Ein dankbares Material mit hoher Härte
Nach Euklas oder Hemimorphit wirkt Phenakit für den Schleifer wie eine Erholung. Mit einer Mohs-Härte von 7,5 bis 8 ist er widerstandsfähig, und seine Spaltbarkeit ist nur deutlich bis unvollkommen nach {11-20} und undeutlich nach {10-11} ausgebildet. Das heißt nicht, dass sie ignoriert werden darf, aber sie zerlegt den Rohling nicht bei der kleinsten Fehlbelastung, wie es bei Topas oder Euklas geschieht. Der Bruch ist muschelig, das Material spröde; ein harter Anschlag an der Rundiste kann also durchaus eine Absplitterung erzeugen. Praktisch bedeutet das: normale Sorgfalt, feine Abstufung der Körnungen, durchgehende Kühlung und kein übermäßiger Anpressdruck — mehr Vorsichtsmaßnahmen sind nicht nötig. Weil das Material hart ist, dauert das Vorschleifen länger als bei Quarz. Planen Sie mehr Zeit auf den groben Scheiben ein und arbeiten Sie mit Diamantwerkzeug; Siliziumkarbid-Scheiben verschleißen an Phenakit auffällig schnell.
Kristallform, Ausbeute und die Wahl des Schliffs
Phenakit kristallisiert trigonal und bildet rhomboedrische, kurzprismatische bis tafelige Kristalle, häufig mit gedrungenem Habitus. Diese Form ist für den Schliff günstig, weil sie sowohl runde als auch längliche Umrisse zulässt, ohne dass große Teile des Rohlings verloren gehen. Die Ausbeute liegt deshalb deutlich über der von Euklas oder anderen stark spaltbaren Steinen. Weil der Stein in der Regel farblos ist und seine Wirkung allein aus Brillanz und Lichtführung bezieht, lohnt sich ein präziser Schliff besonders. Der runde Brillantschliff und die verwandten Formen Oval, Kissen und Birne nutzen den Brechungsindex von 1,654 bis 1,670 am besten aus. Treppenschliffe wie der Smaragdschliff wirken bei farblosem Material eher ruhig und fenstern leicht, wenn der Pavillon zu flach gehalten wird. Kalkulieren Sie die Pavillonwinkel bewusst für diesen Brechungsindex; die für Quarz üblichen Winkel führen bei Phenakit zu Lichtverlust durch die Unterseite.
Politur und ein Wort zum Berylliumstaub
Phenakit nimmt eine sehr gute Politur an und erreicht dabei einen Glanz, der an guten Steinen fast diamantartig wirkt. Bewährt haben sich Diamantpulver in feiner Körnung auf Zinn- oder Kupferlappen sowie Aluminiumoxid; wegen der hohen Härte arbeiten Sie etwas länger als bei Quarz, dafür ist das Ergebnis dauerhaft. Achten Sie auf gleichmäßigen, mäßigen Druck und vermeiden Sie Hitzestaus an den Facettenkanten. Ein Punkt verdient ausdrückliche Erwähnung: Phenakit ist ein Berylliumsilikat, und Berylliumstaub ist beim Einatmen gesundheitsschädlich. Für Sie als Träger eines fertigen Steins besteht kein Risiko, denn das Beryllium ist im Gitter fest gebunden und wird nicht abgegeben. Beim Schleifen sieht es anders aus. Arbeiten Sie deshalb grundsätzlich nass, damit kein Trockenstaub entsteht, sorgen Sie für gute Absaugung und tragen Sie bei trockenen Arbeitsgängen eine geeignete Atemschutzmaske. Dieselbe Vorsichtsregel gilt für Beryll, Chrysoberyll und andere berylliumhaltige Minerale.
