Einer der wenigen alltagstauglichen Sammlersteine
Phenakit ist unter den seltenen Sammlersteinen eine Ausnahme, weil er sich tatsächlich tragen lässt. Die Mohs-Härte von 7,5 bis 8 liegt über der von Quarz, dem Hauptbestandteil des Staubs, der Schmuckoberflächen im Alltag mattiert. Ein Phenakit behält seine Politur deshalb über Jahre, anders als Opal, Fluorit oder Hemimorphit. Auch die Spaltbarkeit ist mit „deutlich bis unvollkommen“ nach {11-20} deutlich gutmütiger als bei Topas oder Euklas. Damit ist Phenakit grundsätzlich auch für Ringe geeignet, was man von den wenigsten Raritäten sagen kann. Einschränkungen gibt es dennoch: Der Stein ist spröde und bricht muschelig, ein harter Stoß gegen die Rundiste kann eine Absplitterung erzeugen. Gestalterisch ist er ein farbloser Brillanzträger und funktioniert überall dort, wo Sie sonst einen weißen Saphir, einen Goshenit oder einen Bergkristall einsetzen würden — mit dem Unterschied, dass er lebhafter wirkt und eine deutlich interessantere Geschichte mitbringt.
Fassungen und gestalterische Einordnung
Für Phenakit funktionieren fast alle gängigen Fassungsarten. Die Krappenfassung lässt den größten Teil des Steins frei und nutzt die Brillanz optimal; vier bis sechs Krappen reichen. Eine Zargenfassung schützt die Rundiste zusätzlich und ist sinnvoll, wenn der Ring täglich getragen wird, kostet aber etwas Lichteinfall von der Seite. Kanal- und Pavéfassungen sind bei kleinen Steinen technisch möglich, wegen der Sprödigkeit aber mit Vorsicht auszuführen. Löten Sie grundsätzlich nicht am gefassten Stein: Phenakit ist chemisch beständig, verträgt aber wie jeder spröde Stein keine schroffen Temperaturwechsel. Gestalterisch profitiert ein farbloser Phenakit von einer Fassung, die Licht von unten an den Pavillon lässt; eine geschlossene, verspiegelte Unterseite nimmt ihm genau die Brillanz, für die man ihn kauft. In Weißgold und Platin wirkt er kühl und klar, in Gelbgold nimmt er einen leicht warmen Schimmer an. Als Beistein neben farbigen Steinen ersetzt er den Diamanten preiswerter, ohne dessen Feuer zu liefern.
Warum man Phenakit trotzdem selten sieht
Wenn Phenakit hart, brillant und tragbar ist, warum steht er dann nicht in jedem Juweliergeschäft? Der Grund ist schlicht die Verfügbarkeit. Schleifwürdiges Rohmaterial kommt nur in kleinen Mengen und unregelmäßig auf den Markt; eine Serienfertigung mit kalkulierbarem Nachschub ist damit nicht möglich. Hinzu kommt ein Vermarktungsproblem: Ein farbloser Stein konkurriert unmittelbar mit Diamant, Moissanit, weißem Saphir und synthetischem Material, die alle in beliebiger Menge und in standardisierten Größen verfügbar sind. Phenakit hat gegenüber Diamant weniger Feuer und ist weicher, gegenüber Quarz ist er deutlich teurer. Sein Platz ist deshalb der einzelne, bewusst gewählte Stein für ein Unikat oder für eine Sammlung — nicht der Massenmarkt. Wer ein Schmuckstück mit Phenakit möchte, sollte es als Einzelanfertigung planen und den passenden Stein zuerst aussuchen, bevor die Fassung entworfen wird.
