Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Andesin Lexikon · Qualität & Preis

Andesin – Qualität & Preis

Andesin

Der Behandlungsstatus schlägt alle anderen Kriterien

Bei den meisten Farbsteinen entscheiden Farbe, Reinheit, Schliff und Gewicht über den Preis. Beim Andesin steht eine Frage davor: Ist die Farbe natürlich? Die Autoren der Tibet-Studie formulierten 2011 unmissverständlich, es gebe keinen verlässlichen und praktikablen Weg, natürliches Tibet-Material von behandelten Steinen aus der Inneren Mongolei zu trennen; denkbar sei eine Kombination mehrerer Spezialverfahren, die aber teuer, teilweise zerstörend oder nicht breit verfügbar seien. GIA berichtete daraufhin für dieses Material, die Farbursache lasse sich derzeit nicht bestimmen. Für Sie heißt das: Ein Stein ohne belastbare Behandlungsaussage ist kaufmännisch wie behandelte Ware zu bewerten. Das ist keine Unterstellung gegenüber einem Verkäufer, sondern die nüchterne Folge dessen, was die Labore selbst berichten. Wer Ihnen für roten Andesin einen Aufschlag mit dem Argument abverlangt, der Stein sei nachweislich unbehandelt, muss diesen Nachweis vorlegen können.

Qualitätsstufe Merkmale Preisspanne
Hellgelb, facettiert, behandlungsfreiblass, oft augenrein, reichlich verfügbar6,86 bis 7,87 US-Dollar je Karat (Gemval, 1 bis 10 ct)
Gelblich grünmittlere Sättigung12,46 bis 14,30 US-Dollar je Karat (Gemval)
Farbwechsel Orange zu GrünWechsel zwischen Tages- und Kunstlicht13,35 bis 15,32 US-Dollar je Karat (Gemval)
Mittelhelles orangestichiges Rottypische Handelsware, meist kupferdiffundiert19,47 bis 22,34 US-Dollar je Karat (Gemval)
Mittleres Rot, oberste gelistete Stufekräftige Farbe, Behandlungsstatus in der Regel offen33,77 bis 38,76 US-Dollar je Karat (Gemval)
Deutscher Einzelhandel, 5,65 ct rund13 mm Durchmesser, Herkunft Afrika, laut Händler unbehandelt49 Euro für den Stein, rund 9 Euro je Karat
Oregon Sunstone, unbehandelt, 1,68 ctzweifarbig, natürliche Kupfereinschlüsse, Fundort belegt220 Euro für den Stein, rund 131 Euro je Karat
Oregon Sunstone, Spitzenfarbenleuchtendes Rot bis Blaugrün, oberer Einzelhandel700 bis 4500 US-Dollar je Karat (Ravenstein)

Preisniveau: konkrete Zahlen aus dem Handel

Gemval nannte am 21. September 2026 für Andesin bei ein bis zehn Karat und angenommener Reinheit VVS folgende Durchschnittspreise je Karat: mittleres Rot 33,77 bis 38,76 US-Dollar, mittelhelles Rot 29,64 bis 34,02 US-Dollar, mittelhelles orangestichiges Rot 19,47 bis 22,34 US-Dollar, gelblich Grün 12,46 bis 14,30 US-Dollar, Farbwechsel Orange zu Grün 13,35 bis 15,32 US-Dollar und hellgelb 6,86 bis 7,87 US-Dollar. Für Steine ab 30 Karat lagen keine Daten vor. In Euro gerechnet liegt das je nach Wechselkurs in derselben Größenordnung. Ein deutscher Onlinehändler verlangt für einen runden, facettierten Andesin von 5,65 Karat und 13 Millimetern Durchmesser 49 Euro, was rund neun Euro je Karat entspricht; als Herkunft ist Afrika, als Behandlung „unbehandelt“ angegeben. Andesin ist damit ein ausgesprochen günstiger Stein.

Der Vergleich mit Oregon Sunstone und was das über Fälschungen sagt

Wie groß der wirtschaftliche Anreiz zur Behandlung war, zeigt der Blick auf natürliches kupferhaltiges Feldspat. Ein Idar-Obersteiner Händler ruft für einen unbehandelten, zweifarbigen Oregon Sunstone von 1,68 Karat 220 Euro auf, rund 131 Euro je Karat. Der amerikanische Anbieter Ravenstein nennt als obere Einzelhandelspreise je Karat 28 bis 105 US-Dollar für klares bis goldenes Material, 35 bis 270 US-Dollar für Standard-Schiller, 360 bis 1200 US-Dollar für lachsfarben bis ziegelrot, 700 bis 1900 US-Dollar für leuchtendes Rot und 450 bis 4500 US-Dollar für Blaugrün. Zwischen neun Euro je Karat für blassen Andesin und vierstelligen Dollarbeträgen für feinen Sonnenstein liegt die ganze Geschichte dieses Falls. Ravenstein beschreibt zugleich die Kehrseite: Als die Behandlung bekannt wurde, brach der Andesinmarkt über Nacht ein und riss den Verkauf echten Oregon-Sonnensteins mit.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich als Käufer eine Behandlung?
Mit bloßem Auge und einfacher Gemmologie gar nicht zuverlässig. Die Chronologie von Hughes hält fest, dass einfache Prüfungen wie die Brechungsindexmessung diffusionsbehandelte Andesine nicht sicher erkennen und die direkte Analyse der Zusammensetzung mit der Elektronenstrahlmikrosonde überlegen ist. Im Labor helfen Kupferprofile vom Rand zum Kern, Argonisotope und seit 2022 die Fluoreszenz. Im Handel bleibt Ihnen die schriftliche Zusicherung.
Was bringt die Fluoreszenzprüfung?
Zhou, Wang und Shen zeigten 2022, dass kupferdiffundierte Proben unter 320-Nanometer-Anregung eine sehr starke Emission nahe 394 Nanometern zeigen: 3550 bis 6486 Zählimpulse pro Sekunde gegenüber 74 bis 877 bei natürlichem Oregon-Sonnenstein. Sie bezeichneten die starke Fluoreszenz als möglichen Schlüsselbeleg für eine Kupferdiffusion. Das ist ein Laborverfahren, keine Prüfung mit der Taschenlampe.
Lohnt sich ein Laborbericht bei diesen Preisen?
Meist nicht. Bei einem Stein für neun bis vierzig Euro je Karat übersteigt ein vollwertiger Bericht den Warenwert. Sinnvoll ist er bei größeren Partien, bei ungewöhnlich großen Einzelsteinen und immer dann, wenn ein Verkäufer einen Aufschlag für natürliche Farbe verlangt. Lassen Sie sich in allen anderen Fällen die Behandlungsangabe auf der Rechnung bestätigen.