Kontaktmetamorphose: wo Bor auf Calcium trifft
Danburit entsteht dort, wo borhaltige Lösungen auf calciumreiche Gesteine treffen. Das klassische Milieu ist die Kontaktmetamorphose: Eine granitische oder granodioritische Schmelze dringt in Kalkstein oder Dolomit ein, gibt beim Abkühlen bor- und siliciumreiche Restlösungen ab, und in der Umwandlungszone bildet sich ein Skarn. Genau in diesen Skarnen und in den zugehörigen hydrothermalen Klüften wächst Danburit. Die Bildungstemperaturen liegen im mittleren hydrothermalen Bereich, deutlich unterhalb der magmatischen Kristallisation. Eine zweite, für den Schmuckmarkt wichtige Bildungsumgebung sind bor- und lithiumreiche Pegmatite, wie sie im zentralen Hochland von Madagaskar auftreten. Dort steht Danburit in einer Paragenese mit Turmalin, Beryll und Danburit-nahen Boratmineralen. In beiden Milieus ist Bor das entscheidende Element: Es ist im Erdmantel selten und reichert sich erst in späten, wasserreichen Restschmelzen so weit an, dass eigenständige Borsilikate auskristallisieren können.
Die Paragenese: Calcit, Datolith und Sulfide
In den mexikanischen und russischen Lagerstätten steht Danburit regelmäßig gemeinsam mit Calcit, Datolith, Axinit, Apophyllit, Quarz und Fluorit. Datolith ist dabei der nächste Verwandte im chemischen Sinn, denn auch er ist ein Calcium-Bor-Silikat, allerdings mit Hydroxylgruppen und monoklinem Gitter. Hinzu treten in den Erzskarnen Sulfide wie Pyrit, Galenit und Sphalerit, die zeigen, dass dieselben Lösungen sowohl Metalle als auch Bor transportiert haben. In Charcas in Mexiko sitzt Danburit auf Klüften eines Blei-Zink-Silber-Erzkörpers, in Dalnegorsk in Russland in einem Bor-Skarn, der industriell auf Datolith abgebaut wird. Für Sie als Käufer hat diese Paragenese eine praktische Folge: Rohkristalle tragen häufig Anhaftungen von Calcit oder feine Sulfideinschlüsse, die beim Schleifen entfernt werden müssen. Sichtbare schwarze oder metallische Punkte im geschliffenen Stein stammen fast immer aus dieser Sulfidgesellschaft.
Shepard, Danbury und das Jahr 1839
Die Erstbeschreibung geht auf den amerikanischen Mineralogen Charles Upham Shepard zurück, der das Mineral 1839 in Danbury im US-Bundesstaat Connecticut fand und beschrieb. Der Name folgt der damals üblichen Praxis, ein neues Mineral nach seinem Fundort zu benennen. Die Analyse der Zusammensetzung wurde später an der Universität Yale bestätigt. Die Typlokalität selbst ist heute nicht mehr zugänglich: Der Fundpunkt liegt im Stadtgebiet von Danbury und ist überbaut. Material von dort existiert praktisch nur noch in historischen Sammlungen und ist für den Handel ohne Bedeutung. Interessant ist, dass Danburit damit zu einer Gruppe von Mineralen gehört, deren Namensgeber für die Versorgung des Marktes keine Rolle mehr spielt. Alle heute erhältlichen Schleifsteine stammen aus Lagerstätten, die erst Jahrzehnte nach der Erstbeschreibung entdeckt wurden, allen voran Charcas in Mexiko und die Pegmatitfelder Madagaskars.
