Takowaja: die Typlokalität im Mittleren Ural
Die Geschichte des Phenakits beginnt an einem der bekanntesten Edelsteinorte Russlands. Die Smaragdgruben Izumrudnye Kopi liegen am Fluss Tokowaja, häufig auch Takowaja geschrieben, rund achtzig Kilometer östlich von Jekaterinburg. Die Lagerstätte wurde 1830 entdeckt, als in den Wurzeln eines umgestürzten Baums grüne Kristalle gefunden wurden, und lieferte in den folgenden Jahrzehnten Smaragd, Alexandrit, Chrysoberyll und Phenakit. Die Berylliumminerale sitzen dort in Glimmerschiefer, der von berylliumreichen Lösungen aus benachbarten granitischen Gesteinen durchdrungen wurde. Nordenskiöld erkannte 1833 an diesem Material, dass die als Bergkristall geführten farblosen Kristalle eine eigene Mineralart sind. Russische Phenakite sind bis heute Referenzmaterial und gehören zu den bevorzugten Sammlerstücken; auch die seltenen rötlichen Kristalle stammen überwiegend von dort. Auf dem laufenden Markt spielt russisches Material jedoch kaum eine Rolle, weil die Produktion gering ist und ein Großteil des historischen Bestands in Museen und alten Sammlungen liegt.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Izumrudnye Kopi an der Tokowaja, bei Jekaterinburg | Russland (Mittlerer Ural) | Typlokalität, 1833 von Nordenskiöld beschrieben; auch seltene rötliche Kristalle |
| Minas Gerais, Pegmatitfelder | Brasilien | große, saubere farblose Kristalle; Quelle der meisten großen Facettensteine |
| Jos-Plateau | Nigeria | berylliumführende Granite und Pegmatite; im Handel als besonders reine Ware geschätzt |
| Mogok | Myanmar | klassisches Edelsteingebiet; Phenakit in guter Schmuckqualität |
| Pegmatitfelder Madagaskars | Madagaskar | farblose bis blassgelbe Kristalle in brauchbaren Größen |
| Mount Antero, Sawatch Range | USA (Colorado) | hochgelegene Sammlerlokalität mit gut ausgebildeten kleinen Kristallen |
| Pikes-Peak-Batholith, u. a. Crystal Peak | USA (Colorado) | miarolithische Hohlräume in Granit, klassische Sammlerstufen |
| Kragerø und Øvre Eiker | Norwegen | historische europäische Vorkommen, überwiegend von mineralogischem Interesse |
Brasilien, Nigeria und Myanmar
Der heutige Handel wird von drei Regionen bestimmt. Brasilien, vor allem der Bundesstaat Minas Gerais mit seinen zahlreichen Pegmatitfeldern, liefert große, saubere, farblose Kristalle. Von dort stammen die meisten der wirklich großen facettierten Steine, weil die Kristalle Größen erreichen, die anderswo selten sind. Nigeria ist die zweite wichtige Quelle; die berylliumführenden Granite und Pegmatite im Bereich des Jos-Plateaus im Zentrum des Landes liefern Material, das im Handel wegen seiner Reinheit geschätzt wird. Die dritte Adresse ist Myanmar mit der Region Mogok, die schon für Rubin, Spinell und Saphir bekannt ist und auch Phenakit in guter Qualität hervorbringt. Im Handel gelten nigerianisches und myanmarisches Material vielfach als die feinste Ware, während brasilianisches Material für Größe steht. Diese Einordnung ist eine Handelseinschätzung und keine gemmologisch belegte Rangfolge; entscheidend bleibt immer der einzelne Stein.
Madagaskar, Colorado und die übrigen Vorkommen
Madagaskar trägt mit seinen ausgedehnten Pegmatitfeldern regelmäßig zum Angebot bei und liefert farblose bis blassgelbe Kristalle in brauchbaren Größen. In den Vereinigten Staaten sind zwei Fundgebiete in Colorado klassisch: der Mount Antero in der Sawatch Range, einer der höchstgelegenen Edelsteinfundpunkte der Welt, und die Pegmatite und Miarolen des Pikes-Peak-Batholiths, etwa im Bereich Crystal Peak. Beide sind vor allem Sammlerlokalitäten mit kleinen, aber sehr gut ausgebildeten Kristallen. Norwegen ist mit Kragerø und dem Gebiet Øvre Eiker vertreten, die Schweizer Alpen liefern alpine Kluftkristalle, meist klein und für den Schliff ungeeignet. Hinzu kommen Namibia, Tansania, Simbabwe, das Nordkap in Südafrika und Sri Lanka, von wo 2021 der mit 616,9 Karat größte bekannte facettierte Phenakit gemeldet wurde. Trotz der langen Fundortliste bleibt schleifwürdiges Material in Größe und Reinheit dauerhaft knapp.
