Ein Material, das sich wie Glas schleifen lässt
Für den Schleifer verhält sich Ekanit weitgehend wie ein Glas mit einer Mohshärte um 6 bis 6,5. Das GIA beschreibt muscheligen bis unebenen Bruch und Glasglanz an frischen Flächen. Eine Spaltbarkeit, die beim Sägen oder beim Fassen zum Problem werden könnte, ist für das metamikte Edelsteinmaterial nicht beschrieben; gemmologische Tabellen führen ausdrücklich keine Spaltbarkeit. Nur für den seltenen, nicht metamikten, also noch kristallinen Ekanit wird eine deutliche Spaltbarkeit nach der Fläche {101} angegeben. Das ist eine unmittelbare Folge der Metamiktisierung: Wo keine Gitterebenen mehr existieren, gibt es auch keine bevorzugten Trennflächen. Praktisch heißt das, Sie können den Stein in jeder Richtung orientieren, ohne eine Spaltrichtung fürchten zu müssen. Der Preis dafür ist, dass die Rohknolle Ihnen auch keinerlei Orientierungshilfe gibt, weder durch Kristallflächen noch durch eine optische Achse.
Warum die Rohknolle keine Kanten hat
Klassisch metamikte Minerale behalten ihre äußere Kristallgestalt, obwohl sie im Inneren amorph geworden sind; genau das meinte Brøgger 1893, als er den Begriff prägte. Sri-lankischer Ekanit passt in dieses Bild nur halb. Er bildet sich laut GIA als xenomorphe Knolle bis drei Zentimeter Größe im Kalksilikatgestein, also formlos zwischen Diopsid, Wollastonit, Kalifeldspat und Skapolith, ohne eigene Flächen ausbilden zu können. Hinzu kommt der orangefarbene bis blass bräunliche Alterationssaum mit erdiger Konsistenz, der leicht abwittert. Was schließlich in der Seife landet, ist ein unregelmäßiger, kantenloser Klumpen, der laut GIA erstaunlich wenig Abrieb zeigt, weil die Transportwege kurz waren. Für den Schleifer bedeutet das: Ausbeuteplanung nach Augenmaß und nach der Lage der Trübungszonen, nicht nach Kristallform. Eine Ausbeutefaustregel existiert für Ekanit wegen der kleinen Stückzahlen nicht.
Welche Schliffe sinnvoll sind
Weil es keine verwertbare Doppelbrechung gibt, spielt die Orientierung für die Farbe keine Rolle; anders als bei pleochroitischen Steinen müssen Sie die Tafel nicht nach einer Achse ausrichten. Bei klarem Material werden Stufen- und Mischschliffe verwendet; belegte Beispiele sind ein rechteckiger Mischschliff von 9,74 Karat, ein Oval von 0,97 Karat und ein Kissenschliff von 5,87 Karat. Die üblichen Fertiggewichte liegen unter drei Karat; das GIA nennt untersuchte Steine von 0,65 und 2,73 Karat. Trübes, dicht von orientierten Nadeln durchzogenes Material gehört auf den Kabochon, denn dort erzeugt die Einschlusspopulation den vierstrahligen Stern. Eine wichtige Einschränkung betrifft die Wärme: Oberhalb von etwa 1000 Grad Celsius rekristallisiert Ekanit und wird unbrauchbar. Beim Schleifen und Polieren sollten Sie deshalb kühl arbeiten und den Stein nicht auf einem beheizten Kitt aufsetzen, sondern mechanisch dopfen.
