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Buntkupferkies (Bornit) Lexikon · Entstehung & Mineralogie

Buntkupferkies (Bornit) – Entstehung & Mineralogie

Buntkupferkies

Hydrothermale Gänge, Skarne und Kupferschiefer

Bornit entsteht in einer auffällig breiten Palette geologischer Milieus, was seine weltweite Verbreitung erklärt. Der Schwerpunkt liegt bei mittel- bis hochtemperierten hydrothermalen Kupferlagerstätten, in denen kupferführende Lösungen in Gängen und Imprägnationszonen Sulfide absetzen. Daneben tritt er in Kontaktmetamorphosen auf, also in Skarnen an der Grenze zwischen einem Intrusivkörper und kalkigem Nebengestein, wo er mit Granat, Wollastonit und Calcit vergesellschaftet ist. Eine dritte Gruppe sind basische Intrusivgesteine und Pegmatite, in denen Bornit als magmatisches Sulfid ausgeschieden wird. Wirtschaftlich am wichtigsten ist die vierte Gruppe: kupferführende Schiefer und Sandsteine, in denen sich Kupfersulfide sedimentär und diagenetisch anreichern. Der mitteleuropäische Kupferschiefer und die Sandsteinlagerstätten des Chu-Sarysu-Beckens in Kasachstan gehören dazu. Als Phase ist Bornit unterhalb von etwa 200 Grad Celsius stabil, entsteht aber auch sekundär, wenn kupferreiche Lösungen bereits vorhandenen Chalkopyrit in der Zementationszone umsetzen.

Entmischung: warum reiner Bornit die Ausnahme ist

Die Kristallchemie macht Bornit zu einem unruhigen Mineral. Bei hohen Temperaturen nimmt die kubische Hochtemperaturform Kupfer und Eisen in wechselnden Anteilen auf; es bestehen ausgedehnte Mischkristallreihen in Richtung Chalkopyrit CuFeS2 und Digenit Cu9S5. Beim Abkühlen unter 228 Grad Celsius ordnen sich die Metallatome, die Symmetrie sinkt auf orthorhombisch, und die aufgenommenen Überschusskomponenten passen nicht mehr in das Gitter. Sie scheiden sich aus. Im polierten Anschliff sehen Sie deshalb fast immer ein charakteristisches Gefüge aus Bornit mit eingelagerten Tröpfchen, Flämmchen und Lamellen von Chalkopyrit, Digenit und Chalkosin. Für Sie als Käufer hat das eine praktische Folge: Eine Stufe, die als Bornit verkauft wird, ist mineralogisch meist ein Gemenge mit Bornit als Hauptphase. Das ist kein Mangel, sondern die Regel. Es erklärt zugleich, warum die Anlauffarben oft fleckig sind, denn die verschiedenen Phasen oxidieren unterschiedlich schnell.

Von Henckels Kupferkies zu Haidingers Bornit

Bornit war Bergleuten lange vor seiner mineralogischen Abtrennung vertraut. Im deutschsprachigen Bergbau hieß er Buntkupferkies oder Buntkupfererz, weil er sich im Stollenlicht durch seine bunten Anlauffarben von dem gelben Kupferkies unterschied. Johann Friedrich Henckel beschrieb das Material 1725 noch gemeinsam mit dem Kupferkies, ohne beide als eigene Arten zu trennen. Erst 1845 grenzte Wilhelm Karl von Haidinger den Bornit als selbständige Mineralart ab und benannte ihn nach Ignaz Edler von Born, einem österreichischen Mineralogen und Zoologen, der von 1742 bis 1791 lebte und im habsburgischen Montanwesen eine zentrale Rolle spielte. Als Typlokalität wird Jáchymov, das frühere Sankt Joachimsthal im böhmischen Erzgebirge, geführt. Die parallele Namensgeschichte erklärt, warum im deutschen Sprachraum bis heute beide Bezeichnungen umlaufen und warum der alte Bergmannsname Buntkupferkies im Handel zum Etikett für ganz anderes Material geworden ist.

Häufige Fragen

In welchem Gestein finde ich Bornit?
Am häufigsten in hydrothermalen Kupfergängen, in Skarnen am Kontakt von Intrusionen zu Kalkstein, in basischen Intrusivgesteinen und Pegmatiten sowie in kupferführenden Schiefern und Sandsteinen. Die wirtschaftlich größten Vorkommen sind sedimentär: der mitteleuropäische Kupferschiefer und die Sandsteinlagerstätten des Chu-Sarysu-Beckens in Kasachstan.
Welche Minerale begleiten Bornit typischerweise?
Chalkopyrit, Chalkosin, Digenit, Covellin und Pyrit als Sulfide, dazu Quarz und Calcit als Gangarten. In Skarnen kommen Granat und Wollastonit hinzu, in manchen Lagerstätten gediegen Silber. Bei Verwitterung entstehen aus Bornit über Chalkosin, Covellin und Idait schließlich Malachit und Azurit.
Warum bildet Bornit so selten schöne Kristalle?
Er tritt fast immer derb, körnig oder als Imprägnation im Nebengestein auf. Ausgebildete Kristalle sind pseudokubisch, meist würfel- oder oktaederähnlich, häufig als Durchdringungszwillinge, und bleiben klein. Stufen mit freistehenden Bornitkristallen sind entsprechend selten und erzielen ein Vielfaches des Preises derben Materials.