Phenakit heißt auf Griechisch sinngemäß „Betrüger“, weil er jahrzehntelang für Bergkristall gehalten wurde. Tatsächlich ist er ein seltenes Berylliumsilikat mit deutlich höherem Brechungsindex, größerer Härte und einer Brillanz, die den Quarz klar übertrifft.
Phenakit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Silikate, Inselsilikate (Nesosilikate), Phenakit-Willemit-Gruppe |
| Chemische Formel | Be2SiO4 |
| Kristallsystem | trigonal, Raumgruppe R-3 |
| Mohs-Härte | 7,5 bis 8 |
| Dichte | 2,93 bis 3,00 g/cm³ |
| Brechungsindex | 1,654 bis 1,670 (einachsig positiv) |
| Doppelbrechung | 0,016 |
| Glanz | Glasglanz, an guten Facetten fast diamantartig |
| Spaltbarkeit | deutlich bis unvollkommen nach {11-20}, undeutlich nach {10-11} |
| Bruch | muschelig, spröde |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Farben | meist farblos; hellgelb, blassrosa, bräunlich, selten schwach grünlich |
| Wichtigste Fundorte | Izumrudnye Kopi an der Tokowaja (Ural, Russland), Minas Gerais (Brasilien), Jos-Plateau (Nigeria), Mogok (Myanmar), Madagaskar, Mount Antero und Pikes Peak (Colorado, USA), Kragerø (Norwegen), Schweizer Alpen, Namibia, Tansania, Sri Lanka |
| Behandlungen | keine handelsüblichen Behandlungen; Färbung, Brennen und Bestrahlung sind bei Phenakit nicht etabliert |
| Erstbeschreibung | 1833 durch Nils Gustaf Nordenskiöld; Typlokalität sind die Smaragdgruben Izumrudnye Kopi an der Tokowaja bei Jekaterinburg im Mittleren Ural |
Ein Name als Vorwurf: der Betrüger
Der finnisch-schwedische Mineraloge Nils Gustaf Nordenskiöld beschrieb 1833 farblose Kristalle aus den uralischen Smaragdgruben und gab ihnen einen ungewöhnlich pointierten Namen. Phenakit leitet sich vom griechischen phenax ab, was Betrüger oder Schwindler bedeutet. Der Grund liegt auf der Hand: Die farblosen, glasklaren Kristalle waren bis dahin regelmäßig für Bergkristall gehalten und mit ihm zusammen abgebaut worden. Erst die chemische Analyse zeigte, dass hier kein Siliziumdioxid vorlag, sondern ein Berylliumsilikat der Formel Be2SiO4. Die Verwechslung war nicht nur eine Sache des Aussehens. Beide Minerale kristallisieren trigonal, beide bilden prismatische bis rhomboedrische Kristalle, beide sind farblos, glasglänzend und hart. Ein Sammler ohne Messgerät hatte damals kaum eine Chance. Bis heute ist Phenakit einer der Steine, die im Handel am häufigsten falsch etikettiert werden — meist nicht aus Betrugsabsicht, sondern weil der Verkäufer den Unterschied nicht kennt. Dabei ist die Trennung mit einfachen gemmologischen Mitteln eindeutig.
Woran Sie Phenakit von Bergkristall unterscheiden
Die Unterscheidung gelingt über drei unabhängige Messgrößen. Der Brechungsindex ist der deutlichste Hinweis: Phenakit liegt bei 1,654 bis 1,670, Quarz nur bei 1,544 bis 1,553. Auf dem Refraktometer sind das keine Nuancen, sondern zwei klar getrennte Bereiche. Zweitens die Doppelbrechung: Phenakit erreicht 0,016, Quarz nur 0,009. Bei einem facettierten Phenakit können Sie deshalb mit einer zehnfachen Lupe durch die Tafel blicken und sehen die hinteren Facettenkanten doppelt; bei Bergkristall ist dieser Effekt kaum wahrnehmbar. Drittens die Dichte: 2,93 bis 3,00 g/cm³ beim Phenakit gegenüber 2,65 beim Quarz. Ein Phenakit fühlt sich in der Hand spürbar schwerer an und sinkt in schweren Flüssigkeiten, in denen Quarz schwimmt. Hinzu kommt die Härte von 7,5 bis 8 gegenüber 7. Ein Fachmann erkennt den Unterschied oft schon am lebhafteren Glanz und an der besseren Brillanz, doch verlassen sollten Sie sich auf eine Messung.
Von der Takowaja in den Weltmarkt
Die Typlokalität liegt im Mittleren Ural: die Smaragdgruben Izumrudnye Kopi am Fluss Tokowaja, oft auch Takowaja geschrieben, östlich von Jekaterinburg. Dort trat Phenakit gemeinsam mit Smaragd, Chrysoberyll und Alexandrit in Glimmerschiefer auf; die russischen Kristalle sind bis heute Referenzmaterial und im Handel kaum erhältlich. Der laufende Markt wird von anderen Quellen bestimmt. Brasilien, insbesondere Minas Gerais, liefert große, saubere, farblose Kristalle, aus denen die größten facettierten Steine geschliffen werden. Nigeria, vor allem das Gebiet des Jos-Plateaus, und die Region Mogok in Myanmar gelten im Handel als Quellen besonders hochwertiger Ware. Madagaskar trägt mit seinen Pegmatitfeldern regelmäßig bei. Hinzu kommen Colorado mit den klassischen Fundstellen am Mount Antero und im Pikes-Peak-Gebiet, Norwegen mit Kragerø, die Schweizer Alpen, Namibia, Tansania und Sri Lanka. Trotz dieser langen Liste bleibt schleifwürdiges Material knapp.
Hart genug für den Alltag, zu selten für den Laden
Mit einer Mohs-Härte von 7,5 bis 8 gehört Phenakit zu den wenigen Sammlersteinen, die man wirklich tragen kann. Er liegt über Quarz, wird also von gewöhnlichem Staub nicht mattiert, und seine Spaltbarkeit ist nur deutlich bis unvollkommen ausgebildet — deutlich gutmütiger als bei Topas oder Euklas. Was ihn aus dem gewerblichen Schmuck fernhält, ist allein die Seltenheit. Facettierte Steine bewegen sich üblicherweise zwischen einem und fünf Karat; größere saubere Steine existieren, sind aber Sammlerobjekte. Preislich werden Rohsteine mit umgerechnet etwa 0,60 bis 27 Euro pro Karat gehandelt, facettierte Steine mit etwa 25 bis 160 Euro pro Karat, wobei große, augenreine und gut proportionierte Steine darüber liegen. Ein Rekordstück gibt die Größenordnung des Möglichen an: 2021 wurde in Sri Lanka ein facettierter Phenakit von 616,9 Karat bekannt, der als größter geschliffener Stein dieser Art gilt. Der Regelfall im Handel sieht anders aus.
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Kurz gefasst
Phenakit ist der seltene Fall eines Sammlersteins, den man tatsächlich tragen kann: hart genug für den Alltag, brillanter als Bergkristall und mit einer guten Geschichte im Namen. Kaufen Sie ihn als farblosen, gut proportionierten Facettenstein zwischen zwei und fünf Karat — dort stimmt das Verhältnis von Verfügbarkeit und Preis. Verlangen Sie eine Messung von Brechungsindex und Dichte, denn die Verwechslung mit Quarz ist der häufigste Fehler im Handel. Für farbige Steine gilt: kühl und dunkel lagern.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Phenakit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
