Typlokalität Marmato und die weltweite Verbreitung
Als Typlokalität führt Wikipedia die Marmato-Mine in Marmato, Kolumbien; minerals.net verortet denselben Distrikt abweichend in Bolivien, was Sie als Fehler der Quelle einordnen sollten. Wirtschaftlich bedeutungslos ist die Typlokalität ohnehin. Als gesteinsbildendes Mineral ist Andesin nahezu überall vorhanden, wo intermediäre Magmatite auftreten. steine-und-minerale.de listet Schottland, England, Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Polen, Tschechien, die Slowakei, Russland, Japan, Australien, Paraguay, Kolumbien, Kanada und die USA. Die IGS nennt daneben Kalifornien, Utah, Colorado, South Dakota, Minnesota, New York, North Carolina, Argentinien, Grönland, Norwegen, Südafrika, Indien und Japan. minerals.net ergänzt konkrete Punkte: San Gabriel Mountains und Crestmore Quarry in Kalifornien, Goodall Farm in Maine, Mont Saint-Hilaire in Québec. Schleifwürdige, durchsichtige Kristalle sind dagegen selten – die IGS bemerkt trocken, diese Feldspäte begegneten einem nur selten in Edelsteinqualität.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Marmato | Kolumbien | Typlokalität nach Wikipedia; minerals.net nennt abweichend Bolivien; kein Schmuckmaterial |
| Zha Lin, Bainang County (29°03,95'N / 89°20,88'E, 3929 m) | China (Tibet) | 2010 untersucht; Andesinkiesel bis 30 cm Tiefe an zufällig gewählten Stellen |
| Yu Lin Gu, Schwemmfächer (29°03,08'N / 89°20,76'E, 4102 m) | China (Tibet) | Material nur oberflächennah; Echtheit der Fundstelle 2011 nicht bestätigt |
| Nai Sa und Bainang (4049 bis 4072 m) | China (Tibet) | 2008 von der ersten Expedition besucht |
| Gyaca County, östlich von Lhasa | China (Tibet) | Von Adolf Peretti im November 2009 besucht und als präpariert beurteilt |
| Guyang County, Dörfer Hai Bou Zi und Shui Quan | China (Innere Mongolei) | Blassgelbes Material, seit 1991 in chinesischer Literatur beschrieben; Ausgangsstoff der Behandlung |
| Ponderosa Mine, Harney County | USA (Oregon) | Sonnenstein in Steens-Basalt, An70, gediegenes Kupfer; kein Andesin |
| Dust Devil Mine und Sunstone Butte, Lake County | USA (Oregon) | Farbspektrum bis Rot, Grün und Blaugrün; nach GIA 2013 dokumentiert |
Bainang, Zha Lin, Yu Lin Gu: was die Expeditionen fanden
Die dritte Expedition im September und Oktober 2010 besuchte drei Stellen in Bainang County, rund 55 Kilometer südöstlich von Shigatse. Abduriyim und Mitarbeiter veröffentlichten die Ergebnisse 2011 in Gems & Gemology, Band 47, Nummer 2, Seiten 167 bis 180. Zha Lin liegt bei 29 Grad 03,95 Minuten Nord und 89 Grad 20,88 Minuten Ost auf 3929 Metern, der Schwemmfächer Yu Lin Gu zwei Kilometer flussaufwärts auf 4102 Metern, die Stellen bei Nai Sa und Bainang rund drei Kilometer entfernt auf 4049 bis 4072 Metern. Für Zha Lin berichten die Autoren von starken Feldhinweisen auf eine echte Lagerstätte: An zufällig gewählten, unberührten Stellen wurden Andesinkiesel bis 30 Zentimeter Tiefe gefunden. Bei Yu Lin Gu lag das Material dagegen nur an der Oberfläche oder wenige Zentimeter darunter in einer dünnen Lage; die Echtheit dieser Fundstelle konnten sie nicht bestätigen.
Guyang in der Inneren Mongolei und der Vergleichsfall Oregon
Als Quelle des Ausgangsmaterials gilt Guyang County in der Inneren Mongolei. Hughes nennt die Dörfer Hai Bou Zi und Shui Quan und weist darauf hin, dass das blassgelbe Andesin dort in chinesischer Fachliteratur bereits seit 1991 beschrieben ist, also ein Jahrzehnt vor dem Auftauchen der roten Ware. Rossman kam 2011 zu dem Ergebnis, dass ein großer Teil des roten Andesins am Markt aus eben diesem Material durch Kupferdiffusion entstand. Der Gegenpol ist Oregon: GIA beschrieb 2013 die drei Vorkommen Ponderosa Mine in Harney County sowie Dust Devil Mine und Sunstone Butte Mine in Lake County. Die Kristalle sitzen als Einsprenglinge in porphyrischen Strömen der Steens-Basalte; 40Ar/39Ar-Datierungen ergaben Eruptionen zwischen 15,51 plus minus 0,28 und 16,59 plus minus 0,10 Millionen Jahren. Die Zusammensetzung liegt bei etwa An70, also im Labradoritfeld, nicht im Andesinfeld.
