Danbury in Connecticut: eine Typlokalität unter Asphalt
Der Namensgeber liefert nichts mehr. Charles Upham Shepard fand das Mineral 1839 im Gebiet von Danbury im Südwesten Connecticuts, in einer kontaktmetamorph überprägten Zone. Die Fundstelle liegt heute innerhalb der gewachsenen Stadt und ist bebaut; ein Abbau findet nicht statt und wäre auch nie wirtschaftlich gewesen, denn das Material war weiß, trüb und nicht facettierfähig. Was von dort existiert, sind Handstücke in Universitäts- und Museumssammlungen, vor allem an der Yale University, wo die Zusammensetzung nachgeprüft wurde. Wenn Ihnen jemand geschliffenen Danburit „aus der Typlokalität“ anbietet, ist Skepsis angebracht. Historische Belegstücke aus Danbury haben einen Sammlerwert, der sich aus der Provenienz und nicht aus der Qualität speist, und sie werden als Rohstufen gehandelt, nicht als Schmucksteine. Für den Schmuckmarkt ist die Typlokalität eine reine Fußnote der Mineralogiegeschichte.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Danbury, Connecticut | USA | Typlokalität, Erstbeschreibung 1839 durch Shepard, heute überbaut, kein Abbau |
| Charcas, San Luis Potosí | Mexiko | wichtigste Quelle facettierfähiger Ware, farblos und rosa, Nebenprodukt des Erzbergbaus |
| Aurora-Mine, Chihuahua | Mexiko | als Quelle zartrosa Danburits genannt, kleine Mengen |
| Mount Bity und Anjanabonoina | Madagaskar | goldgelbe Ware aus borreichen Pegmatiten, Paragenese mit Turmalin und Beryll |
| Mogok-Tal | Myanmar | marmorgebundene Lagerstätte, farblose und gelbe Steine, geringe Mengen |
| Dalnegorsk, Primorje | Russland | Bor-Skarn mit Datolithabbau, sehr große klare Kristalle, teils bestrahltes Material |
| Obira, Kyushu | Japan | historisches Vorkommen farblosen Materials, heute ohne Marktbedeutung |
| Weitere Länder | Bolivien, Tansania, Vietnam, Schweiz | Fundpunkte belegt, für den Schmuckhandel ohne nennenswerte Rolle |
Charcas in San Luis Potosí: das Rückgrat des Angebots
Mexiko ist heute die mengenmäßig wichtigste Quelle für facettierfähigen Danburit, und der bekannteste Fundpunkt ist Charcas im Bundesstaat San Luis Potosí. Dort sitzt Danburit auf Klüften und in Hohlräumen eines Blei-Zink-Silber-Erzkörpers, gemeinsam mit Calcit, Pyrit und Sphalerit. Die Kristalle erreichen beachtliche Größen, sind häufig wasserklar und liefern die großen farblosen Steine, die den Markt prägen. Aus Mexiko kommt außerdem das seltene zartrosa Material; neben Charcas wird die Aurora-Mine in Chihuahua als Quelle genannt. Ein wichtiger Punkt für die Beschaffung: Danburit ist in diesen Minen ein Nebenprodukt des Erzbergbaus, kein Abbauziel. Das Angebot hängt damit am Betrieb der Erzgrube und an der Sorgfalt der Bergleute, nicht an der Nachfrage des Schmuckmarkts. Größere Partien kommen deshalb unregelmäßig auf den Markt und sind selten über Jahre in gleicher Qualität nachlieferbar.
Madagaskar, Mogok und Dalnegorsk
Madagaskar liefert die goldgelbe Ware. Die Vorkommen liegen im zentralen Hochland in der Region um den Mount Bity und um Anjanabonoina, in bor- und lithiumreichen Pegmatiten, die auch Turmalin und Beryll führen. Madagassische Steine erreichen sehr gute Größen und werden häufig als „Golden Danburite“ vermarktet. Aus Myanmar stammt Material aus dem Mogok-Tal, dem klassischen Edelsteinbezirk des Landes; es tritt dort in denselben marmorgebundenen Lagerstätten auf wie Rubin und Spinell und liefert farblose wie gelbe Steine. Russland steuert Dalnegorsk in der Region Primorje bei, einen Bor-Skarn, der industriell auf Datolith abgebaut wird und außergewöhnlich große, klare Danburitkristalle geliefert hat. Hinzu kommen Japan mit den historischen Fundpunkten Obira auf Kyushu, ferner Bolivien, Tansania, Vietnam, Sri Lanka, China, Italien und die Schweiz. Für den Handel zählen praktisch nur Mexiko, Madagaskar und Myanmar.
