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Selenit Lexikon · Herkunft & Fundorte

Selenit – Herkunft & Fundorte

Selenit

Naica in Chihuahua: die größten Kristalle der Erde

Die Cueva de los Cristales im Bergwerk Naica in Chihuahua wurde im April 2000 von den Brüdern Juan und Pedro Sánchez bei Bohrarbeiten für Industrias Peñoles entdeckt, 300 Meter unter der Oberfläche. Die Kammer fasst 5000 bis 6000 Kubikmeter. Der größte vermessene Kristall ist 11,40 Meter lang, hat ein Volumen von rund 5 Kubikmetern und eine geschätzte Masse von 12 Tonnen. Andere Quellen geben abweichende Rekordwerte an: die englische Gips-Darstellung 11 Meter und 55 Tonnen, die deutschsprachigen Artikel bis 14 oder 15 Meter und bis 50 Tonnen. Diese Zahlen lassen sich nicht in Übereinstimmung bringen. In der Höhle herrschen bis zu 58 Grad Celsius bei 90 bis 99 Prozent Luftfeuchte; ohne Schutzanzug sind etwa zehn Minuten Aufenthalt möglich. Seit Oktober 2015 ist die Höhle geflutet, weil die Wasserhaltung des Bergwerks eingestellt wurde. Material von dort ist nicht handelsüblich.

Fundort Land Besonderheit
Cueva de los Cristales, Naica, ChihuahuaMexiko300 m unter Tage, entdeckt April 2000; größter Kristall 11,40 m und rund 12 t; seit Oktober 2015 geflutet
Cueva de las Espadas, NaicaMexiko1910 entdeckt, 120 m Tiefe, Kristalle um einen Meter Länge
Bou Azer East und allgemeiner HandelMarokkoHauptquelle des in Deutschland verkauften Satinspats in Roh-, Stab- und Lampenform
Salt Plains, Alfalfa County, OklahomaUSAbraune Kristalle mit Sanduhrfigur; Graben vom 1. April bis 15. Oktober, 10 Pfund je Person und Tag
Lake Lucero, White Sands National ParkUSAGipsdünenfeld, Parkfläche rund 710 Quadratkilometer
Castellina Marittima und VolterraItalienGipsalabaster aus dem Miozän, seit den Etruskern verarbeitet
Pulpí, AlmeríaSpanienGeode von Pulpí, 8 m lang, ausgekleidet mit Marienglaskristallen von rund 0,5 m
Marienglashöhle, Friedrichroda, ThüringenDeutschlandklassischer Fundpunkt für Marienglas; weitere Vorkommen in Osterode, Staßfurt und Eisleben

Marokko liefert die Handelsware, Nordamerika die Sammlerstücke

Was in deutschen Läden als Selenit liegt, kommt fast durchweg aus Marokko. Die von uns geprüften Anbieter geben bei Rohsteinen, Stäben und Lampenkörpern übereinstimmend Marokko als Herkunft an; die englischsprachige Wikipedia nennt als benannte Fundstelle den Ostteil der Lagerstätte Bou Azer. Für Sammler interessanter ist Nordamerika. Im Salt Plains National Wildlife Refuge in Alfalfa County, Oklahoma, wachsen die Kristalle unmittelbar unter der Salzkruste; Eisenoxid färbt sie braun, und viele zeigen eine Sanduhrfigur aus eingeschlossenem Sand. Das Graben ist vom 1. April bis zum 15. Oktober von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang erlaubt, mit einer Grube von höchstens zwei Fuß Tiefe und einer Tagesgrenze von zehn Pfund sowie einem großen Cluster je Person. Ebenfalls in den USA: Lake Lucero im White Sands National Park in New Mexico, dessen Gipsdünenfeld rund 710 Quadratkilometer umfasst. IGS nennt für Braden in Chile Kristalle bis etwa drei Meter.

Europa: Alabaster aus der Toskana, Marienglas aus Thüringen

Europa liefert vor allem Alabaster und historisches Marienglas. Der toskanische Alabaster wird im Untergrund von Castellina Marittima gewonnen; er entstand im Miozän durch Sedimentation und Aufkonzentration des im Meerwasser gelösten Calciumsulfats. In Spanien liegt bei Pulpí in der Provinz Almería die Geode von Pulpí: ein Hohlraum von 1,8 mal 1,7 Metern Durchmesser und 8 Metern Länge, ausgekleidet mit Marienglaskristallen von rund einem halben Meter Länge. In Deutschland ist die Marienglashöhle bei Friedrichroda im Thüringer Wald der bekannteste Fundpunkt; steine-und-minerale.de nennt daneben Osterode, Staßfurt, Eisleben, Bad Lauterberg und Lüneburg. Zur Mengenlage widersprechen sich die Quellen: Die englischsprachige Wikipedia nennt für 2015 eine Weltproduktion von 258 Millionen Tonnen, die deutschsprachige für 2020 rund 144 Millionen Tonnen aus 78 Ländern. Beide Zahlen betreffen Rohgips für die Bauindustrie, nicht Sammlerware.

Häufige Fragen

Kann man die Kristallhöhle von Naica besichtigen?
Nein. Seit Oktober 2015 steht die Cueva de los Cristales unter Wasser, nachdem die Wasserhaltung des Bergwerks eingestellt wurde. Schon zuvor war der Zutritt wegen 58 Grad Celsius und 90 bis 99 Prozent Luftfeuchte auf etwa zehn Minuten ohne Schutzanzug begrenzt; mit gekühlten Anzügen waren rund 30 Minuten möglich.
Woher stammt der Selenit im deutschen Handel?
Überwiegend aus Marokko. Alle von uns geprüften deutschen Anbieter geben bei Rohsteinen, Stäben und Lampen Marokko als Herkunft an. Es handelt sich dabei meist um faserigen Satinspat, nicht um klare tafelige Kristalle.
Darf ich in Oklahoma selbst Kristalle graben?
Ja, im Salt Plains National Wildlife Refuge. Erlaubt ist das Graben vom 1. April bis 15. Oktober von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, mit einer Grube von höchstens zwei Fuß Tiefe. Pro Person und Tag dürfen bis zu zehn Pfund und ein großes Cluster mitgenommen werden.