Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Buntkupferkies (Bornit) Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Buntkupferkies (Bornit) – Schliff & Bearbeitung

Buntkupferkies

Warum Bornit niemals facettiert wird

Facettieren setzt Transparenz voraus, denn ein Facettenschliff lebt davon, dass Licht in den Stein eintritt, an den Pavillonfacetten total reflektiert wird und wieder austritt. Bornit ist in jeder Dicke vollständig undurchsichtig; ein Brechungsindex lässt sich nicht einmal messen. Ein facettierter Bornit würde daher nur als dunkles Metallstück mit vielen Kanten wirken, ohne jedes Feuer und ohne Brillanz. Hinzu kommen zwei mechanische Hindernisse. Mit Mohs 3 bis 3,25 ist das Material extrem weich; Facettenkanten werden beim Polieren rund und beim geringsten Kontakt beschädigt. Und Bornit ist spröde, bricht also an dünnen Kanten aus, statt nachzugeben. Die andeutungsweise Spaltbarkeit nach {111} spielt in der Praxis kaum eine Rolle, weil sie nur in Spuren ausgebildet ist; gefährlicher sind die häufigen Durchdringungszwillinge und die Entmischungslamellen von Chalkopyrit und Digenit, an denen das Material bevorzugt reißt.

Cabochon und Trommelstein: die einzigen sinnvollen Formen

Bleiben zwei Bearbeitungswege. Der Cabochon nutzt aus, dass massives Adernmaterial in großen Stücken vorkommt; Cabochons von mehreren Zentimetern Durchmesser sind möglich. Praktisch werden sie selten geschliffen, und das hat einen Grund, den viele Käufer unterschätzen: Beim Schleifen tragen Sie genau die Schicht ab, die den Reiz des Steins ausmacht. Die bunte Anlaufschicht ist nur wenige Mikrometer dick. Was nach dem Schleifen übrig bleibt, ist kupferrotes bis bronzebraunes Metall. Es läuft zwar nach Tagen bis Wochen wieder an, aber unkontrolliert und fleckig, und nicht in der gewachsenen Struktur des Originals. Der zweite Weg ist der Trommelstein: Rohstücke werden in der Trommel gerundet und geglättet. Auch hier verschwinden die alten Farben. Deshalb ist die mit Abstand häufigste Handelsform der unbearbeitete Rohstein oder die gewachsene Stufe.

Schleifpraxis: Hitze, Wasser und Substanzverlust

Wenn Sie Bornit dennoch bearbeiten, beachten Sie drei Punkte. Erstens die Hitze: Sulfide reagieren empfindlich auf Reibungswärme, und bei Bornit liegt oberhalb von 228 Grad Celsius ein Strukturwechsel. Diese Temperatur erreichen Sie beim Trockenschliff an dünnen Kanten schneller, als man denkt. Arbeiten Sie deshalb konsequent nass und mit geringem Anpressdruck. Zweitens die Weichheit: Verwenden Sie feine Körnungen und nehmen Sie früh Material zurück; grobe Scheiben reißen tiefe Kratzer, die sich nur mit erheblichem Substanzverlust wieder herauspolieren lassen. Drittens die Chemie: Wasser mit Zusätzen und saure Schleifmittel greifen die Oberfläche an. Spülen Sie nach dem Schleifen mit klarem Wasser und trocknen Sie sofort und vollständig, sonst beginnt sofort unkontrolliertes Anlaufen. Ein Politurmittel mit Ölanteil versiegelt die Oberfläche zwar kurzfristig, verhindert aber auch die natürliche Farbentwicklung. Für Sammlerstücke gilt daher: so wenig Bearbeitung wie möglich.

Häufige Fragen

Kann man Bornit polieren?
Technisch ja, gemmologisch sinnvoll selten. Das Polieren entfernt die nur wenige Mikrometer dünne Anlaufschicht und legt kupferrotes Metall frei. Der Stein läuft zwar erneut an, aber fleckig und in anderer Struktur. Für eine Mineralstufe ist Polieren fast immer ein Wertverlust; sinnvoll ist es nur bei derbem Material ohne gewachsene Oberfläche.
Wie hoch ist die Ausbeute bei Bornit?
Bei derbem Adernmaterial ist sie hoch, weil kaum sortiert werden muss und keine Transparenzanforderungen bestehen. Verluste entstehen vor allem durch Ausbrüche an Entmischungslamellen und Zwillingsgrenzen sowie durch das nötige Wegschleifen verwitterter Randzonen. Da das Rohmaterial mit etwa 0,15 bis 0,40 US-Dollar je Gramm günstig ist, fällt die Ausbeute wirtschaftlich kaum ins Gewicht.
Ist die Spaltbarkeit beim Schleifen ein Problem?
Weniger, als die Härte vermuten lässt. Die Spaltbarkeit nach {111} ist unvollkommen und nur in Spuren ausgebildet. Gefährlicher sind die Sprödigkeit, die häufigen Durchdringungszwillinge und die eingelagerten Lamellen von Chalkopyrit, Digenit und Chalkosin, an denen das Material bei Druck oder Hitze bevorzugt aufreißt.