Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Phenakit Lexikon · Farben & Varietäten

Phenakit – Farben & Varietäten

Phenakit

Warum Phenakit fast immer farblos ist

Phenakit ist in der Regel wasserklar und farblos, und das hat einen strukturellen Grund. Sein Gitter besteht ausschließlich aus kleinen, tetraedrisch koordinierten Kationen: Beryllium und Silizium. Für die typischen Farbgeber der Edelsteinwelt — Eisen, Chrom, Vanadium, Mangan, Titan — gibt es darin kaum geeignete Plätze, weil diese Ionen deutlich größer sind und üblicherweise oktaedrische Lücken besetzen. Wo ein Mineral keine passenden Gitterplätze für Übergangsmetalle bietet, bleibt es farblos. Das ist zugleich der Grund, warum Phenakit so gut mit Bergkristall zu verwechseln ist: Beide sind aus demselben Grund farblos. Die schwachen Farbtöne, die vorkommen, gehen auf geringe Fremdgehalte und auf Gitterdefekte zurück, wie sie durch natürliche Bestrahlung entstehen können. Systematische spektroskopische Untersuchungen zur Farbursache bei Phenakit sind wegen der geringen Materialmengen deutlich seltener als bei häufigen Edelsteinen; belastbare, allgemein anerkannte Zuordnungen einzelner Farben zu einzelnen Elementen liegen nicht vor.

Varietät Farbe Bemerkung
Farbloser Phenakitwasserklar, farblosRegelfall; hierfür wird das Mineral geschliffen, hohe Brillanz durch RI 1,654 bis 1,670
Gelber Phenakithellgelb bis strohgelbblasse Töne, meist erst ab mehreren Karat sichtbar
Rosa Phenakitblassrosaselten; Farbe gilt im Handel als lichtempfindlich
Brauner Phenakithellbraun bis bräunlichvergleichsweise häufig unter den farbigen Steinen
Rötlicher Phenakitschwach rötlichvor allem aus russischen Vorkommen bekannt, ausgesprochene Rarität
Katzenaugen-Phenakitfarblos bis bräunlich, durchscheinendfaseriges Material, als Cabochon geschliffen, Sammlerware
Phenacit (Schreibvariante)alle Farbengleichbedeutend mit Phenakit, vor allem in älterer und englischsprachiger Literatur

Hellgelb, blassrosa, bräunlich — und die Lichtfrage

Das Farbspektrum des Phenakits bewegt sich in Pastelltönen. Neben farblos treten hellgelbe, blassrosa und bräunliche Steine auf, selten auch schwach grünliche. Aus Russland sind rötliche Kristalle bekannt, die als besondere Rarität gelten. Diese Farben sind meist so zart, dass sie erst in größeren Steinen sichtbar werden; ein Ein-Karat-Stein wirkt oft farblos, während derselbe Rohling in fünf Karat einen erkennbaren Ton zeigt. Wichtig für Käufer: Im Handel wird berichtet, dass die Farbtöne mancher Phenakite bei längerer Lichteinwirkung verblassen. Das ist konsistent mit einer Farbe, die auf strahlungsinduzierten Gitterdefekten beruht, denn solche Farbzentren sind typischerweise lichtempfindlich. Systematische Prüfungen dazu sind uns nicht bekannt, sodass diese Angabe als Erfahrungswert des Handels zu lesen ist. Praktisch heißt das: Lagern Sie farbige Phenakite dunkel und tragen Sie sie nicht dauerhaft in der Sonne. Bei farblosen Steinen stellt sich die Frage nicht.

Katzenaugen und Handelsbezeichnungen

Mineralogisch anerkannte Varietäten kennt Phenakit nicht. Was im Handel als Varietät angeboten wird, sind Farbbeschreibungen oder Effektbezeichnungen. Belegt ist ein Katzenaugeneffekt bei durchscheinendem, faserig gebautem Material; solche Steine werden als Cabochon geschliffen und im Handel als Katzenaugen-Phenakit geführt. Sie sind selten und überwiegend Sammlerware. Häufig begegnet Ihnen zudem die alternative Schreibweise Phenacit, die dasselbe Mineral bezeichnet und keinen Qualitätsunterschied anzeigt. Herkunftsbezogene Bezeichnungen wie nigerianischer Phenakit oder Mogok-Phenakit dienen im Handel als Qualitätsversprechen, sind aber nicht geschützt und sagen über den einzelnen Stein nichts Verbindliches aus. Vorsicht ist bei Angeboten geboten, die Phenakit mit Begriffen aus dem Diamantumfeld bewerben. Zwar erreicht ein gut geschliffener Phenakit eine bemerkenswerte Brillanz, seine Dispersion ist aber gering; das typische Farbenspiel eines Diamanten kann er nicht liefern und sollte es auch nicht versprechen.

Häufige Fragen

Gibt es farbigen Phenakit?
Ja, aber nur in blassen Tönen: hellgelb, blassrosa, bräunlich und selten schwach grünlich. Aus Russland sind rötliche Kristalle bekannt. Die Farben sind so zart, dass sie meist erst in größeren Steinen deutlich sichtbar werden. Der Regelfall bleibt farblos.
Verblasst farbiger Phenakit?
Im Handel wird berichtet, dass die Farbtöne bei längerer Lichteinwirkung nachlassen können. Das passt zu Farbursachen auf Basis strahlungsinduzierter Gitterdefekte. Systematische Untersuchungen dazu sind uns nicht bekannt; behandeln Sie die Angabe als Erfahrungswert und lagern Sie farbige Steine dunkel.
Gibt es Phenakit mit Katzenaugeneffekt?
Ja. Bei durchscheinendem, faserig gebautem Material tritt ein Katzenaugeneffekt auf. Solche Steine werden als Cabochon geschliffen und im Handel als Katzenaugen-Phenakit angeboten. Sie sind selten und richten sich fast ausschließlich an Sammler.