Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Selenit Lexikon · Pflege & Echtheit

Selenit – Pflege & Echtheit

Selenit

Niemals unter fließendem Wasser: die Zahlen dazu

Dies ist der wichtigste Punkt der ganzen Seite. Der überall wiederholte Rat, Steine unter fließendem Wasser zu reinigen, richtet bei Selenit Schaden an. Gips ist merklich wasserlöslich: Die deutschsprachige Wikipedia nennt 2,1 Gramm je Liter unter Normalbedingungen, die englischsprachige 2,0 bis 2,5 Gramm je Liter bei 25 Grad Celsius, der Artikel zu Calciumsulfat 2,63 Gramm je Liter bei 25 Grad. Die Löslichkeit ist retrograd, sie sinkt also mit steigender Temperatur – ein in der Salzchemie ungewöhnliches Verhalten. Praktisch bedeutet das: Polierte Flächen werden stumpf, Faserenden des Satinspats stellen sich auf, Kanten runden sich. IGS bezeichnet das Material als wasserlöslich und sehr hitzeempfindlich, empfiehlt im selben Abschnitt aber eine Handwäsche mit warmem Wasser ohne Reinigungsmittel. Dieser Widerspruch bleibt in der Quelle unaufgelöst. Unsere Empfehlung lautet eindeutig: trocken reinigen, mit weichem Pinsel oder Mikrofasertuch.

Einfluss Verhalten Empfehlung
Wasserlöst sich mit rund 2,1 bis 2,6 Gramm je Liter bei 25 Grad Celsius; Löslichkeit retrogradnicht abspülen, nicht wässern, nicht in Wasserschalen legen; trocken reinigen
Ultraschall und DampfVibration und Wärme greifen das weiche, teils poröse Material anlaut IGS niemals mechanische Reinigungsgeräte verwenden
Wärme ab etwa 110 Grad CelsiusUmwandlung zum Halbhydrat Bassanit, ab 130 bis 160 Grad zu Stuckgipsnicht auf Heizung oder Fensterbank, kein Halogenstrahler, in Lampen nur kühle Leuchtmittel
Hohe Luftfeuchtebegünstigt das Anlösen der Oberflächetrocken und gleichmäßig temperiert lagern
Säuren und ReinigungsmittelGips ist in Säuren nahezu unlöslich, Detergenzien greifen Beschichtungen und Farbstoffe annur trockener weicher Pinsel oder Mikrofasertuch, keine Politurmittel
Druck und ReibungMohs-Härte 2, vollkommene Spaltbarkeit nach {010} und zwei weitere deutliche Richtungeneinzeln und gepolstert lagern, nie mit härteren Steinen zusammen
Lichtzur Lichtbeständigkeit der Handelsfarbstoffe liegen keine belegten Angaben vorgefärbte Stücke vorsorglich nicht dauerhaft in direkte Sonne stellen

Wärme, Luftfeuchte und Licht

Beim Erhitzen verliert Gips sein Kristallwasser stufenweise. Nach der deutschsprachigen Wikipedia entsteht bei etwa 110 Grad Celsius das Halbhydrat Bassanit, zwischen 130 und 160 Grad Stuckgips als Gemisch aus Halbhydrat und Anhydrit, bis 300 Grad Anhydrit III, zwischen 300 und 500 Grad die schwerlösliche und zwischen 500 und 700 Grad die unlösliche Form des Anhydrits. Der Artikel zu Calciumsulfat nennt für das Halbhydrat den Bereich 100 bis 150 Grad und für das Gamma-Anhydrit 180 Grad. Sichtbar wird das früh: Die Darstellung zum Marienglas hält fest, dass sich das Material bei Hitze weiß färbt und zu Pulver zerfällt. Stellen Sie Stücke deshalb nicht auf Heizungen, nicht in die pralle Sonne hinter Glas und nicht unter Halogenstrahler. Hohe Luftfeuchte begünstigt das Anlösen der Oberfläche. Zur Lichtbeständigkeit der im Handel verwendeten Farbstoffe liegen uns keine belegten Angaben vor; behandeln Sie gefärbte Stücke vorsorglich wie lichtempfindliches Material.

Echtheitsprüfung und Lagerung

Drei Prüfungen kommen ohne Labor aus. Der Fingernagel ritzt Gips mühelos, denn das Mineral definiert die Mohs-Stufe 2; Calcit, Feldspat und Quarz bleiben unversehrt. Die Dichte trennt Gips mit 2,31 bis 2,33 Gramm je Kubikzentimeter von Ulexit mit 1,6 bis 1,96: In einer Flüssigkeit der Dichte 2,1 schwimmt Ulexit und sinkt Gips. Und die Säureprobe an einer unauffälligen Stelle unterscheidet Gips, der laut steine-und-minerale.de in Säuren nahezu unlöslich ist, von einem faserigen Satinspat aus Calcit oder Aragonit, der kräftig aufschäumt. Zur Lagerung: einzeln, trocken, kühl und weich gepolstert, keinesfalls zusammen mit härteren Steinen in einer Schale. Für Gipssandrosen hält die deutschsprachige Wikipedia fest, dass sie wasserlöslich, bei entsprechender Lagerung aber haltbar sind. Genau das gilt für alle Erscheinungsformen des Selenits.

Häufige Fragen

Wie reinige ich Selenit richtig?
Trocken. Ein weicher Pinsel entfernt Staub aus faserigen und rosettenförmigen Stücken, ein Mikrofasertuch reicht für polierte Flächen. Vermeiden Sie Wasser, Reinigungsmittel, Ultraschall und Dampf; IGS untersagt ausdrücklich jedes mechanische Reinigungsverfahren, das mit Wärme oder Vibration arbeitet.
Was passiert, wenn Selenit nass geworden ist?
Tupfen Sie das Stück sofort mit einem saugfähigen Tuch ab und lassen Sie es an der Luft trocknen, ohne zu reiben. Eine bereits angelöste Oberfläche bleibt matt; das lässt sich nur durch erneutes Überschleifen beheben, wobei Material verloren geht. Oberflächlich angegriffene Fasern brechen leichter aus.
Wie unterscheide ich Selenit von Ulexit oder Calcit?
Über Härte, Dichte und Säure. Der Fingernagel ritzt nur den Gips. Ulexit hat mit 1,6 bis 1,96 eine deutlich niedrigere Dichte als Gips mit rund 2,32 und überträgt Text noch bei 30 Grad Blickwinkel scharf, während Gips schon bei 10 Grad verwischt. Calcit schäumt mit verdünnter Säure, Gips nicht.