Das Kalahari-Manganfeld als geologischer Rahmen
Das Kalahari-Manganfeld im Nordkap ist die größte bekannte Landlagerstätte für Manganerz. Die Erze der Hotazel-Formation wurden vor rund 2,2 Milliarden Jahren im Paläoproterozoikum als sedimentäre Eisen-Mangan-Wechselfolge abgelagert. Entscheidend für Sugilith ist jedoch nicht diese Sedimentation, sondern eine spätere hydrothermale Überprägung. Im Bereich der Wessels Mine wurden die Erze von heißen, alkalireichen Lösungen durchströmt, die Mangan mobilisierten und eine ganze Reihe seltener Silikate ausfällten. In diesem Milieu entstand Sugilith zusammen mit Mineralen wie Pektolith, Aegirin, Richterit, Norrishit und Manganvesuvianit. Die sugilithführenden Zonen bilden Adern, Linsen und massive Bereiche im Erzkörper, meist auf Störungen und Klüfte bezogen. Sie liegen unregelmäßig verteilt und lassen sich bergmännisch nicht vorhersagen, was die sprunghafte Verfügbarkeit des Schmuckmaterials erklärt. Für Sie als Käufer bedeutet das: Sugilith ist kein Stein mit gleichmäßiger Jahresproduktion, sondern einer, dessen Angebot vom Zufall des Vortriebs abhängt. Die Lagerstätte selbst ist riesig, die sugilithführenden Abschnitte darin sind es nicht.
Kristallchemie: zwölfgliedrige Ringe und eingebautes Lithium
Sugilith besitzt eine Struktur vom Milarit-Typ. Zwölf Siliziumtetraeder bilden geschlossene Doppelringe, die in Schichten gestapelt sind; zwischen ihnen sitzen Lithium, Eisen, Mangan und Aluminium in Oktaedern, dazu Natrium und Kalium in großen Kanalpositionen. Die Originalbeschreibung gibt die Idealformel als (K,Na)((H2O),Na)2(Fe³⁺,Na,Ti,Fe²⁺)2(Li,Al,Fe³⁺)3Si12O30 mit Z gleich 2 an, die Gitterkonstanten betragen a0 = 10,007 und c0 = 14,000 Ångström. Bemerkenswert ist der hohe Anteil an dreiwertigem Eisen in sechsfacher Koordination, der Sugilith innerhalb der Gruppe auszeichnet. Im südafrikanischen Material tritt zusätzlich Mangan auf diesen Positionen auf und verdrängt Eisen teilweise. Lithium ist kein Spurenelement, sondern Strukturbestandteil. Dass ein lithiumhaltiges Ringsilikat in einer Manganlagerstätte in abbauwürdiger Menge kristallisiert, ist weltweit einmalig geblieben. Für die Praxis folgt daraus vor allem eines: Sugilith lässt sich nicht synthetisch in Schmuckqualität herstellen, und alles, was als künstlicher Sugilith angeboten wird, ist in Wahrheit gefärbte Keramik, Glas oder ein Kunstharzverschnitt. Eine Laborzüchtung existiert nicht.
Zwei Jahreszahlen, ein Mineral: 1944 und 1976
Die Entstehungsgeschichte des Namens erklärt eine häufige Verwirrung. 1944 fanden Ken-ichi Sugi und M. Kutsuna auf der Insel Iwagi in der Präfektur Ehime ein unbekanntes Silikat in einem Ägirinsyenit und ordneten es zunächst als eudialythähnlich ein. Sugi starb 1948, bevor eine vollständige Analyse vorlag. Erst 1976 veröffentlichten Nobuhide Murakami, Toshio Kato, Yasunori Miúra und Fumitoshi Hirowatari im Mineralogical Journal die Chemie und die Kristallstruktur und benannten das Mineral posthum nach Sugi. Die Typlokalität ist damit Iwagi, obwohl der Stein dort für den Schmuckhandel keine Rolle spielt. Der Ägirinsyenit von Iwagi führt Sugilith mit drei bis acht Volumenprozent neben Albit, Ägirin und Pektolith. Dieses magmatisch-alkaline Milieu ist ein völlig anderer Entstehungsweg als die hydrothermale Manganlagerstätte in Südafrika, aus der das Schmuckmaterial stammt.
