Was den Preis bei Anglesit tatsächlich bestimmt
Anglesit wird nicht nach den Kriterien gehandelt, die Sie von Schmucksteinen kennen. Karatgewicht und Farbe spielen eine untergeordnete Rolle; entscheidend sind Fundort, Kristallqualität und Provenienz. Bei Stufen zählt zuerst die Ausbildung: scharfe, unbeschädigte Kristallflächen, hohe Transparenz, ungestörter Diamantglanz und ein ästhetischer Aufbau auf der Matrix. Ein korrodierter Galenitsockel unter den Kristallen wertet eine Stufe eher auf, weil er die Entstehung dokumentiert. Der zweite Faktor ist der Fundort: Touissit und Tsumeb erzielen deutliche Aufschläge gegenüber Material aus weniger bekannten Revieren. Der dritte ist die Erhaltung — bei einem Mineral der Härte 2,5 bis 3 mit guter Spaltbarkeit ist jede Kante gefährdet, und Beschädigungen an Kristallspitzen drücken den Preis erheblich. Dokumentierte Sammlungsprovenienz, etwa aus bekannten alten Beständen, kann den Wert zusätzlich anheben. Bei geschliffenen Steinen tritt ein vierter Faktor hinzu: die schlichte Tatsache, dass jemand den Mut hatte, sie zu schleifen.
| Qualitätsstufe | Merkmale | Preisspanne |
|---|---|---|
| Derbes oder krustiges Material | matt, undurchsichtig, ohne Kristallform; Belegstück für die Systematik | wenige Euro bis etwa 30 Euro je Stück (Schätzung des Handels) |
| Kleine Kristallstufe, Fundort zweiter Reihe | erkennbare Kristalle, mäßige Transparenz, kleinere Beschädigungen | rund 50 bis 200 Euro (Schätzung des Handels) |
| Touissit-Thumbnail, gelbe Kristalle | 2 bis 3 cm, scharfe gemmige Kristalle auf korrodiertem Galenit | etwa 530 bis 740 Euro (Auktionszuschlag 575 USD; Händler 800 USD) |
| Touissit-Miniatur, gemmig, Fund der 1980er-Jahre | 3 bis 4 cm, kräftig gelb, hohe Transparenz und Glanz | rund 1.290 Euro (Händlerpreis 1.400 USD, reduziert von 2.400 USD) |
| Tsumeb-Kristallstufe | scharfe, transparente Kristalle, teils mit Begleitmineralen | etwa 1.150 bis 2.200 Euro (1.250 bis 2.400 USD) |
| Spitzenstück mit Pseudomorphose oder Begleitparagenese | Sammlungsqualität, dokumentierte Provenienz | bis rund 6.500 Euro (7.000 USD für Wulfenit nach Anglesit, Tsumeb) |
| Geschliffener Stein, 1 bis 3 ct | facettiert, farblos oder gelb, Marokko; Politur entscheidend | etwa 145 bis 180 Euro je Stein, rund 55 bis 130 Euro je Karat |
Zwei getrennte Märkte: Stufen und geschliffene Steine
Der Stufenmarkt ist der eigentliche Markt. Bei einer internationalen Mineralauktion ging ein 2,9 Zentimeter großes Touissit-Stück mit drei strohgelben, gemmigen Kristallen für 575 US-Dollar zu, geschätzt war es auf über 1.000. Im Fachhandel liegen kleine Touissit-Stücke von gut zwei Zentimetern bei etwa 800 US-Dollar, gemmige Miniaturen von dreieinhalb Zentimetern aus dem 1980er-Fund bei rund 1.400 US-Dollar. Tsumeb-Kristalle beginnen bei etwa 1.250 US-Dollar und erreichen für Kabinettstücke mit Begleitmineralen 2.250 bis 2.400 US-Dollar; eine Wulfenit-Pseudomorphose nach Anglesit aus Tsumeb wurde mit 7.000 US-Dollar ausgezeichnet. Umgerechnet entspricht das etwa 530 bis 6.500 Euro. Geschliffene Steine sind dagegen ein Nischenmarkt: Ein britischer Spezialhändler verkaufte 1,13 Karat farblos für 126 Pfund und 3,07 Karat gelb für 155 Pfund — umgerechnet rund 145 und 180 Euro, also etwa 55 bis 130 Euro je Karat.
Verwechslungen, Prüfung und die Grenzen der Fälschung
Gezielte Fälschungen von Anglesit sind nicht bekannt, und das hat einen einfachen Grund: Der Aufwand lohnt sich bei diesem Preisniveau nicht, und die Dichte von 6,3 bis 6,4 lässt sich mit keinem gängigen Ersatzmaterial nachstellen. Realistisch sind Verwechslungen und falsche Etiketten. In Frage kommen Cerussit, das Bleicarbonat aus derselben Paragenese mit noch höherer Dichte von rund 6,5, ferner Baryt und Coelestin aus derselben Strukturgruppe, die aber mit 4,5 und 3,97 deutlich leichter sind und niedrigere Brechungsindizes zeigen. Cerussit unterscheiden Sie an den pseudohexagonalen Drillingen, die Anglesit nie bildet, und am erheblich höheren Brechungsindex. Im Labor führen hydrostatische Wägung und Refraktometer zusammen schnell zum Ziel: 6,3 bis 6,4 bei 1,877 bis 1,894 und einer Doppelbrechung von 0,017 ist eindeutig. Prüfen Sie außerdem, ob ein marokkanisches Stück mit auffällig bernsteinroter Oberfläche gebleicht wurde.
