Kalksilikatgestein im Highland Complex Sri Lankas
Lange kannte man Ekanit nur als Geröll aus den Edelsteinseifen. Inzwischen ist das Muttergestein beschrieben: Nahe Ampegama, rund 20 Kilometer nordnordwestlich von Galle, tritt Ekanit als seltener Bestandteil eines Kalksilikat-Metamorphits auf, der im Wesentlichen aus Diopsid, Wollastonit, Kalifeldspat und Skapolith besteht, gelegentlich begleitet von etwas Fluorit und Graphit. Der Ekanit bildet darin xenomorphe Knollen von bis zu drei Zentimetern Größe, also unregelmäßige Massen ohne eigene Kristallflächen. Das Milieu ist damit klar umrissen: hochgradige Regionalmetamorphose kalkhaltiger Sedimente, wie sie für den Highland Complex Sri Lankas typisch ist. Die Knollen sind von orangefarbenen bis blass bräunlichen Alterationssäumen umgeben, die erdig zerfallen und laut GIA durch fluidgetriebene Umwandlung entstanden sind. Für die Sekundärvorkommen bei Ellawala und Okkampitiya ist das Wirtsgestein bislang unbekannt; das GIA schließt aus dem geringen Abrieb der Rohsteine, dass die Transportwege von der Verwitterungsstelle bis zur Ablagerung kurz gewesen sein müssen.
Kristallchemie: Thorium auf einem Gitterplatz, der es nicht verträgt
Die idealisierte Formel Ca2ThSi8O20 beschreibt ein Silikat, in dem ein vierwertiges Thoriumatom zwischen Kalziumatomen sitzt und Siliziumsauerstofftetraeder das Gerüst bilden. Das GIA bezeichnet Ekanit als Schichtsilikat und ordnet ihn strukturell der tetragonalen Raumgruppe I422 zu; mineralogisch gehört er zur Steacyit-Gruppe. Die tatsächlich gemessene Zusammensetzung unveränderten Materials lautet Ca2Th0,9U0,1Si8O20, das heißt, ein Zehntel der Thoriumplätze ist von Uran besetzt. In Gewichtsprozenten sind das rund 24 Prozent Thorium und 2,30 Prozent Uran; das Museum der ORAU nennt für seinen Prüfstein rund 30 Prozent Thorium. Ältere Formelschreibweisen berücksichtigen zusätzlich Eisen und Blei auf den Kalziumplätzen. Genau diese Chemie ist das Problem des Minerals: Thorium-232 und Uran-238 zerfallen über lange Zerfallsreihen unter Aussendung von Alphateilchen, und jeder Alphazerfall stößt zugleich den zurückbleibenden schweren Kern durch das Gitter. Das Mineral zerstört sich also von innen, ohne dass sich seine Bruttozusammensetzung wesentlich ändert.
Von 1953 auf dem Markt in Colombo bis zur Erstbeschreibung 1961
Die Entdeckungsgeschichte ist gut dokumentiert. 1953 legte ein Händler auf dem Edelsteinmarkt in Colombo zwei dunkelgrüne geschliffene Steine vor. F. L. D. Ekanayake, Zollbeamter und passionierter Gemmologe, hielt sie nicht für Glas, obwohl fast alle Fachleute, denen er sie zeigte, genau das annahmen. Es folgten Jahre der Prüfung mit Unterstützung internationaler Kollegen. 1961 erschien in Nature die Arbeit Ekanite, a New Metamict Mineral from Ceylon von B. W. Anderson, G. F. Claringbull, R. J. Davis und D. K. Hill. Darin wird das Material als grün, durchsichtig bis durchscheinend beschrieben, als Kabochon mit Asterismus, und als ursprünglich aus den Edelsteingruben von Eheliyagoda im Ratnapura-Distrikt stammend. Das größte damals bekannte Stück wog rund 44 Gramm. Das Mineral wurde nach seinem Entdecker benannt. Ekanit aus Okkampitiya wurde später auf ein Alter von etwa 560 Millionen Jahren datiert, also auf das Neoproterozoikum.
