Warum reiner Danburit farblos ist
Die Idealformel CaB2(SiO4)2 enthält kein Element, das sichtbares Licht selektiv absorbiert. Calcium, Bor, Silicium und Sauerstoff sind allesamt farbneutral, und das Gerüst aus eckenverknüpften Bor- und Silicium-Tetraedern bietet keine Übergangsmetallplätze, die leicht besetzt würden. Chemisch reiner Danburit ist deshalb wasserklar, und genau das ist der häufigste Zustand, in dem Sie ihn im Handel finden. Farbe entsteht erst durch Fremdeinbau in geringen Mengen oder durch Gitterdefekte. Weil die Wirtsstruktur so wenig Spielraum bietet, bleiben die Farben blass: Danburit erreicht nie die Sättigung eines Turmalins oder Granats. Selbst die intensivsten goldgelben Steine aus Madagaskar wirken neben einem Citrin zurückhaltend. Für die Bewertung heißt das: Bei Danburit ist Farbe ein Zusatz, kein Hauptkriterium. Ein wasserklarer, lupenreiner Stein von zwölf Karat ist im Markt wertvoller als ein trübes gelbes Stück gleicher Größe.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Farbloser Danburit | wasserklar bis leicht milchig | häufigste Handelsform, Hauptmenge aus Mexiko, ab 10 ct im Preis deutlich steigend |
| Goldener Danburit | hellgelb bis goldgelb | Handelsname ohne mineralogischen Rang, Eisen und Farbzentren, Madagaskar und Mogok |
| Brauner Danburit | gelbbraun bis braun | höhere Defektdichte, meist trüber, überwiegend Sammlerware |
| Rosa Danburit | zartrosa bis pfirsich | seltenste Farbe, aus Charcas und der Aurora-Mine in Chihuahua, höchste Karatpreise |
| Weißer Danburit | milchigweiß, undurchsichtig | Kristallstufen für Sammler, nicht facettierbar, als Cabochon selten |
| Katzenaugen-Danburit | meist gelblich | Chatoyanz durch parallele Einschlusskanäle, Cabochonschliff, ausgesprochen selten |
Gelb, Gold und Braun: Eisen und Gitterdefekte
Die gelben bis goldgelben Töne, für die madagassisches und birmanisches Material bekannt ist, werden auf geringe Eisengehalte und auf strahlungsinduzierte Farbzentren zurückgeführt. Eisen kann in kleinen Mengen anstelle von Calcium oder in Zwischengitterpositionen eingebaut werden und erzeugt über Ladungstransfer-Prozesse eine Absorption im blauen Spektralbereich, was den Stein gelb erscheinen lässt. Braune und gelbbraune Töne entstehen bei höheren Gehalten und stärkerer Defektdichte. Ein Teil dieser Farben ist licht- und wärmeempfindlich: Kräftig gelbe Steine können bei längerer intensiver Bestrahlung oder bei Erhitzen blasser werden. Das ist der Grund, warum wir von Dampfreinigung und Löten mit gefasstem Stein abraten. Der Pleochroismus ist schwach und bewegt sich zwischen blassgelb und gelb; er ist so gering, dass er für die Schliffplanung keine Rolle spielt. Handelsnamen wie „Goldener Danburit“ oder „Golden Danburite“ bezeichnen schlicht diese gelbe Farbvariante ohne eigene mineralogische Bedeutung.
Rosa aus Mexiko und die Sonderfälle
Zartrosa und pfirsichfarbener Danburit ist die seltenste und teuerste Farbe. Er stammt fast ausschließlich aus Mexiko; neben Charcas in San Luis Potosí wird die Aurora-Mine in Chihuahua als Quelle rosafarbener Ware genannt. Die Farbursache ist schwächer dokumentiert als bei den gelben Tönen und wird auf Spurenelemente und Farbzentren zurückgeführt. Die Sättigung bleibt stets blass; ein Danburit in der Intensität eines Morganits existiert nicht. Als weitere Besonderheit ist Chatoyanz beschrieben, also ein Katzenaugeneffekt, der durch parallele Einschlusskanäle entsteht. Solche Stücke sind ausgesprochen selten und werden als Cabochon geschliffen. Echte Varietätsnamen hat Danburit nicht; alles, was Ihnen im Handel begegnet, sind Farbbezeichnungen. Vorsicht ist bei Fantasienamen geboten, die eine Verwandtschaft zu Topas suggerieren, etwa Bezeichnungen mit dem Wortbestandteil Topas. Solche Namen sind im deutschen Handel irreführend und sollten Sie zum Nachfragen veranlassen.
