Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Lexikon · Vergleich

Peridot oder grüner Turmalin

Zwei grüne Steine im mittleren Preissegment, beide gute Alternativen zum Smaragd — und beide mit einer Eigenheit, die man vor dem Kauf kennen sollte.

Die Kennzahlen im direkten Vergleich

PeridotGrüner Turmalin
MineralfamilieOlivin ((Mg,Fe)₂SiO₄)Turmalin (Elbait)
Mohs-Härte6,5–77–7,5
Brechungsindex1,650–1,6901,614–1,666
Doppelbrechung0,033 (sehr hoch)0,018
Dichte3,27–3,48 g/cm³3,01–3,11 g/cm³
Typische FarbeOlivgrün bis GelbgrünMint bis Flaschengrün, Chromgrün
Behandlungpraktisch nie behandeltgelegentlich erhitzt oder bestrahlt
Preisspanne30–400 €/ct50–800 €/ct

Fett gesetzt ist jeweils der Wert, der im Vergleich den praktischen Vorteil bringt — je nach Anwendung kann die Bewertung anders ausfallen.

Peridot hat nur eine Farbe — und das ist sein Problem

Peridot ist der einzige bedeutende Edelstein, dessen Farbe nicht von Spurenelementen, sondern vom Hauptbestandteil selbst kommt: Eisen ist Teil der Kristallstruktur. Deshalb gibt es keinen roten, blauen oder farblosen Peridot — die Palette reicht von Gelbgrün bis Olivgrün, und das war es. Turmalin dagegen deckt praktisch das gesamte Farbspektrum ab, allein im Grünbereich von zartem Mint bis zum chromgrünen Ton, der Smaragd nahekommt.

Die doppelte Kante

Peridot hat eine ungewöhnlich hohe Doppelbrechung von 0,033. Durch die Tafel eines größeren Steins sieht man die hinteren Facettenkanten doppelt — ein Merkmal, an dem sich Peridot mit der Lupe zweifelsfrei erkennen lässt. Manche empfinden diesen Effekt als unruhig, andere als charakteristisch.

Haltbarkeit

Peridot ist der empfindlichere Stein. Mit 6,5 bis 7 liegt er an der Alltagsgrenze, er ist spröde und reagiert auf Säuren — schon Schweiß und Zitronensäure greifen die Politur an. Für Ringe braucht er eine geschützte Fassung. Turmalin ist härter und chemisch stabil, reagiert aber empfindlich auf Temperaturschocks: kein heißes Wasser, kein Ultraschall bei eingeschlussreicher Ware.

Woher sie kommen

Der beste Peridot stammt heute aus Pakistan aus über 4.000 Metern Höhe im Kaghan-Tal, daneben aus Myanmar, Arizona und — historisch — von der ägyptischen Zabargad-Insel. Grüner Turmalin kommt vor allem aus Brasilien, Nigeria, Mosambik und Afghanistan; die chromgrünen Varietäten aus Tansania sind die teuersten.

Das Fazit

Turmalin ist der vielseitigere und haltbarere Stein, Peridot der eigenständigere. Wer ein bestimmtes Grün sucht, findet es beim Turmalin. Wer den ungewöhnlichen olivgrünen Ton will, den kein anderer Edelstein liefert, kommt an Peridot nicht vorbei — und sollte ihn in einer Fassung tragen, die ihn schützt.

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Häufige Fragen

Stimmt es, dass Peridot aus dem Weltall kommt?
Teilweise. Peridot ist ein Hauptbestandteil des oberen Erdmantels und kommt außerdem in Pallasit-Meteoriten vor. Facettierbares Material extraterrestrischen Ursprungs ist allerdings extrem selten und eine Sammlerangelegenheit.
Was ist Paraíba-Turmalin?
Kupferhaltiger Elbait mit neonblauem bis türkisgrünem Leuchten, zuerst 1989 in Paraíba in Brasilien gefunden. Er ist der teuerste Turmalin überhaupt und erreicht fünfstellige Karatpreise — mit gewöhnlichem grünem Turmalin hat er preislich nichts zu tun.
Warum sieht Peridot bei Kunstlicht anders aus?
Peridot ist einer der wenigen Steine, die bei Glühlampenlicht kaum Farbe verlieren — er wurde deshalb historisch „Abendsmaragd" genannt. Bei kaltem LED-Licht wirkt er dagegen gelblicher.