Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Ekanit Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Ekanit – Schliff & Bearbeitung

Ekanit

Ein Material, das sich wie Glas schleifen lässt

Für den Schleifer verhält sich Ekanit weitgehend wie ein Glas mit einer Mohshärte um 6 bis 6,5. Das GIA beschreibt muscheligen bis unebenen Bruch und Glasglanz an frischen Flächen. Eine Spaltbarkeit, die beim Sägen oder beim Fassen zum Problem werden könnte, ist für das metamikte Edelsteinmaterial nicht beschrieben; gemmologische Tabellen führen ausdrücklich keine Spaltbarkeit. Nur für den seltenen, nicht metamikten, also noch kristallinen Ekanit wird eine deutliche Spaltbarkeit nach der Fläche {101} angegeben. Das ist eine unmittelbare Folge der Metamiktisierung: Wo keine Gitterebenen mehr existieren, gibt es auch keine bevorzugten Trennflächen. Praktisch heißt das, Sie können den Stein in jeder Richtung orientieren, ohne eine Spaltrichtung fürchten zu müssen. Der Preis dafür ist, dass die Rohknolle Ihnen auch keinerlei Orientierungshilfe gibt, weder durch Kristallflächen noch durch eine optische Achse.

Warum die Rohknolle keine Kanten hat

Klassisch metamikte Minerale behalten ihre äußere Kristallgestalt, obwohl sie im Inneren amorph geworden sind; genau das meinte Brøgger 1893, als er den Begriff prägte. Sri-lankischer Ekanit passt in dieses Bild nur halb. Er bildet sich laut GIA als xenomorphe Knolle bis drei Zentimeter Größe im Kalksilikatgestein, also formlos zwischen Diopsid, Wollastonit, Kalifeldspat und Skapolith, ohne eigene Flächen ausbilden zu können. Hinzu kommt der orangefarbene bis blass bräunliche Alterationssaum mit erdiger Konsistenz, der leicht abwittert. Was schließlich in der Seife landet, ist ein unregelmäßiger, kantenloser Klumpen, der laut GIA erstaunlich wenig Abrieb zeigt, weil die Transportwege kurz waren. Für den Schleifer bedeutet das: Ausbeuteplanung nach Augenmaß und nach der Lage der Trübungszonen, nicht nach Kristallform. Eine Ausbeutefaustregel existiert für Ekanit wegen der kleinen Stückzahlen nicht.

Welche Schliffe sinnvoll sind

Weil es keine verwertbare Doppelbrechung gibt, spielt die Orientierung für die Farbe keine Rolle; anders als bei pleochroitischen Steinen müssen Sie die Tafel nicht nach einer Achse ausrichten. Bei klarem Material werden Stufen- und Mischschliffe verwendet; belegte Beispiele sind ein rechteckiger Mischschliff von 9,74 Karat, ein Oval von 0,97 Karat und ein Kissenschliff von 5,87 Karat. Die üblichen Fertiggewichte liegen unter drei Karat; das GIA nennt untersuchte Steine von 0,65 und 2,73 Karat. Trübes, dicht von orientierten Nadeln durchzogenes Material gehört auf den Kabochon, denn dort erzeugt die Einschlusspopulation den vierstrahligen Stern. Eine wichtige Einschränkung betrifft die Wärme: Oberhalb von etwa 1000 Grad Celsius rekristallisiert Ekanit und wird unbrauchbar. Beim Schleifen und Polieren sollten Sie deshalb kühl arbeiten und den Stein nicht auf einem beheizten Kitt aufsetzen, sondern mechanisch dopfen.

Häufige Fragen

Muss ich beim Schleifen von Ekanit Schutzmaßnahmen treffen?
Ja. Der kritische Punkt bei radioaktiven Mineralien ist nach der einschlägigen Sammlerliteratur nicht die äußere Strahlung, sondern die Inkorporation von Staub und Abrieb. Genau den erzeugt das Schleifen. Arbeiten Sie deshalb konsequent nass, vermeiden Sie Trockenschliff und Trockenpolitur, entsorgen Sie Schleifschlamm gesondert und waschen Sie anschließend Hände und Arbeitsfläche. Ein Atemschutz ist bei Nassbearbeitung in der Regel entbehrlich, Essen und Trinken am Arbeitsplatz dagegen tabu. Konkrete Grenzwerte für die Bearbeitung von Edelsteinen dieser Art sind uns in den geprüften Quellen nicht begegnet.
Bricht Ekanit beim Fassen leicht aus?
Mit einer Härte von 6 bis 6,5 ist Ekanit sprödes, aber kein besonders heikles Material, und eine Spaltbarkeit, die beim Drücken einer Zarge nachgeben könnte, ist für das metamikte Edelsteinmaterial nicht beschrieben. Die eigentliche Gefahr ist die Hitze: Löten in der Nähe des gefassten Steins verbietet sich, weil Ekanit oberhalb von etwa 1000 Grad Celsius rekristallisiert und dabei undurchsichtig wird. Fassen Sie den Stein deshalb ausschließlich kalt, in eine fertig gelötete Montierung. Wegen der Radioaktivität ist eine Fassung für täglich getragenen Schmuck ohnehin nicht zu empfehlen.
Warum ist die Orientierung beim Schleifen gleichgültig?
Weil der Stein optisch isotrop ist. Das GIA misst an sri-lankischem Ekanit isotropes Verhalten trotz tetragonaler Idealstruktur, und Doppelbrechungswerte von 0,001 bis 0,008 aus der Literatur liegen an der Nachweisgrenze. Ohne Doppelbrechung gibt es keinen Pleochroismus, keine Achsenrichtung und keine richtungsabhängige Farbe, die Sie ausnutzen oder vermeiden müssten. Sie orientieren die Rohknolle also allein nach Ausbeute und nach der Lage klarer Zonen. Nur wenn Sie einen Stern herausarbeiten wollen, kommt es auf die Richtung an, nämlich auf die Ebene der orientierten Nadeleinschlüsse.