Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Andesin Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Andesin – Schliff & Bearbeitung

Andesin

Zwei Spaltrichtungen bestimmen jeden Arbeitsschritt

Andesin spaltet nach Wikipedia vollkommen nach {001} und gut nach {010}. Die IGS beschreibt das knapp als „ausgezeichnet in zwei Richtungen“. Über den Winkel zwischen beiden Flächen gehen die Angaben auseinander: Handelsquellen wie gempiece und skyjems nennen rund 86 Grad, die Wikipedia zu Plagioklas 93 bis 94 Grad, minerals.net etwa 90 Grad. Gemeint ist derselbe, nur leicht von einem rechten Winkel abweichende Schnitt zweier Ebenen; für die Werkstatt ist allein wichtig, dass zwei nahezu rechtwinklig zueinander liegende Schwächezonen im Stein stecken. Der Bruch ist uneben bis muschelig, die Tenazität spröde. Das hat Folgen: Ein Schlag auf die Tafel, ein zu hart angesetzter Vorschliff oder ein verkantetes Werkzeug kann eine Spaltfläche öffnen, die sich nicht mehr herauspolieren lässt. Orientieren Sie die Tafel deshalb schräg zu beiden Spaltrichtungen statt parallel zu einer von ihnen.

Schliffarten, Ausbeute und Poliereigenschaften

Mit einer Härte von 6 bis 6,5 ist Andesin weicher als Quarz und lässt sich zügig bearbeiten. Facettenschliffe sind die Regel, weil das Material durchsichtig bis durchscheinend vorkommt; die im Handel angebotenen Steine sind überwiegend Ovale, Runde und Kissen in Größen um zwei bis sechs Karat. Ein deutscher Händler bietet beispielsweise einen runden Stein von 5,65 Karat mit 13 Millimetern Durchmesser und 6,4 Millimetern Höhe an – ein Verhältnis, das zeigt, dass beim Feldspat eher flach als tief geschliffen wird, um die blasse Farbe nicht zu verlieren. Die Doppelbrechung ist mit 0,008 bis 0,010 gering, Doppelbilder der Facettenkanten stören daher nicht. Trübes, wolkiges Material, wie es Abduriyim und Mitarbeiter mit milchigen Schlieren und lattenförmigen Hohlkanälen beschreiben, geht in den Cabochonschliff. Die Ausbeute leidet vor allem an Rissen und Spaltansätzen im Rohstein.

Warum behandelte Steine beim Nachschleifen kritisch sind

Bei der Kupferdiffusion wandert das Kupfer von außen nach innen. Abduriyim und Mitarbeiter stellten 2011 fest, dass bei bekannt behandelten Proben der Kupfergehalt vom Rand zum Kern abnimmt, während er bei tibetischem Material gleichmäßig verteilt war. Bei den bekannt behandelten Steinen fanden sie außerdem ausgeprägte konzentrische Farbschwankungen in Form lagenweiser Zonen. Richard Hughes beschrieb bereits 2006 im AGTA-Labor entfärbte Ränder, die nicht zu dem passten, was man von einer Diffusion erwartet hätte. Praktisch heißt das: Wenn Sie einen behandelten Stein umschleifen oder nachpolieren lassen, können Sie in eine farbärmere Zone geraten und die Farbe teilweise verlieren. Lassen Sie Andesin deshalb nur von jemandem nacharbeiten, der weiß, mit welchem Material er es zu tun hat, und rechnen Sie bei Rot und Grün immer mit einer randnahen Farbverteilung.

Häufige Fragen

Welche Schliffe eignen sich?
Facettenschliffe für durchsichtiges Material, Cabochons für trübes. Wegen der beiden Spaltrichtungen sollte die Tafel schräg dazu liegen. Flache Proportionen sind bei blassem Material sinnvoll, weil die Farbe sonst verschwindet; bei kräftig rotem Material darf tiefer geschliffen werden.
Ist Andesin schwierig zu schleifen?
Er ist nicht hart, aber heikel. Die vollkommene Spaltbarkeit in zwei Richtungen und die spröde Tenazität verzeihen keine Stöße und keinen zu hohen Anpressdruck. Wer Feldspat gewohnt ist, kommt gut zurecht; wer vom Quarz kommt, sollte den Druck deutlich zurücknehmen.
Kann ein Andesin beim Fassen brechen?
Ja. Mit Mohs 6 bis 6,5 und zwei vollkommenen Spaltrichtungen ist der Stein empfindlich gegen punktuellen Druck. gempiece empfiehlt ausdrücklich schützende Fassungen. Krappen sollten breit aufliegen, besser ist eine Zargenfassung. Erhitzen Sie den Stein beim Löten nicht – setzen Sie ihn nach allen thermischen Arbeiten ein.