Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Lexikon · Vergleich

Türkis oder Larimar

Zwei blaue Cabochonsteine mit ähnlicher Wirkung und sehr unterschiedlicher Marktlage: der eine seit 7.000 Jahren im Handel und massiv gefälscht, der andere erst seit 1974 bekannt und nur aus einem einzigen Tal der Welt.

Die Kennzahlen im direkten Vergleich

TürkisLarimar
MineralfamiliePhosphat (CuAl₆(PO₄)₄(OH)₈)Pektolith (NaCa₂Si₃O₈(OH))
Mohs-Härte5–64,5–5
Dichte2,60–2,90 g/cm³2,74–2,90 g/cm³
Transparenzopakopak bis schwach durchscheinend
Typische FarbeHimmelblau bis Grünblau, oft mit MatrixHellblau mit weißer Marmorierung
FundorteIran, USA, China, Ägyptennur Dominikanische Republik
Behandlungsehr häufig stabilisiert oder gefärbtmeist unbehandelt
Preisspanne2–500 €/ct je nach Qualität10–120 €/ct

Fett gesetzt ist jeweils der Wert, der im Vergleich den praktischen Vorteil bringt — je nach Anwendung kann die Bewertung anders ausfallen.

Die Behandlungsfrage entscheidet alles

Der überwiegende Teil des gehandelten Türkis ist behandelt. Poröses Material wird mit Kunstharz stabilisiert, oft zusätzlich gefärbt; das sogenannte Zachery-Verfahren verdichtet die Oberfläche unsichtbar. Unbehandelter Türkis aus den klassischen persischen und amerikanischen Vorkommen ist die Ausnahme und kostet ein Vielfaches. Larimar dagegen ist dicht genug, um unbehandelt verarbeitet zu werden — was man sieht, ist in aller Regel das, was der Stein von Natur aus mitbringt.

Warum Larimar nur aus einem Tal kommt

Larimar entsteht in Hohlräumen basaltischer Laven und ist weltweit nur in der Sierra de Bahoruco in der Dominikanischen Republik in Schmuckqualität bekannt. Der Abbau erfolgt in kleinen, handgegrabenen Schächten. Diese einzige Quelle macht ihn zu einem der wenigen Edelsteine mit echter geografischer Exklusivität — und begrenzt zugleich das Angebot.

Empfindlichkeit im Alltag

Beide sind weich und brauchen Schonung. Türkis verfärbt sich durch Öle, Kosmetika und Schweiß — aus Himmelblau wird über Jahre Grün; bei stabilisierter Ware ist das deutlich verlangsamt. Larimar bleicht bei längerer direkter Sonneneinstrahlung aus. Für beide gilt: kein Ultraschall, keine Chemie, Schmuckstück nach dem Tragen abwischen und dunkel lagern.

Wie man Fälschungen erkennt

Bei Türkis ist Howlith die häufigste Imitation: weißer Naturstein, blau gefärbt, mit typisch schwarzen statt braunen Adern. Ein Tropfen Aceton auf unauffälliger Stelle löst bei gefärbtem Material Farbe. Bei Larimar sind gefärbte Kunstharze und blau gefärbter Howlith im Umlauf; echter Larimar zeigt ein unregelmässiges, tiefes Marmorierungsmuster, das sich nicht wiederholt, und fühlt sich kühler an als Kunststoff.

Das Fazit

Larimar ist der ehrlichere Kauf: meist unbehandelt, aus einer nachvollziehbaren Quelle, mit einem Muster, das jedes Stück zum Unikat macht. Türkis ist der Stein mit der größeren Geschichte und der größeren Preisspanne — hier lohnt sich die Frage nach der Behandlung mehr als bei jedem anderen Edelstein.

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Häufige Fragen

Warum wird mein Türkis grün?
Türkis ist porös und nimmt Öle, Fette und Schweiß auf. Die eingelagerten Substanzen verschieben den Farbton ins Grüne. Der Vorgang ist irreversibel, lässt sich aber durch Abwischen nach dem Tragen und Lagern in einem Stoffbeutel stark verlangsamen.
Ist stabilisierter Türkis echter Türkis?
Ja, das Mineral bleibt natürlich, nur die Poren sind mit Kunstharz gefüllt. Das muss deklariert werden. Rekonstituierter Türkis — Pulver mit Bindemittel gepresst — ist dagegen kein Naturstein mehr.
Gibt es Larimar in kräftigem Blau?
Ja, die höchste Handelsqualität heißt „volcanic blue" und zeigt ein tiefes, gesättigtes Blau mit wenig Weißanteil. Sie macht nur einen kleinen Teil der Förderung aus und kostet ein Mehrfaches der hellen Standardware.