Wofür Ekanit taugt und wofür nicht
Die Einschätzung ist in der Fachliteratur eindeutig. Das GIA schreibt, der Thoriumgehalt von etwa 24 Gewichtsprozent nebst geringem Urananteil verursache eine schädliche Radioaktivität und mache die Steine für täglich getragenen Schmuck ungeeignet; empfohlen werde der sichere Umgang, und der Stein sei primär ein Sammlerobjekt. Die International Gem Society formuliert ebenso knapp, eine Verwendung im Schmuck sei nicht zu empfehlen. Damit ist die Frage für den Alltagsschmuck beantwortet. Sinnvoll ist Ekanit als Vitrinenstein, als Lehrstück in einer gemmologischen Sammlung und als Referenzmaterial im Labor, wo er das Verhalten metamikter Substanzen anschaulich macht. Wer den Stein dennoch fassen lassen möchte, sollte sich auf Objekte beschränken, die nicht am Körper getragen werden, etwa auf montierte Sammlungsstücke. Kinderschmuck, Ringe und alles, was dauerhaft Hautkontakt hat, scheiden aus.
Wenn doch gefasst wird: Zarge, kalt, und mit Ansage
Soll ein Ekanit montiert werden, gelten drei Regeln aus den geprüften Befunden. Erstens kalt fassen: Oberhalb von etwa 1000 Grad Celsius rekristallisiert das Material und verliert seine Transparenz, deshalb darf in der Nähe des Steins nicht gelötet werden. Zweitens den Stein rückseitig schließen statt offen zu lassen, denn die gemessene Aktivität liegt vor allem in Alphastrahlung, die schon von wenigen Materialschichten absorbiert wird; eine geschlossene Zarge verringert außerdem den direkten Hautkontakt. Drittens den Käufer aufklären: Die Radioaktivität ist eine Eigenschaft der Ware, die in die Beschreibung gehört. Eine Alltagstauglichkeit im üblichen Sinn hat Ekanit trotz ausreichender Härte von 6 bis 6,5 nicht, weil die Begrenzung nicht mechanisch, sondern strahlenschutzbedingt ist. Belastbare Dosiswerte für gefassten Ekanit am Körper liegen in den geprüften Quellen nicht vor.
Größenordnungen: was an Steinen überhaupt existiert
Der Markt ist klein und die Steine sind es meist auch. Das GIA untersuchte geschliffene Stücke von 0,65 und 2,73 Karat sowie Rohmaterial von rund 2,90 bis 2,95 Gramm. Im Handel dokumentierte Verkäufe betreffen 0,97, 1,430, 5,87 und 9,74 Karat, wobei der Neunkaräter vom Händler ausdrücklich als ungewöhnlich groß bezeichnet wird. Die International Gem Society nennt als Ausnahmen einen 498-karätigen Stein aus Welimada, einen vom GIA geprüften Sternkabochon von 161 Karat und ein von einem Londoner Labor untersuchtes Stück von 43,8 Karat; sie spricht zugleich davon, dass nur eine Handvoll geschliffener Steine bekannt sei. Die Erstbeschreibung von 1961 erwähnt ein Stück von rund 44 Gramm als das damals größte bekannte. Rechnen Sie also mit Einkarätern, und betrachten Sie alles über fünf Karat als Glücksfall.
