Alltagstauglichkeit realistisch eingeschätzt
Mit einer Mohshärte von 6 bis 6,5 liegt Andesin unter Quarz, der mit 7 den Härtegrad des allgegenwärtigen Staubes markiert. Ein Andesin in einem täglich getragenen Ring wird deshalb im Lauf der Jahre matt. Hinzu kommt die vollkommene Spaltbarkeit in zwei Richtungen, die gempiece ausdrücklich zum Anlass nimmt, schützende Fassungen zu empfehlen. Für Ohrschmuck, Anhänger und Broschen ist das Material dagegen gut geeignet: Dort trifft es selten auf harte Kanten, und das geringe Gewicht der Feldspäte mit einer Dichte um 2,66 bis 2,68 wirkt sich angenehm aus. Ein großer Andesin trägt sich spürbar leichter als ein gleich großer Granat oder Zirkon. Für Ringe gilt: Als Abendschmuck oder für gelegentliches Tragen ist Andesin unproblematisch, als Ring für die tägliche Arbeit ist er die falsche Wahl. Der niedrige Materialpreis relativiert das Risiko allerdings spürbar.
Fassung: Zarge schützt, Krappe gefährdet
Die sinnvollste Fassung ist die Zarge. Sie verteilt den Druck über den Rundistenumfang, schützt die gefährdete Rundistenkante und nimmt dem spröden Material die Angriffsfläche. Krappenfassungen sind möglich, sollten aber breit aufliegen und dürfen beim Zudrücken nicht punktuell arbeiten – genau dort öffnet sich sonst eine Spaltfläche. Kanalfassungen mit mehreren Steinen in einer Reihe sind ungeeignet, weil die Steine beim Verstemmen gegeneinander arbeiten. Setzen Sie den Stein grundsätzlich nach allen Lötarbeiten ein. GemSelect weist darauf hin, dass Hitze die Farbe verändern kann, und bei kupferdiffundiertem Material ist das besonders naheliegend, weil die Farbe selbst durch Hitze erzeugt wurde. Für die Rhodinierung gilt dasselbe wie für jede Bäderbehandlung: Nehmen Sie den Stein heraus oder arbeiten Sie kalt und kurz. Bedenken Sie beim Entwurf außerdem die Größe: Die im Handel angebotenen Steine sind wegen des niedrigen Preises oft großzügig dimensioniert – ein runder Andesin von 5,65 Karat misst 13 Millimeter im Durchmesser. Eine so große Fläche braucht eine Fassung mit ausreichender Auflage und eine Bauhöhe, die den Stein nicht über die Fingerkontur hinausstehen lässt.
Für wen sich welcher Stein lohnt
Blassgelber und farbloser Andesin ist ein Sammlerstein und ein günstiges Material für Silberschmuck; bei rund neun Euro je Karat im deutschen Einzelhandel können Sie großzügige Steingrößen einsetzen, ohne ein Vermögen zu binden. Rotes und grünes Material ist optisch reizvoll und ebenfalls preiswert – solange Sie es als das kaufen, was es aller Wahrscheinlichkeit nach ist: kupferdiffundierte Ware. Wer natürliches, kupfergefärbtes Feldspat für ein Schmuckstück sucht, das über Jahrzehnte einen Wert tragen soll, ist beim Oregon Sunstone besser aufgehoben; dort sind Fundort und Farbursache dokumentiert, und die Preise spiegeln das. Für Goldschmiede ist Andesin außerdem ein gutes Übungsmaterial: Man lernt an ihm den Umgang mit spaltbaren, spröden Steinen, ohne bei einem Fehlgriff viel zu verlieren. Sammlern wiederum bietet der Fall einen eigenen Reiz: Ein dokumentierter roter Andesin aus der Zeit der Auseinandersetzung ist ein Zeitzeuge der Farbsteingeschichte – vorausgesetzt, er ist als behandelt gekennzeichnet und wird auch so verkauft.
