Nicht Seltenheit, sondern Größe und Arbeit bestimmen den Preis
Selenit ist kein seltener Stein. Gips ist das häufigste Sulfatmineral überhaupt, die Weltförderung wird je nach Quelle und Jahr mit 144 bis 258 Millionen Tonnen beziffert. Der Preis eines Stücks ergibt sich deshalb nicht aus Knappheit, sondern aus vier anderen Größen: der Stückgröße, der Klarheit beziehungsweise dem Seidenglanz der Fasern, dem Aufwand für Sägen und Polieren und dem Bruchrisiko beim Transport. Bei Härte 2 und drei Spaltrichtungen ist jedes unbeschädigt angekommene größere Stück bereits eine Leistung der Logistik. Hinzu kommt, ob das Material behandelt ist: Gefärbte und gebleichte Ware ist im Einkauf nicht teurer, aber für Sammler wertlos. Facettierte Selenite existieren und können laut IGS mehrere hundert Karat erreichen, weil große klare Kristalle vorhanden sind; sie sind reine Sammlerkuriosität ohne belastbaren Marktpreis. Für diese Kategorie konnten wir in dieser Recherche keine belegte Preisspanne finden und geben deshalb keine an.
| Qualitätsstufe | Merkmale | Preisspanne |
|---|---|---|
| Rohware Großhandel, Satinspat aus Marokko | Stücke von 0,1 bis 0,5 kg, vom Anbieter als A-Qualität bezeichnet | 9,60 bis 10,80 Euro je Kilogramm, gestaffelt nach Menge |
| Einzelne Rohsteine im Fachhandel | 4 bis 5 cm, ausdrücklich unbehandelt | 2,00 bis 5,00 Euro je Stück |
| Geschliffener Stab | 15 mal 140 bis 160 Millimeter, poliert | 8,50 Euro je Stück |
| Lampenkörper klein | rund 15 bis 20 cm, mit Elektrik und Sockel | 46,90 bis 56,40 Euro |
| Lampenkörper mittel | rund 25 bis 30 cm, mit Elektrik und Sockel | 59,90 Euro |
| Lampenkörper groß | rund 30 bis 35 cm und mehr | 73,90 bis 99,90 Euro |
| Facettierter Selenit | Sammlerstück, laut IGS mehrere hundert Karat erreichbar | keine belegte Preisspanne; kein regulärer Schmuckmarkt |
Preisspannen im deutschen Handel
Die folgenden Zahlen stammen aus Angeboten deutscher Händler, die wir in dieser Recherche selbst geöffnet haben; alle beziehen sich auf marokkanische Ware. Rohe Satinspatstücke von 0,1 bis 0,5 Kilogramm kosten im Großhandel gestaffelt 10,80 Euro je Kilogramm bis 4 Kilogramm, 10,20 Euro je Kilogramm bis 9 Kilogramm und 9,60 Euro je Kilogramm ab 10 Kilogramm. Im Einzelhandel liegen kleine Rohsteine bei 2,00 bis 5,00 Euro je Stück, ein unbehandeltes Stück von 4 bis 5 Zentimetern bei 3,40 Euro. Ein geschliffener Stab von 15 mal 140 bis 160 Millimetern kostet 8,50 Euro. Lampenkörper mit Elektrik: rund 15 bis 18 Zentimeter für 56,40 Euro, ab drei Stück 54,00 Euro; im Einzelhandel etwa 20 Zentimeter für 46,90 Euro, 25 bis 30 Zentimeter für 59,90 Euro, 30 bis 35 Zentimeter für 73,90 Euro und größere Ausführungen für 94,90 bis 99,90 Euro.
Verwechslung, Fehletikett und der Ritztest
Drei Verwechslungen kommen regelmäßig vor. Erstens Satinspat aus Calcit oder Aragonit statt aus Gips: Der Handelsname gilt für alle drei Minerale, die Mohshärte liegt zwischen 2 und 3. Gips ist in Säuren nahezu unlöslich; ein faseriger Satinspat, der mit verdünnter Säure kräftig aufschäumt, ist demnach nicht Gips. Zweitens Ulexit, das als Fernsehstein gehandelt wird: Es hat mit 1,6 bis 1,96 eine deutlich niedrigere Dichte als Gips mit 2,2 bis 2,32, beide lassen sich in einer Flüssigkeit der Dichte 2,1 trennen, in der Ulexit schwimmt und Gips sinkt. Drittens verweist steine-und-minerale.de auf die Verwechslung mit Mondstein, also einem Feldspat, wenn Selenit als Schmuckstein verkauft wird. Der einfachste Test bleibt der Fingernagel: Er ritzt Gips mühelos, Feldspat und Calcit nicht. Hinzu kommt eine reine Etikettenfrage ohne Täuschungsabsicht: Die englischsprachige Wikipedia hält fest, dass der Name Selenit weitgehend synonym zu Gips gebraucht wird, weshalb faseriger Satinspat im Handel ganz selbstverständlich als Selenit angeboten wird. Falsch ist das mineralogisch nicht, für den Käufer aber irreführend, wenn er klare tafelige Kristalle erwartet.
