Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Ekanit Lexikon · Farben & Varietäten

Ekanit – Farben & Varietäten

Ekanit

Woher das Grün kommt

Die begehrteste Farbe des Ekanits ist ein lebhaftes oliv- bis gelblichgrün; das GIA vergleicht die besten sri-lankischen Stücke mit dem Ton junger Bananenblätter. Die Ursache ist spektroskopisch beschrieben, und sie ist untypisch für Edelsteine. Es gibt kein einzelnes Chromophor wie Chrom oder Vanadium, das eine schmale Bande erzeugt. Stattdessen setzt sich die Farbe aus zwei Flanken zusammen: einem Absorptionskontinuum im kurzwelligen Bereich und einer Bande im Rot-Orange. Zwischen beiden bleibt ein Fenster verminderter Absorption im Grün-Gelb übrig, und genau dieses Fenster sehen Sie als Körperfarbe. Gemmologische Nachschlagewerke nennen zusätzlich Linien bei 630 und 658 Nanometern. Da die Farbe aus der Struktur und der Eigenchemie des metamikten Materials folgt und nicht aus einer Spurenelementbeimischung, lässt sie sich auch nicht durch Behandlung verschieben. Das ist der Grund, warum Erhitzungsversuche regelmäßig scheitern.

Varietät Farbe Bemerkung
Klarer sri-lankischer Ekanitlebhaft oliv- bis gelblichgrünlaut GIA die höchstbewertete Erscheinung, Farbton junger Bananenblätter
Trüber Ekanitgrün, schleierighäufigster Handelszustand; Trübung durch nadelige Flüssigkeits- und Zweiphaseneinschlüsse
Sternekanitgrün bis bräunlich, als Kabochonvierstrahliger Stern belegt; vier-, sechs- und achtstrahlig in der Literatur genannt
Brauner Ekanithell- bis dunkelbraunverbreitet, geringere Nachfrage
Strohgelber Ekanitstrohgelbnach gemmologischen Tabellen die Farbe der reinen Substanz
Dunkelroter EkanitdunkelrotFarbe wird auf Einschlüsse zurückgeführt
Alterationsmaterialorange bis blass bräunlich, erdigSaum der Rohknollen, nicht schleifbar; unter langwelligem UV intensiv grünlich lumineszierend
Erhitztes Materialbräunlichgrün bis blass bräunlich, undurchsichtigab etwa 1000 bis 1400 Grad Celsius rekristallisiert, für Edelsteinzwecke unbrauchbar

Das Farbspektrum vom Strohgelb bis zum Schwarzgrün

Neben dem klassischen Grün werden für Ekanit hell- bis dunkelbraune, strohgelbe, dunkelrote und schwärzliche Stücke beschrieben, gelegentlich auch nahezu farblose. Gemmologische Tabellen führen Strohgelb als Farbe des reinen Materials und begründen das Dunkelrot mit Einschlüssen. Die International Gem Society nennt die Spanne von hellgrün bis smaragdgrün, dazu Braun in allen Abstufungen. In der Praxis bestimmt weniger der Farbton als die Sättigung und die Klarheit den Eindruck: Die meisten Stücke sind laut GIA einschlussreich und wirken trüb, sodass ein an sich kräftiges Grün gedämpft erscheint. Bei Auktionen tauchen auch tiefgrüne Steine aus Mogok in Myanmar auf. Eine eigene Farbnomenklatur oder gar Handelsgraduierung hat sich für Ekanit wegen der geringen Stückzahlen nie entwickelt. Beschreibungen im Handel lauten schlicht grün, bräunlichgrün oder dunkelgrün.

Varietäten, Sterneffekt und was an Handelsnamen existiert

Eigentliche Varietätsnamen führt Ekanit nicht. Die einzige verbreitete Unterscheidung ist die zwischen facettiertem und kabochongeschliffenem Material, denn ein Teil der Steine zeigt Asterismus. Das GIA erwähnt vierstrahlige Sterne, die International Gem Society führt darüber hinaus vier-, sechs- und achtstrahlige Sterne sowie Chatoyance und Tyndall-Streuung auf und nennt einen vom GIA untersuchten Sternkabochon von 161 Karat. Ursache ist die dichte, kristallographisch orientierte Nadeleinschlusspopulation, die das GIA beschreibt. Als Handelsname begegnet Ihnen gelegentlich Sternekanit, mehr nicht. Verwandt und leicht zu verwechseln ist der mineralogische Gruppennachbar: Ekanit gehört zur Steacyit-Gruppe, deren Mitglieder ähnliche Thorium-Silikate sind. Alterationsprodukte am Rand der Knollen bilden orange bis blass bräunliche, erdige Säume, die unter langwelligem UV-Licht intensiv grünlich lumineszieren, weil sich Uranylgruppen gebildet haben. Frischer Ekanit ist dagegen UV-inert.

Häufige Fragen

Gibt es farblosen oder blauen Ekanit?
Farblose Stücke werden in der gemmologischen Literatur genannt, sie sind aber keine Handelsware. Blau kommt bei Ekanit nicht vor. Wenn Sie einen blauen Stein als Ekanit angeboten bekommen, sollten Sie misstrauisch werden. Das GIA beschreibt allenfalls, dass Material nach Erhitzung auf 750 Grad Celsius einen leicht bläulicheren Stich annimmt, was aber weit entfernt von einem blauen Stein ist und mit Klarheitsverlust erkauft wird. Die belegten Farben sind Grün in allen Abstufungen, Braun, Strohgelb, Dunkelrot und Schwärzlich.
Fluoresziert Ekanit unter UV-Licht?
Unveränderter Ekanit ist nach GIA-Untersuchungen sowohl unter lang- als auch unter kurzwelligem UV-Licht offenbar inert; gemmologische Tabellen bestätigen das. Deutlich anders verhalten sich die Alterationssäume der Rohknollen: Sie zeigen unter langwelligem UV eine intensive grünliche Lumineszenz, die von Uranylgruppen stammt, also von sechswertigem Uran, das bei der fluidgetriebenen Umwandlung entstanden ist. Ein Sammlungshinweis nennt daneben eine grünliche Fluoreszenz im Kurzwelligen. Für die Bestimmung eines geschliffenen Steins ist die UV-Prüfung deshalb wenig aussagekräftig.
Lässt sich die Farbe verbessern?
Nein, und das ist ausdrücklich untersucht. Das GIA berichtet, dass Erhitzungsversuche sri-lankischer Händler ausnahmslos misslingen. Bei 750 Grad Celsius ändert sich kaum etwas, oberhalb von 1000 Grad Celsius rekristallisiert das metamikte Glas zu einem polykristallinen Aggregat, dessen Absorption 30- bis 40-fach höher liegt. Bei 1400 Grad Celsius bleibt ein bräunlichgrünes bis blass bräunliches, undurchsichtiges Material übrig. Ekanit gilt deshalb als grundsätzlich unbehandelt. Das ist marktseitig ein Vorteil: Sie müssen bei diesem Stein keine Behandlungsdeklaration prüfen.