Reinigen: warmes Wasser, weiche Bürste, kein Ultraschall
Für die Reinigung gilt bei Anglesit der schonendste denkbare Weg. Die International Gem Society empfiehlt eine weiche Bürste, ein mildes Spülmittel und warmes Wasser — mehr braucht es nicht und mehr verträgt der Stein auch nicht. Bleisulfat ist in Wasser praktisch unlöslich, ein kurzes Bad schadet der Substanz also nicht. Ultraschallbäder scheiden dagegen aus: Die Kavitation setzt genau jene punktuelle Belastung frei, gegen die ein Mineral der Härte 2,5 bis 3 mit guter Spaltbarkeit nach zwei Richtungen wehrlos ist. Ebenso tabu sind Dampfreiniger, weil sie Hitze und Druck kombinieren. Verwenden Sie zum Trocknen ein weiches, fusselfreies Tuch und tupfen Sie, statt zu reiben — jede Reibbewegung mit einem staubhaltigen Tuch ist ein Schleifvorgang auf einem Stein, den schon ein Kupferpfennig ritzt. Bei Stufen mit Matrix genügt in der Regel ein weicher Pinsel; auf Wasser verzichtet man bei empfindlichen Begleitmineralen besser ganz.
| Einfluss | Verhalten | Empfehlung |
|---|---|---|
| Ultraschallbad | Kavitationsbelastung trifft auf Härte 2,5 bis 3 und gute Spaltbarkeit nach zwei Richtungen | niemals verwenden; ausschließlich von Hand reinigen |
| Dampfreiniger und Hitze | Temperatursprünge erzeugen Spannungen und Risse entlang der Spaltflächen; Zersetzung erst bei rund 1.087 Grad | nicht dampfreinigen, vom Lötbrenner fernhalten, keine direkte Sonne |
| Wasser und mildes Spülmittel | Bleisulfat ist praktisch unlöslich: 0,00425 g je 100 ml bei 25 Grad | unbedenklich; weiche Bürste, warmes Wasser, anschließend trockentupfen |
| Säuren | löslich in konzentrierter Salpeter-, Salz- und Schwefelsäure unter Bildung saurer Salze und Komplexe | Entkalker, Sanitär- und Silberreiniger strikt fernhalten |
| Laugen und Ammoniumacetat | löst sich in konzentrierter Natronlauge sowie in Ammoniumacetat ab etwa 6 mol je Liter | alkalische Spezialreiniger und Laborchemikalien meiden |
| Druck und Stoß | spröde; punktuelle Last führt zu glatten Spaltbrüchen, Facettenkanten runden sich ab | einzeln gepolstert lagern, Zargenfassung statt Krappen |
| Licht | ein Ausbleichen ist in der zugänglichen Fachliteratur nicht dokumentiert | warmweiße Vitrinenbeleuchtung mit geringem UV-Anteil; direkte Sonne der Wärme wegen meiden |
| Bleihaltiger Staub | entsteht nur bei Schleifen, Bohren, Sägen oder starkem Verkratzen | nur nass bearbeiten, Staub nicht einatmen, danach Hände waschen |
Hitze, Säuren und Druck: die drei realen Gefahren
Anglesit gilt als empfindlich gegen Hitze, Säuren und Druck. Zur Hitze: Zwar zersetzt sich Bleisulfat erst bei rund 1.087 Grad, doch Temperatursprünge erzeugen lange vorher Spannungen, die entlang der Spaltflächen zu Rissen führen. Lassen Sie den Stein also nicht in der Sonne auf dem Fensterbrett liegen und halten Sie ihn vom Lötbrenner fern. Zu den Säuren: In konzentrierter Salpeter-, Salz- und Schwefelsäure löst sich Bleisulfat unter Bildung saurer Salze beziehungsweise Komplexe; ebenso greifen konzentrierte Laugen an, und in Ammoniumacetat ab etwa sechs Mol je Liter geht es in Lösung. Haushaltsübliche Reiniger, Entkalker und Silberbäder haben deshalb nichts in der Nähe des Steins zu suchen. Zum Druck: Punktuelle Belastung ist der häufigste Schadensgrund überhaupt. Ein Ausbleichen unter Lichteinfluss ist in der zugänglichen Fachliteratur dagegen nicht dokumentiert — direkte Sonne meiden Sie vor allem wegen der Wärme.
Lagerung und Echtheitsprüfung ohne Beschädigung
Lagern Sie Anglesit einzeln. Jedes andere Sammlungsstück im selben Fach ist härter und wird den Stein verkratzen; umgekehrt kann ein schwerer Anglesit weichere Nachbarn beschädigen. Bewährt haben sich flache Schachteln mit weicher Polsterung, in denen die Stufe aufliegt statt zu stehen, bei geschliffenen Steinen Einzelfächer mit Samtauskleidung. Vermeiden Sie stark schwankende Temperaturen und direkte Sonneneinstrahlung. Für die Echtheitsprüfung reicht ein Weg, der den Stein nicht berührt: die hydrostatische Wägung. Ein Wert von 6,3 bis 6,4 grenzt Anglesit bereits gegen fast alles ab; Baryt liegt bei 4,5, Coelestin bei 3,97. Das Refraktometer bestätigt mit 1,877 bis 1,894 und einer Doppelbrechung von 0,017. Ritzproben verbieten sich von selbst. Cerussit unterscheiden Sie an den pseudohexagonalen Drillingen, die Anglesit niemals bildet, und am höheren Brechungsindex. Alles Weitere gehört ins Labor.
