Kupferrot und Tombakbraun: die echte Eigenfarbe
Die Eigenfarbe von Bornit ist nicht bunt. Schlagen Sie eine Stufe frisch auf, zeigt die Bruchfläche ein warmes Kupferrot, das je nach Zusammensetzung ins Bronzefarbene oder Tombakbraune spielt. Tombak ist eine alte Bezeichnung für eine kupferreiche Messinglegierung, und dieser Farbeindruck trifft den frischen Bornit genau. Ursache ist die metallische Bindung im Kupfer-Eisen-Sulfid: Das Mineral ist opak, und seine Farbe entsteht durch selektive Reflexion an der Oberfläche, nicht durch Lichtdurchgang wie bei durchsichtigen Edelsteinen. Ein Brechungsindex ist deshalb nicht bestimmbar. Im polierten Anschliff unter dem Erzmikroskop erscheint frischer Bornit rosabraun, mit schwachem Reflexionspleochroismus und schwacher Anisotropie. Der Strich auf unglasiertem Porzellan ist grauschwarz. Diese Eigenfarbe hält jedoch nicht lange: An feuchter Luft beginnt die Oberfläche binnen Stunden zu reagieren, und nach Tagen bis Wochen ist vom Kupferrot nur noch wenig zu sehen.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Bornit, frischer Bruch | kupferrot bis tombakbraun, metallisch | die eigentliche Eigenfarbe; hält an Luft nur Stunden bis Tage |
| Bornit, natürlich angelaufen | fleckig violett, indigo, stahlblau mit bronzenen Inseln | Dünnschichtinterferenz einer wenige Mikrometer dünnen Reaktionsschicht |
| Buntkupferkies, Buntkupfererz | wie Bornit | alte deutsche Bergmannsnamen, mineralogisch korrekt auf Bornit bezogen |
| Pfauenerz, Peacock Ore | flächendeckend türkis, pink, grün, gelb | Handelsname ohne mineralogische Festlegung; ganz überwiegend säurebehandelter Chalkopyrit |
| Chalkopyrit, unbehandelt | messinggelb bis goldgelb | Strich grünlichschwarz, Härte 3,5 bis 4, Dichte 4,1 bis 4,3 g/cm³ |
| Idait | kupferrot bis bronzefarben | eng verwandtes Kupfersulfid, tritt als Verwitterungsprodukt von Bornit auf |
| Covellin und Chalkosin auf Bornit | indigoblau beziehungsweise bleigrau | spätere Verwitterungsstufen; Endglieder der Reihe sind Malachit und Azurit |
Dünnschichtinterferenz: wie die Anlauffarben entstehen
Die berühmten Blau- und Violetttöne des Bornits sind keine Körperfarben, sondern ein Oberflächeneffekt. Sauerstoff und Luftfeuchtigkeit setzen die obersten Atomlagen zu einem Gemisch aus Kupfersulfiden, Oxiden und Sulfaten um. Diese Schicht ist nur wenige Mikrometer, teils nur Bruchteile davon dick. Licht wird sowohl an ihrer Oberseite als auch an der Grenze zum darunterliegenden Metall reflektiert; beide Anteile überlagern sich und löschen je nach Schichtdicke bestimmte Wellenlängen aus. Das Ergebnis ist eine Interferenzfarbe, genau wie beim Ölfilm auf einer Pfütze. Weil die Schicht ungleichmäßig wächst, ist die Färbung fleckig: Violett, Indigo, Stahlblau und stehengebliebene bronzene Inseln liegen nebeneinander. Mit der Zeit wächst die Schicht weiter, die Farben verschieben sich und werden schließlich stumpf grauschwarz. Entscheidend für Sie: Eine flächendeckende, gleichmäßig grelle Regenbogenfarbe entsteht so nicht. Sie ist das Kennzeichen der Säurebehandlung.
Buntkupferkies, Pfauenerz, Peacock Ore: die Handelsnamen
Bornit trägt mehr Handelsnamen als die meisten Minerale, und fast alle sind unscharf. Buntkupferkies und Buntkupfererz sind die alten deutschen Bergmannsnamen und beziehen sich korrekt auf Bornit. Pfauenerz und englisch Peacock Ore spielen auf die Farben des Pfauengefieders an und werden im Handel für jedes bunt schillernde Kupfersulfid verwendet, ganz überwiegend für säurebehandelten Chalkopyrit. Gelegentlich taucht auch die Bezeichnung Buntkupfer allein auf. Varietäten im mineralogischen Sinn gibt es bei Bornit nicht; es existieren lediglich Übergänge zu Chalkopyrit und Digenit sowie das eng verwandte Idait, das als Verwitterungsprodukt auftritt. Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Anbieter die Mineralart nennt und nicht nur einen Fantasienamen. Eine Deklaration wie „Bornit, Flambeau Mine, Wisconsin“ ist prüfbar, eine Deklaration wie „Peacock Ore, Mexiko“ sagt über das Mineral nichts aus.
