Kein Ultraschall, kein Wasserbad, kein Dampf
Für die Reinigung von Bornit gilt eine kurze Regel: möglichst gar nicht. Ultraschall ist ausgeschlossen. Die Kavitationsblasen lösen die nur wenige Mikrometer dünne Anlaufschicht ab und arbeiten sich in Risse, Zwillingsgrenzen und Entmischungslamellen hinein, an denen das spröde Material aufreißt. Dampfreiniger scheiden aus demselben Grund aus und bringen zusätzlich Hitze ein. Auch längeres Wasserbad ist schädlich, weil Feuchtigkeit genau die Reaktion beschleunigt, die die Oberfläche verändert; ein Seifenbad greift mit seinen Tensiden zusätzlich an. Was bleibt, ist trockenes Abstauben mit einem weichen Pinsel, geführt mit möglichst wenig Druck, oder leichtes Abblasen mit einem Blasebalg. Fingerabdrücke lassen Sie am besten stehen, statt sie wegzuwischen. Ist eine Stufe stark verschmutzt, wenden Sie sich an einen Präparator; Hausmittel wie Essig, Zitronensäure oder Ultraschallbad zerstören die Oberfläche unwiederbringlich.
| Einfluss | Verhalten | Empfehlung |
|---|---|---|
| Ultraschallbad | löst die wenige Mikrometer dünne Anlaufschicht ab, sprengt sprödes Material an Rissen und Zwillingsgrenzen | niemals verwenden |
| Dampfreiniger | Kombination aus Hitze, Druck und Feuchtigkeit, zerstört die Oberfläche | niemals verwenden |
| Wasser und Seifenlauge | beschleunigt die Umsetzung der Oberfläche; bei behandeltem Chalkopyrit löst sich der Farbfilm ab | meiden; wenn nötig kurz destilliertes Wasser, sofort vollständig trocknen |
| Hitze | oberhalb 228 Grad Celsius Wechsel zur kubischen Hochtemperaturform; Reibungswärme beim Schleifen genügt an Kanten | nass und mit geringem Druck schleifen, Lötarbeiten nie am gefassten Stein |
| Licht und UV | kaum direkte Wirkung; problematisch sind die begleitenden Temperaturwechsel und Kondensation | dunkel und temperaturstabil lagern |
| Säuren und Haushaltschemikalien | greifen an, verändern oder entfernen die Anlaufschicht; Essig und Zitronensäure erzeugen künstliche Irisierung | vollständig fernhalten |
| Luftfeuchte | treibt die Verwitterung über Chalkosin, Covellin und Idait bis zu Malachit und Azurit | trocken lagern, Silicagel in die Vitrine, regelmäßig tauschen |
| Hautfett, Schweiß, Reibung | trägt die Anlaufschicht binnen Wochen ab, Stück wirkt danach stumpf bronzebraun | nicht tragen, nur an der Matrix anfassen, einzeln in säurefreies Seidenpapier wickeln |
Lagerung: Luftfeuchte ist der eigentliche Gegner
Bornit ist kein statisches Material, sondern verändert sich fortlaufend. An feuchter Luft läuft er zunächst blauviolett an, dann schreitet die Umsetzung weiter fort: über die Zwischenstufen Chalkosin, Covellin und Idait bis zu den grünen und blauen Kupferkarbonaten Malachit und Azurit. Diese Entwicklung lässt sich verlangsamen, nicht aufhalten. Lagern Sie Stufen deshalb trocken, bei möglichst gleichbleibender Raumtemperatur und geringer Luftfeuchte; ein geschlossener Vitrinenschrank mit einem Beutel Silicagel, der regelmäßig getauscht wird, ist die einfachste Lösung. Meiden Sie Keller, Badezimmer und Fensterbänke mit Kondensat. Direktes Sonnenlicht ist weniger wegen der Lichtenergie problematisch als wegen der Temperaturwechsel und der damit verbundenen Kondensation. Halten Sie Bornit von Schwefelquellen, Reinigungsmitteln und offenen Chemikalien fern. Stapeln Sie Stufen nicht; wickeln Sie sie einzeln in säurefreies Seidenpapier, nicht in Watte, die Feuchtigkeit hält.
Echtheitsprüfung in drei Minuten
Die wichtigste Pflegemaßnahme ist die Eingangsprüfung, denn ein falsch deklariertes Stück pflegen Sie sonst am Ziel vorbei. Streichen Sie eine Kante über unglasiertes Porzellan: Bornit hinterlässt grauschwarz, Chalkopyrit grünlichschwarz. Suchen Sie eine frische Bruchfläche oder feilen Sie an einer verdeckten Stelle an; Bornit zeigt Kupferrot bis Tombakbraun, Chalkopyrit leuchtendes Messinggelb, und bei säurebehandeltem Material sitzt die bunte Farbe ausschließlich außen auf. Legen Sie die angefeilte Stelle offen an Luft: Echter Bornit läuft binnen Tagen bis Wochen von selbst blauviolett an, Chalkopyrit bleibt gelb. Prüfen Sie die Härte mit einer Kupfermünze, die Bornit ritzt, Chalkopyrit kaum. Wiegen Sie das Stück trocken und in Wasser; die Dichte liegt bei Bornit zwischen 5,06 und 5,09 g/cm³, bei Chalkopyrit zwischen 4,1 und 4,3 g/cm³. Fünf Prüfungen, kein Labor nötig.
