerer als drei am Rand.

Reinheitsstufen im VergleichFünf Brillanten nebeneinander mit zunehmend größeren Einschlüssen, von lupenrein über VVS, VS und SI bis zu Piqué 1, wo die Einschlüsse mit bloßem Auge erkennbar sind. Schematisch, nicht maßstäblich.IFlupenreinVVSsehr, sehr kleineVSsehr kleineSIkleineP1mit bloßem Auge
Die Reinheitsstufen, schematisch. Von lupenrein bis Piqué 1, wo die Einschlüsse mit bloßem Auge gerade erkennbar werden. Die Punkte stehen für die Auffälligkeit, nicht für eine bestimmte Einschlussart.
StufeBedeutungBei zehnfacher Lupe
FL / IFlupenreinkeine inneren Merkmale erkennbar
VVS1 / VVS2sehr, sehr kleine Einschlüsseäußerst schwer zu finden
VS1 / VS2sehr kleine Einschlüsseschwer bis sehr schwer erkennbar
SI1 / SI2kleine Einschlüsseleicht bis deutlich erkennbar, mit bloßem Auge meist nicht
P1 / P2 / P3Piqué 1 bis 3mit bloßem Auge gerade, deutlich beziehungsweise leicht erkennbar

Für Schmuck ist SI1 in vielen Fällen die wirtschaftlich klügste Stufe: mit bloßem Auge sauber, aber deutlich günstiger als VS. Entscheidend ist, wo der Einschluss sitzt. Ein Zertifikat mit Einschlussdiagramm zeigt das; eine reine Buchstabenangabe nicht.

Schliff: das einzige menschengemachte C

Der Schliff ist ausführlich auf zwei eigenen Seiten behandelt: die Proportionen beschreiben die Geometrie, die Schliffbewertung das Notensystem. Kurz gefasst: Die Note reicht von Excellent bis Poor und fasst Erscheinung, Konstruktion und Handwerk zusammen.

Karat: eine Gewichtsangabe, keine Größenangabe

Ein metrisches Karat sind genau 0,2 Gramm, unterteilt in hundert Punkte. Weil das Gewicht mit der dritten Potenz des Durchmessers wächst, sieht ein Zwei-Karat-Stein nicht doppelt so groß aus wie ein Einkaräter, sondern nur etwa ein Viertel breiter. Die Umrechnung steht auf der Seite zu Größe und Karat.

Welches C man zuerst aufgibt

Ein Budget lässt sich auf vier Arten verteilen. In der Praxis hat sich diese Reihenfolge bewährt:

Die Reihenfolge

Schliff vor Farbe vor Reinheit vor Gewicht — jedenfalls dann, wenn der Stein getragen und nicht gehandelt wird. Beim Handel dreht sich die Reihenfolge um, weil dort das Zertifikat den Preis macht.

Quellen: Deutscher Diamant Club, Qualitätskriterien nach CIBJO/IDC · GIA, 4Cs – Diamond Cut · GIA, The GIA Diamond Cut Grading System for Round Brilliant Cut Diamonds

Häufige Fragen

Welche Farbstufe sollte ein Brillant mindestens haben?
Für Weißgold und Platin gilt G oder H als sichere Untergrenze, in Gelbgold sind I und J unauffällig. Unterhalb von K wird die Tönung auch von oben sichtbar.
Was heißt lupenrein genau?
Dass bei zehnfacher Vergrößerung keine inneren Merkmale erkennbar sind. Mit stärkerer Vergrößerung findet man in nahezu jedem natürlichen Diamanten etwas.
Ist SI1 für einen Ring ausreichend?
In den meisten Fällen ja, denn Einschlüsse dieser Stufe sind mit bloßem Auge in der Regel nicht zu sehen. Entscheidend ist ihre Lage; ein Einschlussdiagramm im Zertifikat zeigt sie.
Wie viel Gramm ist ein Karat?
Genau 0,2 Gramm. Ein Karat hat hundert Punkte; 0,25 Karat werden im Handel auch als 25 Punkte bezeichnet.