Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Ekanit Lexikon · Pflege & Echtheit

Ekanit – Pflege & Echtheit

Ekanit

Reinigung: lauwarm, von Hand, nass

Reinigen Sie Ekanit von Hand mit lauwarmem Wasser, mildem Spülmittel und einem weichen Tuch. Ultraschall- und Dampfreiniger sollten Sie meiden. Zwar liegen uns zu Ekanit im Ultraschallbad keine publizierten Testergebnisse vor, doch das Material ist metamikt, spröde und laut GIA in der Regel dicht von nadeligen Flüssigkeits- und Zweiphaseneinschlüssen durchzogen; solche Einschlussbahnen sind bei jedem Edelstein die Sollbruchstellen im Ultraschall. Der Dampfreiniger scheidet zusätzlich wegen der Temperaturempfindlichkeit aus. Ein zweiter Grund spricht gegen aggressive Verfahren: Jeder Abrieb, der dabei entsteht, ist radioaktiver Staub. Die einschlägige Sammlerliteratur nennt die Inkorporation von Staub ausdrücklich als das Hauptrisiko im Umgang mit radioaktiven Mineralien, deutlich vor der äußeren Strahlung. Arbeiten Sie deshalb konsequent nass, gießen Sie das Reinigungswasser nicht über die Hände, und waschen Sie nach dem Hantieren die Hände gründlich.

Einfluss Verhalten Empfehlung
Ultraschallbadkeine publizierten Tests; Material metamikt, spröde, dicht von Flüssigkeits- und Zweiphaseneinschlüssen durchzogenmeiden; von Hand mit lauwarmem Wasser und mildem Spülmittel reinigen
Hitzeab 750 Grad Celsius leichte Farbverschiebung ins Bläuliche; oberhalb 1000 Grad Celsius Rekristallisation mit 30- bis 40-fach höherer Absorptionnicht erhitzen, nicht am gefassten Stein löten, kalt fassen
Licht und UVfrischer Ekanit ist unter lang- und kurzwelligem UV offenbar inert; Alterationsprodukte lumineszieren grünlich durch Uranylgruppenkeine besondere Lichtempfindlichkeit belegt; normale Vitrinenbeleuchtung unbedenklich
ChemikalienAlterationssäume entstehen durch fluidgetriebene Umwandlung und sind erdig und leicht abwitterbarSäuren, Beizen und Ultraschallreiniger mit aggressiven Zusätzen meiden
Staub und AbriebHauptrisiko im Umgang mit radioaktiven Mineralien ist laut Sammlerliteratur die Inkorporation, nicht die äußere Strahlungnass arbeiten, Schleifschlamm gesondert entsorgen, Hände gründlich waschen
LagerungRadon beziehungsweise Thoron kann aus dem Material entweichenverschlossen und außer Reichweite von Kindern, in gut belüfteten Räumen, nicht in Schlaf- oder Essräumen; als radioaktiv kennzeichnen
Abschirmung und AbstandMessreihe an einer stark strahlenden Sammlungsstufe: 78,2 Mikrosievert pro Stunde unmittelbar, 0,33 hinter 20 Zentimeter Kristallglas (Vergleichswert, nicht an Ekanit gemessen)Vitrine mit Abstand nutzen; Stein nicht dauerhaft in Körpernähe aufbewahren
Tragen am KörperGIA hält Ekanit wegen des Thoriumgehalts für täglich getragenen Schmuck für ungeeignetals Sammlerstück behandeln, nicht als Alltagsschmuck

Lagerung: verschlossen, belüftet, nicht im Schlafzimmer

Für die Aufbewahrung radioaktiver Mineralien gibt es praxiserprobte Empfehlungen, die sich auf Ekanit übertragen lassen. Bewahren Sie den Stein verschlossen und außerhalb der Reichweite von Kindern auf, etwa in einer Vitrine oder in einem luftdicht verschlossenen Kunststoffbehälter, und stellen Sie diesen in einem gut belüfteten Raum auf, nicht in Schlaf- oder Essräumen. Eine Kennzeichnung als radioaktiv ist sinnvoll, damit das Stück auch nach Jahren noch richtig eingeordnet wird. Der Grund für die Belüftungsregel ist das Edelgas der Thoriumreihe, das aus dem Material entweichen kann; die deutsche Arbeitsschutzberatung KomNet empfiehlt für stark emanierende Stoffe eine möglichst gasdichte Aufbewahrung mit Aktivkohle. Abstand wirkt außerdem sehr gut: Messreihen an Sammlungsstücken zeigen, dass die Dosisleistung einer stark strahlenden Stufe hinter 20 Zentimeter Kristallglas von 78,2 auf 0,33 Mikrosievert pro Stunde fällt.

Echtheitsprüfung und rechtliche Einordnung beim Versand

Die Prüfung ist unkompliziert. Dichte um 3,27, Brechungsindex um 1,59, isotropes Verhalten am Polariskop, muscheliger Bruch, Glasglanz und, entscheidend, ein deutlicher Zählrohrausschlag. Das ORAU-Museum maß an einem Stein von 0,6 Karat rund 1.200 Impulse pro Minute über dem Untergrund. Rechtlich gilt in Deutschland nach Auskunft von KomNet, dass Mineralien mit natürlichen Radionukliden Material nach Paragraf 5 Nummer 22 Strahlenschutzgesetz sind und keine Umgangsgenehmigung nach Paragraf 12 Absatz 1 Nummer 3 erfordern; maßgeblich bleibt das Schutzziel von einem Millisievert pro Jahr für die Bevölkerung, und empfohlen werden Mengenbegrenzung und abgeschirmte Lagerung. Für den Versand innerhalb der EU verweist das BAFA auf die Verordnung (Euratom) Nr. 1493/93 mit dem Formular Standarderklärung; die maßgeblichen Mengen- und Konzentrationsschwellen ergeben sich aus der Richtlinie 2013/59/Euratom. Konkrete Zahlenwerte dieser Schwellen konnten wir nicht belegen und geben sie deshalb nicht an.

Häufige Fragen

Darf ich Ekanit innerhalb der EU verschicken?
Für die grenzüberschreitende Verbringung radioaktiver Stoffe innerhalb der Europäischen Gemeinschaft ist nach Auskunft des BAFA die Verordnung (Euratom) Nr. 1493/93 einschlägig. Eine Anmeldung wird erforderlich, wenn Menge und Konzentration die Werte überschreiten, die sich aus der Richtlinie 2013/59/Euratom ergeben; der Versender muss sich zuvor vergewissern, dass der Empfänger über eine entsprechende Bewilligung verfügt, wofür das Formular Standarderklärung dient. Die konkreten Schwellenwerte in Becquerel konnten wir in den geprüften Quellen nicht belegen und nennen sie deshalb nicht. Klären Sie das vor einem Versand mit der zuständigen Behörde oder dem Transportdienstleister.
Verändert sich Ekanit im Laufe der Zeit weiter?
Ja, aber nicht in einem Zeitraum, den Sie bemerken werden. Der Zerfall des Thoriums und des Urans läuft weiter, und das ORAU-Museum hält fest, dass Ekanit sich mit der Zeit durch die Gitterschäden aus den Alphaemissionen weiter verschlechtert. Die Halbwertszeit von Thorium-232 liegt allerdings in der Größenordnung des Erdalters; die Schäden, die Sie heute sehen, haben sich über rund 560 Millionen Jahre angesammelt. Für die Aufbewahrung über Jahrzehnte ist also nichts zu befürchten. Relevanter ist der erdige Alterationssaum, der bei Rohstücken abwittert.
Wie messe ich selbst, ob mein Stein strahlt?
Ein handelsübliches Geiger-Müller-Zählrohr genügt. Das ORAU-Museum maß an einem Ekanit von 0,6 Karat rund 1.200 Impulse pro Minute über dem Untergrund mit einem Pancake-Zählrohr. Messen Sie zuerst den Untergrund im selben Raum, dann den Stein in direktem Kontakt mit dem Messfenster, und vergleichen Sie. Zur Einordnung: Als Kriterium für stark strahlende Sammlungsstücke wird in der Sammlerliteratur etwa das Zwanzigfache der Umgebungsstrahlung in 20 Zentimeter Abstand genannt. Ein Stein, der nur in direktem Kontakt deutlich ausschlägt, in 20 Zentimeter Abstand aber kaum, gehört nicht in diese Kategorie.