Niemals unter fließendem Wasser: die Zahlen dazu
Dies ist der wichtigste Punkt der ganzen Seite. Der überall wiederholte Rat, Steine unter fließendem Wasser zu reinigen, richtet bei Selenit Schaden an. Gips ist merklich wasserlöslich: Die deutschsprachige Wikipedia nennt 2,1 Gramm je Liter unter Normalbedingungen, die englischsprachige 2,0 bis 2,5 Gramm je Liter bei 25 Grad Celsius, der Artikel zu Calciumsulfat 2,63 Gramm je Liter bei 25 Grad. Die Löslichkeit ist retrograd, sie sinkt also mit steigender Temperatur – ein in der Salzchemie ungewöhnliches Verhalten. Praktisch bedeutet das: Polierte Flächen werden stumpf, Faserenden des Satinspats stellen sich auf, Kanten runden sich. IGS bezeichnet das Material als wasserlöslich und sehr hitzeempfindlich, empfiehlt im selben Abschnitt aber eine Handwäsche mit warmem Wasser ohne Reinigungsmittel. Dieser Widerspruch bleibt in der Quelle unaufgelöst. Unsere Empfehlung lautet eindeutig: trocken reinigen, mit weichem Pinsel oder Mikrofasertuch.
| Einfluss | Verhalten | Empfehlung |
|---|---|---|
| Wasser | löst sich mit rund 2,1 bis 2,6 Gramm je Liter bei 25 Grad Celsius; Löslichkeit retrograd | nicht abspülen, nicht wässern, nicht in Wasserschalen legen; trocken reinigen |
| Ultraschall und Dampf | Vibration und Wärme greifen das weiche, teils poröse Material an | laut IGS niemals mechanische Reinigungsgeräte verwenden |
| Wärme ab etwa 110 Grad Celsius | Umwandlung zum Halbhydrat Bassanit, ab 130 bis 160 Grad zu Stuckgips | nicht auf Heizung oder Fensterbank, kein Halogenstrahler, in Lampen nur kühle Leuchtmittel |
| Hohe Luftfeuchte | begünstigt das Anlösen der Oberfläche | trocken und gleichmäßig temperiert lagern |
| Säuren und Reinigungsmittel | Gips ist in Säuren nahezu unlöslich, Detergenzien greifen Beschichtungen und Farbstoffe an | nur trockener weicher Pinsel oder Mikrofasertuch, keine Politurmittel |
| Druck und Reibung | Mohs-Härte 2, vollkommene Spaltbarkeit nach {010} und zwei weitere deutliche Richtungen | einzeln und gepolstert lagern, nie mit härteren Steinen zusammen |
| Licht | zur Lichtbeständigkeit der Handelsfarbstoffe liegen keine belegten Angaben vor | gefärbte Stücke vorsorglich nicht dauerhaft in direkte Sonne stellen |
Wärme, Luftfeuchte und Licht
Beim Erhitzen verliert Gips sein Kristallwasser stufenweise. Nach der deutschsprachigen Wikipedia entsteht bei etwa 110 Grad Celsius das Halbhydrat Bassanit, zwischen 130 und 160 Grad Stuckgips als Gemisch aus Halbhydrat und Anhydrit, bis 300 Grad Anhydrit III, zwischen 300 und 500 Grad die schwerlösliche und zwischen 500 und 700 Grad die unlösliche Form des Anhydrits. Der Artikel zu Calciumsulfat nennt für das Halbhydrat den Bereich 100 bis 150 Grad und für das Gamma-Anhydrit 180 Grad. Sichtbar wird das früh: Die Darstellung zum Marienglas hält fest, dass sich das Material bei Hitze weiß färbt und zu Pulver zerfällt. Stellen Sie Stücke deshalb nicht auf Heizungen, nicht in die pralle Sonne hinter Glas und nicht unter Halogenstrahler. Hohe Luftfeuchte begünstigt das Anlösen der Oberfläche. Zur Lichtbeständigkeit der im Handel verwendeten Farbstoffe liegen uns keine belegten Angaben vor; behandeln Sie gefärbte Stücke vorsorglich wie lichtempfindliches Material.
Echtheitsprüfung und Lagerung
Drei Prüfungen kommen ohne Labor aus. Der Fingernagel ritzt Gips mühelos, denn das Mineral definiert die Mohs-Stufe 2; Calcit, Feldspat und Quarz bleiben unversehrt. Die Dichte trennt Gips mit 2,31 bis 2,33 Gramm je Kubikzentimeter von Ulexit mit 1,6 bis 1,96: In einer Flüssigkeit der Dichte 2,1 schwimmt Ulexit und sinkt Gips. Und die Säureprobe an einer unauffälligen Stelle unterscheidet Gips, der laut steine-und-minerale.de in Säuren nahezu unlöslich ist, von einem faserigen Satinspat aus Calcit oder Aragonit, der kräftig aufschäumt. Zur Lagerung: einzeln, trocken, kühl und weich gepolstert, keinesfalls zusammen mit härteren Steinen in einer Schale. Für Gipssandrosen hält die deutschsprachige Wikipedia fest, dass sie wasserlöslich, bei entsprechender Lagerung aber haltbar sind. Genau das gilt für alle Erscheinungsformen des Selenits.
