Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Selenit Lexikon · Übersicht

Selenit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Selenit

Selenit ist die klar auskristallisierte Erscheinungsform des Gipses, CaSO4 · 2 H2O, monoklin und mit Mohs-Härte 2 das Definitionsmineral der zweiten Härtestufe – mit dem Fingernagel ritzbar. Der Name kommt vom griechischen selene, dem Mond, und hat mit dem Element Selen nichts zu tun; der entscheidende praktische Punkt ist die Löslichkeit in Wasser.

Selenit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSulfat mit Kristallwasser. Strunz 7.CD.40 (9. Auflage), Dana 29.06.03.01, IMA-Symbol Gp (seit 2021). Selenit, Satinspat, Alabaster, Marienglas und Wüstenrose sind Varietäten beziehungsweise Erscheinungsformen des Minerals Gips, keine eigenen Mineralarten.
Chemische FormelCaSO4 · 2 H2O, Calciumsulfat-Dihydrat, Formelmasse 172,17. Das Kristallwasser ist im Gitter gebunden und geht beim Erhitzen stufenweise verloren. Selen kommt in der Formel nicht vor.
Kristallsystemmonoklin, Raumgruppe Nr. 15; die Quellen geben sie in zwei Aufstellungen an, A2/a (deutsche Wikipedia, englischer Selenit-Artikel) und I2/a (englischer Gips-Artikel), Z = 4. Tracht tafelig, prismatisch bis nadelig, häufig Schwalbenschwanz- und Fischschwanzzwillinge.
Mohs-Härte2, Definitionsmineral der Mohs-Stufe 2. IGS und die englische Wikipedia nennen 1,5 bis 2, weil die Ritzhärte richtungsabhängig ist. Mit dem Fingernagel ritzbar.
Dichte2,31 bis 2,33 g/cm³, üblicher Wert 2,32 g/cm³; die deutsche Wikipedia gibt weiter gefasst 2,2 bis 2,4 g/cm³ an. Der Datenkasten des englischen Selenit-Artikels nennt 2,9 – dieser Wert widerspricht allen übrigen Quellen.
BrechungsindexnAlpha 1,519 bis 1,521, nBeta 1,522 bis 1,523, nGamma 1,529 bis 1,530; zweiachsig positiv, 2V 58 Grad, Dispersion 0,033. Am Refraktometer liegen die Werte dicht beieinander um 1,52.
Doppelbrechung0,010 (Angaben von 0,0090 bis 0,0100); gering. Pleochroismus: keiner.
Glanzglasartig bis subvitreous, auf Spaltflächen perlmuttartig, beim faserigen Satinspat seidig, beim Alabaster wachsartig. Strichfarbe weiß.
Spaltbarkeitvollkommen nach {010}, deutlich nach {100} und {011} – drei Spaltrichtungen, davon eine sehr leichte. Spaltblättchen sind leicht biegsam, aber nicht elastisch, und sektil, also schneidbar.
Bruchmuschelig auf {100}, splittrig parallel [001]; im dichten Alabaster körnig bis uneben.
Transparenzdurchsichtig bis undurchsichtig. Klarer Selenit und Marienglas sind wasserklar, Satinspat durchscheinend, Alabaster durchscheinend bis undurchsichtig.
Farbenfarblos und weiß im reinen Zustand; braun, gelb, rot und blau durch Verunreinigungen, vor allem Eisenoxide und Tonminerale. In Oklahoma färbt Eisenoxid aus dem Boden die Kristalle schokoladenbraun. Fluoreszenz und Phosphoreszenz kommen vor, in Kurz- und Langwelle bläulich, orangegelb, gelb, grünlich und bräunlich; Selenit zeigt häufig eine zonare Sanduhr-Fluoreszenz.
Wichtigste FundorteNaica in Chihuahua (Mexiko) mit der Cueva de los Cristales und der Cueva de las Espadas; Marokko als Hauptlieferant der Handelsware; Salt Plains in Alfalfa County, Oklahoma, und Lake Lucero im White Sands National Park, New Mexico (USA); Castellina Marittima und Volterra in der Toskana (Alabaster); Pulpí in Almería (Spanien); Friedrichroda in Thüringen mit der Marienglashöhle; Braden in Chile.
BehandlungenFärben und Bleichen sind laut IGS häufig, Beschichten kommt vor, gelegentlich wird erhitzt, um die Farbe zu verbessern oder das Färben vorzubereiten. Das teils poröse Material nimmt Farbstoffe und Beschichtungen sehr leicht an.
ErstbeschreibungKeine Erstbeschreibung im modernen Sinn. Theophrast von Eresos beschreibt die Gipsherstellung bereits in der Antike, Plinius der Ältere (23/24 bis 79) schildert den lapis specularis und besuchte im Jahr 76 die spanischen Gruben bei Segóbriga. Die deutsche Wikipedia führt die mineralogische Prägung des Namens Selenit auf Johan Gottschalk Wallerius (1709 bis 1785) zurück; die englische Wikipedia datiert den Gebrauch des Wortes dagegen bereits ins 15. Jahrhundert und verweist auf das antike selenites. Dieser Widerspruch ist ungeklärt.

CaSO4 · 2 H2O: ein Sulfat, das sein Wasser im Gitter trägt

Selenit ist keine eigene Mineralart, sondern die klar auskristallisierte Erscheinungsform des Gipses. Die Formel lautet CaSO4 · 2 H2O, die Formelmasse 172,17. Das Mineral kristallisiert monoklin in der Raumgruppe Nr. 15, die je nach Quelle als A2/a oder I2/a angegeben wird, mit vier Formeleinheiten je Elementarzelle. Gips definiert die Stufe 2 der Mohs-Skala; IGS und die englische Wikipedia nennen 1,5 bis 2, weil die Ritzhärte von der Richtung abhängt. Die Dichte liegt bei 2,31 bis 2,33 g/cm³, üblich gemessen 2,32. Die Brechungsindizes betragen 1,519 bis 1,521, 1,522 bis 1,523 und 1,529 bis 1,530, der Stein ist zweiachsig positiv mit einem Achsenwinkel von 58 Grad, die Doppelbrechung beträgt 0,010, die Dispersion 0,033, Pleochroismus fehlt. Ein Hinweis zur Vorsicht: Der Datenkasten des englischen Selenit-Artikels führt eine Dichte von 2,9. Dieser Wert steht gegen alle anderen von uns geprüften Quellen und sollte nicht übernommen werden.

Vier Handelsformen, ein einziges Mineral

Unter dem Handelsnamen Selenit laufen vier sehr verschiedene Materialien. Der eigentliche Selenit ist klar, tafelig bis prismatisch und lässt sich nach {010} in dünne Blättchen spalten; besonders reine Platten heißen im deutschen Sprachraum Marienglas. Satinspat, auch Fasergips oder Seidenspat, ist feinfaserig, zeigt Seidenglanz und bei passendem Schnitt einen deutlichen Katzenaugeneffekt. Alabaster ist die feinkörnig-massive Form, das klassische Schnitzmaterial. Die Wüstenrose, auch Sandrose, besteht aus rosettenförmig verwachsenen Kristallen mit eingeschlossenen Sandkörnern. Zwei Fallstricke sollten Sie kennen. Erstens ist der weitaus größte Teil der als Selenit verkauften Stäbe, Platten und Lampen Satinspat und nicht klarer Selenit. Zweitens wird der Name Satinspat auch für faserige Varietäten von Calcit und Aragonit verwendet; die Bezeichnung allein sagt also nicht, welches Mineral Sie in der Hand halten.

Der Name kommt vom Mond, nicht vom Element Selen

Selenit geht auf das griechische selene, den Mond, zurück, über das lateinische selenites. Überliefert ist die Deutung, das Mineral habe sein Aussehen mit den Mondphasen gewechselt; die Römer sprachen vom Spiegelstein, lateinisch lapis specularis. Das Element Selen trägt denselben Namensbezug zum Mond, kommt aber im Gitter des Minerals nicht vor: Selenit enthält kein Selen. Wer den Namen mineralogisch geprägt hat, ist strittig. Die deutschsprachige Wikipedia nennt den schwedischen Mineralogen Johan Gottschalk Wallerius (1709 bis 1785), die englischsprachige datiert den Wortgebrauch ins 15. Jahrhundert und verweist auf antike Autoren. Der deutsche Name Marienglas stammt aus der Verwendung als Scheibenersatz vor Marienbildern und in Reliquienbehältern. Plinius der Ältere, gestorben 79, beschreibt den lapis specularis in der Naturalis historia; im Jahr 76 besuchte er die spanischen Gruben bei Segóbriga nahe dem heutigen Cuenca, das größte europäische Vorkommen der Antike.

Löslich in Wasser: hier versagt der Standardrat zur Steinpflege

Der überall zu lesende Rat, Steine unter fließendem Wasser zu reinigen, ist bei Selenit falsch. Gips ist merklich wasserlöslich. Die deutschsprachige Wikipedia gibt 2,1 g je Liter unter Normalbedingungen an, die englischsprachige 2,0 bis 2,5 g je Liter bei 25 Grad Celsius, der Artikel zu Calciumsulfat 2,63 g je Liter bei 25 Grad. Zum Vergleich nennt dieselbe Quelle für Steinsalz 358 g je Liter. Die Löslichkeit ist außerdem retrograd, sie nimmt mit steigender Temperatur ab, was in der Chemie der Salze ungewöhnlich ist. IGS bezeichnet Gips ausdrücklich als wasserlöslich und sehr hitzeempfindlich und verbietet jede maschinelle Reinigung mit Wärme oder Vibration, empfiehlt im selben Absatz aber eine Handwäsche mit warmem Wasser ohne Reinigungsmittel. Dieser Widerspruch steht so in der Quelle. Wir raten zur trockenen Reinigung und benennen den Dissens, statt ihn zu glätten.

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Kurz gefasst

Selenit ist ein Stein für Auge und Vitrine, nicht für den Alltag am Körper. Wer klares Marienglas, ein sauberes Satinspat-Katzenauge oder eine ehrlich deklarierte Wüstenrose sucht, bekommt für wenige Euro je Stück und rund zehn Euro je Kilogramm Rohware außergewöhnlich viel Mineral fürs Geld. Kaufen Sie unbehandelte Ware, verlangen Sie die Herkunft und lassen Sie die Finger von Ringen und Armbändern: Härte 2 und drei Spaltrichtungen verzeihen nichts. Für Schmuck empfiehlt IGS Selenit ausdrücklich nicht. Lagern Sie trocken, einzeln und kühl.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Selenit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Selenit dasselbe wie Gips?
Mineralogisch ja. Selenit ist eine Varietät des Gipses, CaSO4 · 2 H2O, und keine eigene Mineralart. Gemeint ist damit üblicherweise die durchsichtige, gut kristallisierte Form. Im Handel wird der Name großzügig auch auf faserigen Satinspat angewendet; die englische Wikipedia hält ausdrücklich fest, dass Selenit weitgehend synonym mit Gips gebraucht wird.
Enthält Selenit Selen?
Nein. Die Formel lautet CaSO4 · 2 H2O und enthält Calcium, Schwefel, Sauerstoff und Wasser. Der Name geht auf das griechische selene, den Mond, zurück. Das Element Selen trägt zufällig denselben Namensbezug, hat mit dem Mineral aber nichts zu tun.
Darf ich Selenit unter fließendem Wasser reinigen?
Nein. Gips löst sich mit rund 2,1 bis 2,6 g je Liter in Wasser. Fließendes Wasser mattiert die Oberfläche, Fasern des Satinspats lösen sich, polierte Flächen werden stumpf. Ultraschall- und Dampfgeräte sind laut IGS ebenfalls ausgeschlossen. Reinigen Sie trocken mit einem weichen Pinsel oder einem Mikrofasertuch.
Wie groß werden Selenitkristalle?
Die größten bekannten Exemplare stehen in der Cueva de los Cristales im Bergwerk Naica in Chihuahua, 300 Meter unter Tage. Der größte gemessene Kristall ist 11,40 Meter lang, rund 5 Kubikmeter groß und etwa 12 Tonnen schwer. Andere Quellen nennen bis zu 14 oder 15 Meter und 50 bis 55 Tonnen; diese Angaben widersprechen einander.