Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Ekanit Lexikon · Qualität & Preis

Ekanit – Qualität & Preis

Ekanit

Was bei Ekanit den Preis bestimmt

Drei Größen entscheiden: Klarheit, Größe und Farbsättigung, in dieser Reihenfolge. Das GIA hält fest, dass die meisten Stücke einschlussreich sind und trüb wirken; augenreines Material ist deshalb die eigentliche Ausnahme und der eigentliche Preistreiber. Größe kommt hinzu, weil die Rohknollen selten sind und untersuchte Rohstücke oft nur rund drei Gramm wiegen. Geschliffene Steine über fünf Karat gelten im Handel als schwer beschaffbar. Die Farbe folgt an dritter Stelle: Ein lebhaftes gelblichgrün wird nach GIA höher bewertet als bräunliche Töne. Was bei anderen Edelsteinen den Preis mitbestimmt, fehlt hier: Es gibt keine Behandlungen, also keinen Aufschlag für unbehandelte Ware, und es gibt keine Herkunftsbestimmung, also keinen Provenienzaufschlag. Die Radioaktivität wirkt preisdämpfend, weil sie die Verwendung im Schmuck ausschließt und die Käuferschicht auf Sammler und Institute begrenzt.

Qualitätsstufe Merkmale Preisspanne
Augenreiner Großstein über 5 ctklar, nur minimale Trübung, lebhaft bräunlichgelbgrün, Mischschliff80 US-Dollar je Karat, 779 US-Dollar für 9,74 ct (Händlerangebot)
Klarer Einkaräter, Ladenwaretiefgrün, gute Klarheit, Ratnapura-Distrikt, Oval 7,50 x 5,84 x 3,45 mm75 Pfund für 0,97 ct
Kleiner Stein mit Qualitätskartesri-lankisch, gute Reinheitsbewertung des Händlers29.800 Yen für 1,430 ct
Auktionsware ohne ZertifikatKissenschliff, tiefgrün, Mogok, Sammlungsprovenienz178,50 US-Dollar für 5,87 ct inklusive Aufgeld, rund 30 US-Dollar je Karat
Trübe Handelswareschleierig durch Nadeleinschlüsse, häufigster Zustandkeine belegte Preisspanne; liegt deutlich unter klarer Ware
Sternkabochonvierstrahliger Stern, GIA untersuchte ein Stück von 161 ctkeine belegte Preisspanne
Rohknollenxenomorph, untersuchte Stücke 2,90 bis 2,95 gkeine belegte Preisspanne
Ausnahmestücke498 ct aus Welimada, 43,8 ct aus einem Londoner Labornicht gehandelt, Museums- und Sammlungsgut

Belegte Preise und was sie wert sind

Eine Marktstatistik für Ekanit existiert nicht; was es gibt, sind Einzelbelege. Ein britischer Spezialhändler verkaufte ein klares grünes Oval von 0,97 Karat aus dem Ratnapura-Distrikt mit den Maßen 7,50 mal 5,84 mal 3,45 Millimetern für 75 Pfund. Ein amerikanischer Händler bot einen augenreinen Stein von 9,74 Karat im rechteckigen Mischschliff zu 80 US-Dollar je Karat an, insgesamt 779 US-Dollar. Ein japanisches Ladengeschäft verlangt für einen sri-lankischen Stein von 1,430 Karat 29.800 Yen. Bei Bonhams erzielte ein Kissenschliff von 5,87 Karat aus Mogok 178,50 US-Dollar einschließlich Aufgeld, also gut 30 US-Dollar je Karat. Als Orientierung lässt sich daraus ableiten: Facettierter Ekanit bewegt sich im Bereich etwa 30 bis 90 Euro je Karat, wobei Auktionsware am unteren, klare Ladenware am oberen Rand liegt. Diese Umrechnung ist gerundet und wechselkursabhängig.

Fälschungen, Verwechslungen und die einfachste Prüfung

Der historische Verwechslungspartner ist Glas. Die Erstfinder hielten das Material zunächst für entglastes natürliches oder antikes Glas, und erst die kristallographisch orientierten Nadeleinschlüsse entschieden die Frage. Da metamikter Ekanit isotrop misst, hilft das Polariskop nicht weiter. Das GIA weist darauf hin, dass die gemmologischen Kennwerte denen von Kornerupin nahekommen; gemmologische Nachschlagewerke nennen zusätzlich Brasilianit, der sich über niedrigere Dichte und niedrigeren Brechungsindex trennen lässt. Die sichere und zugleich einfachste Prüfung ist die Radioaktivität. Ein geschliffener Ekanit von nur 0,6 Karat liefert nach Messungen des ORAU-Museums rund 1.200 Impulse pro Minute über dem Untergrund an einem Pancake-Zählrohr. Glas, Kornerupin und Brasilianit tun das nicht. Ergänzend passen Dichte um 3,27 und Brechungsindex um 1,59. Von gezielten Fälschungen ist in der Fachliteratur nichts berichtet, was angesichts der niedrigen Preise plausibel ist.

Häufige Fragen

Bekomme ich für Ekanit ein Laborzertifikat?
Eine Materialbestimmung ist für ein gemmologisches Labor unproblematisch: Dichte, Brechungsindex, isotropes Verhalten, Einschlussbild und ein Zählrohrbefund genügen. Eine Herkunftsbestimmung wie bei Rubin oder Saphir gibt es für Ekanit dagegen nicht, dafür fehlt die Referenzdatenbasis. Eine Behandlungsdeklaration erübrigt sich, weil keine wirksamen Behandlungen bekannt sind. Achten Sie darauf, dass der Befund die Radioaktivität erwähnt, denn das ist die versandrechtlich und lagerungstechnisch relevante Eigenschaft. Bei den üblichen Steinpreisen steht der Zertifikatspreis allerdings oft in keinem Verhältnis zum Warenwert.
Was kostet ein guter Ekanit konkret?
Belegte Einzelverkäufe liegen zwischen rund 30 US-Dollar je Karat für Auktionsware und 80 US-Dollar je Karat für einen augenreinen Neunkaräter. Ein klarer Einkaräter aus dem Ratnapura-Distrikt kostete bei einem britischen Händler 75 Pfund, ein japanischer Händler verlangt für 1,430 Karat 29.800 Yen. Gerundet und wechselkursabhängig entspricht das einer Spanne von etwa 30 bis 90 Euro je Karat. Für Sternkabochons und für Rohmaterial sind keine belastbaren Preise dokumentiert. Verstehen Sie diese Zahlen als Einzelbelege, nicht als Marktspanne.
Ist ein trüber Ekanit minderwertig?
Nicht im mineralogischen Sinn, wohl aber im Preis. Trübung ist bei Ekanit der Normalzustand: Das GIA beschreibt die Mehrzahl der Stücke als einschlussreich und turbid, verursacht durch nadelige Flüssigkeits- und Zweiphaseneinschlüsse. Für Sammler, die den Stein als Beispiel für Metamiktisierung halten, ist das kein Mangel, sondern Teil der Geschichte. Für den Preis zählt es sehr wohl: Augenreine Ware erzielt ein Vielfaches. Ein Sonderfall ist dichte, gerichtete Nadeltrübung, die einen vierstrahligen Stern erzeugt und den Stein für den Kabochonschliff interessant macht.