Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Phenakit Lexikon · Herkunft & Fundorte

Phenakit – Herkunft & Fundorte

Phenakit

Takowaja: die Typlokalität im Mittleren Ural

Die Geschichte des Phenakits beginnt an einem der bekanntesten Edelsteinorte Russlands. Die Smaragdgruben Izumrudnye Kopi liegen am Fluss Tokowaja, häufig auch Takowaja geschrieben, rund achtzig Kilometer östlich von Jekaterinburg. Die Lagerstätte wurde 1830 entdeckt, als in den Wurzeln eines umgestürzten Baums grüne Kristalle gefunden wurden, und lieferte in den folgenden Jahrzehnten Smaragd, Alexandrit, Chrysoberyll und Phenakit. Die Berylliumminerale sitzen dort in Glimmerschiefer, der von berylliumreichen Lösungen aus benachbarten granitischen Gesteinen durchdrungen wurde. Nordenskiöld erkannte 1833 an diesem Material, dass die als Bergkristall geführten farblosen Kristalle eine eigene Mineralart sind. Russische Phenakite sind bis heute Referenzmaterial und gehören zu den bevorzugten Sammlerstücken; auch die seltenen rötlichen Kristalle stammen überwiegend von dort. Auf dem laufenden Markt spielt russisches Material jedoch kaum eine Rolle, weil die Produktion gering ist und ein Großteil des historischen Bestands in Museen und alten Sammlungen liegt.

Fundort Land Besonderheit
Izumrudnye Kopi an der Tokowaja, bei JekaterinburgRussland (Mittlerer Ural)Typlokalität, 1833 von Nordenskiöld beschrieben; auch seltene rötliche Kristalle
Minas Gerais, PegmatitfelderBrasiliengroße, saubere farblose Kristalle; Quelle der meisten großen Facettensteine
Jos-PlateauNigeriaberylliumführende Granite und Pegmatite; im Handel als besonders reine Ware geschätzt
MogokMyanmarklassisches Edelsteingebiet; Phenakit in guter Schmuckqualität
Pegmatitfelder MadagaskarsMadagaskarfarblose bis blassgelbe Kristalle in brauchbaren Größen
Mount Antero, Sawatch RangeUSA (Colorado)hochgelegene Sammlerlokalität mit gut ausgebildeten kleinen Kristallen
Pikes-Peak-Batholith, u. a. Crystal PeakUSA (Colorado)miarolithische Hohlräume in Granit, klassische Sammlerstufen
Kragerø und Øvre EikerNorwegenhistorische europäische Vorkommen, überwiegend von mineralogischem Interesse

Brasilien, Nigeria und Myanmar

Der heutige Handel wird von drei Regionen bestimmt. Brasilien, vor allem der Bundesstaat Minas Gerais mit seinen zahlreichen Pegmatitfeldern, liefert große, saubere, farblose Kristalle. Von dort stammen die meisten der wirklich großen facettierten Steine, weil die Kristalle Größen erreichen, die anderswo selten sind. Nigeria ist die zweite wichtige Quelle; die berylliumführenden Granite und Pegmatite im Bereich des Jos-Plateaus im Zentrum des Landes liefern Material, das im Handel wegen seiner Reinheit geschätzt wird. Die dritte Adresse ist Myanmar mit der Region Mogok, die schon für Rubin, Spinell und Saphir bekannt ist und auch Phenakit in guter Qualität hervorbringt. Im Handel gelten nigerianisches und myanmarisches Material vielfach als die feinste Ware, während brasilianisches Material für Größe steht. Diese Einordnung ist eine Handelseinschätzung und keine gemmologisch belegte Rangfolge; entscheidend bleibt immer der einzelne Stein.

Madagaskar, Colorado und die übrigen Vorkommen

Madagaskar trägt mit seinen ausgedehnten Pegmatitfeldern regelmäßig zum Angebot bei und liefert farblose bis blassgelbe Kristalle in brauchbaren Größen. In den Vereinigten Staaten sind zwei Fundgebiete in Colorado klassisch: der Mount Antero in der Sawatch Range, einer der höchstgelegenen Edelsteinfundpunkte der Welt, und die Pegmatite und Miarolen des Pikes-Peak-Batholiths, etwa im Bereich Crystal Peak. Beide sind vor allem Sammlerlokalitäten mit kleinen, aber sehr gut ausgebildeten Kristallen. Norwegen ist mit Kragerø und dem Gebiet Øvre Eiker vertreten, die Schweizer Alpen liefern alpine Kluftkristalle, meist klein und für den Schliff ungeeignet. Hinzu kommen Namibia, Tansania, Simbabwe, das Nordkap in Südafrika und Sri Lanka, von wo 2021 der mit 616,9 Karat größte bekannte facettierte Phenakit gemeldet wurde. Trotz der langen Fundortliste bleibt schleifwürdiges Material in Größe und Reinheit dauerhaft knapp.

Häufige Fragen

Woher kommt der meiste Phenakit im Handel?
Aus Brasilien, vor allem aus Minas Gerais, wo große und saubere farblose Kristalle vorkommen. Als Quellen besonders hochwertigen Materials gelten im Handel zusätzlich Nigeria mit dem Gebiet des Jos-Plateaus und Myanmar mit der Region Mogok. Madagaskar trägt regelmäßig bei.
Gibt es noch russischen Phenakit?
Kaum. Die Typlokalität Izumrudnye Kopi an der Tokowaja liefert nur geringe Mengen, und der historische Bestand liegt überwiegend in Museen und alten Sammlungen. Russische Kristalle, insbesondere die seltenen rötlichen, sind gesuchte Sammlerobjekte und im normalen Handel nicht zu erwarten.
Wie groß war der größte facettierte Phenakit?
2021 wurde aus Sri Lanka ein facettierter Phenakit von 616,9 Karat gemeldet, der als größter bekannter geschliffener Stein dieser Art gilt. Im normalen Handel bewegen sich facettierte Phenakite dagegen zwischen einem und fünf Karat.