Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Lexikon · Vergleich

Opal oder Labradorit

Beide leuchten in Farben, die nicht im Stein sind, sondern im Licht entstehen. Die physikalische Ursache ist aber eine völlig andere — und daraus folgt alles Weitere, vom Preis bis zur Pflege.

Die Kennzahlen im direkten Vergleich

OpalLabradorit
MineralfamilieHydratisiertes SiO₂ (amorph)Feldspat (Plagioklas)
Mohs-Härte5,5–6,56–6,5
Dichte1,98–2,25 g/cm³2,68–2,72 g/cm³
Optischer EffektFarbenspiel (Beugung)Labradoreszenz (Interferenz)
Wassergehalt3–21 %kein Wasser
FundorteAustralien, Äthiopien, MexikoFinnland, Madagaskar, Kanada
EmpfindlichkeitAustrocknung, Craqueléunempfindlich gegen Trockenheit
Preisspanne20–15.000 €/ct1–30 €/ct

Fett gesetzt ist jeweils der Wert, der im Vergleich den praktischen Vorteil bringt — je nach Anwendung kann die Bewertung anders ausfallen.

Zwei Wege zur selben Wirkung

Beim Edelopal erzeugen dicht gepackte Kieselgel-Kügelchen von etwa 150 bis 300 Nanometern Durchmesser ein dreidimensionales Gitter, an dem Licht gebeugt wird — je größer die Kugeln, desto längerwellig die Farbe, deshalb ist Rot im Opal am seltensten. Beim Labradorit entsteht die Farbe an mikroskopisch feinen Entmischungslamellen im Feldspat, an denen sich reflektierte Lichtwellen gegenseitig verstärken. Der erste Effekt heißt Farbenspiel, der zweite Labradoreszenz.

Warum der Preisunterschied dreistellig ist

Edelopal mit lebendigem Farbenspiel auf schwarzem Grund — Black Opal aus Lightning Ridge — gehört zu den teuersten Edelsteinen überhaupt und erreicht fünfstellige Karatpreise. Labradorit wird in Madagaskar und Finnland in großen Mengen gebrochen und ist Massenware. Nur Spectrolite, die finnische Varietät mit dem vollen Farbspektrum, erzielt nennenswerte Preise.

Wasser — der kritische Punkt beim Opal

Opal enthält bis zu einem Fünftel seines Gewichts an Wasser. Trocknet er aus, entstehen feine Risse, das sogenannte Craquelé, und das Farbenspiel erlischt teilweise. Besonders betroffen ist äthiopischer Welo-Opal, der zusätzlich hydrophan ist: er saugt Wasser auf, wird dabei vorübergehend durchsichtig und verliert sein Spiel, bis er wieder trocken ist. Labradorit hat dieses Problem nicht.

Für welchen Schmuck

Labradorit ist der unkompliziertere Stein: härter, wasserunabhängig, günstig zu ersetzen — gut für große Cabochons in Anhängern und Manschettenknöpfen. Opal braucht eine geschützte Fassung, keinen Ultraschall, keine trockene Heizungsluft über Monate. Dafür gibt es keinen Stein, der ein vergleichbares Farbenspiel liefert.

Das Fazit

Labradorit ist der Effektstein für den Alltag, Opal der für besondere Stücke. Wer einen Ring will, der jahrzehntelang ohne Sorgfalt getragen wird, nimmt Labradorit. Wer das Farbenspiel will, das Opal einzigartig macht, muss die Pflege in Kauf nehmen — und beim äthiopischen Material besonders genau hinsehen.

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Häufige Fragen

Sollte man Opal in Wasser lagern?
Nein. Das ist ein verbreiteter Irrtum. Stabiler australischer Opal braucht kein Wasserbad; hydrophaner Welo-Opal reagiert sogar negativ darauf, weil er aufquillt und sein Farbenspiel zeitweise verliert. Normale Raumluft und ein Stoffbeutel genügen.
Was ist ein Opal-Dublette?
Eine dünne Opalschicht, auf einen dunklen Träger — meist Potch oder Obsidian — geklebt. Bei der Triplette kommt noch eine Bergkristallkuppe darüber. Beides ist legitim, muss aber deklariert werden und ist deutlich günstiger als ein Vollopal.
Was unterscheidet Spectrolite von gewöhnlichem Labradorit?
Spectrolite stammt aus Ylämaa in Finnland und zeigt das gesamte Farbspektrum einschließlich Rot und Violett auf fast schwarzem Grund. Gewöhnlicher Labradorit leuchtet meist nur blau bis grün.