Der Cabochon ist die Regel
Variscit ist fast immer undurchsichtig bis schwach durchscheinend, deshalb wird er im Cabochon geschliffen. Flache bis mittelhohe Wölbungen zeigen die Farbfläche und die Matrixzeichnung am besten; hohe Kuppeln verschenken Material und machen den Stein im Schmuck anfälliger. Neben dem Cabochon sind Scheiben, Platten für Inlays, Kugeln, Perlen und Schnitzereien üblich. Bei zoniertem Material aus dem Clay Canyon ist der aufgesägte, nur polierte Anschnitt oft die beste Lösung, weil er die Schalenstruktur zeigt. Facettierte Variscite sind eine Rarität: Es fehlt schlicht an durchsichtigem Material, und bei einer Härte um vier lohnt der Aufwand nicht. Wenn Sie einen facettierten „Variscit“ angeboten bekommen, prüfen Sie die Identität. In den allermeisten Fällen handelt es sich um ein anderes grünes Material. Für Perlenketten gilt dasselbe: Große, glatt polierte Kugeln zeigen die Farbe besser als kleine, die fast nur Bohrloch und Kante sind.
Weich, porös und wärmeempfindlich beim Schleifen
Die Mohshärte von 3,5 bis 4,5 macht das Material leicht formbar, aber schwer auf Hochglanz zu bringen. Weiche Steine neigen dazu, beim Polieren eine leicht wellige Oberfläche anzunehmen, die sogenannte Orangenhaut. Arbeiten Sie deshalb mit feinen Körnungen und geringem Anpressdruck und nutzen Sie weiche Polierträger mit Zinnoxid oder Ceroxid. Entscheidend ist die Wärme: Variscit enthält zwei Moleküle Kristallwasser, die bei Erhitzung entweichen. Trockenes Schleifen oder zu schnelle Scheiben führen zu Verfärbung und feinen Rissen. Arbeiten Sie durchgehend nass und mit gedrosselter Drehzahl. Auch beim Aufkitten ist Vorsicht geboten: Heißkitt kann den Stein bereits schädigen. Verwenden Sie besser kalt abbindende Klebstoffe oder spannen Sie den Stein mechanisch. Poröse Partien saugen Schleifschlamm auf und werden dauerhaft grau. Prüfen Sie zwischendurch im Gegenlicht, ob sich bereits feine Risse gebildet haben, dann lässt sich der Schaden noch ausschneiden.
Spaltbarkeit, Matrix und Ausbeute
Die Kristalle des Variscits besitzen eine vollkommene Spaltbarkeit nach {010}, doch das schleifwürdige Material ist kryptokristallin aufgebaut, also aus zahllosen winzig kleinen, regellos orientierten Kristallen. Dadurch hebt sich die Spaltbarkeit praktisch auf, und der Stein bricht muschelig bis splittrig. Das ist eine gute Nachricht für den Schleifer: Es gibt keine Richtung, in der ein Stein unter Druck plötzlich aufspringt. Das eigentliche Problem liegt in der Matrix. Wardit, Crandallit, Quarz und Chalcedon haben andere Härten als der Variscit selbst, weshalb sich beim Polieren Stufen und Reliefs bilden. Material mit Quarzanteil, im Handel als „Amatrice“ bezeichnet, ist insgesamt härter und lässt sich besser polieren. Die Ausbeute aus Rohmaterial ist niedrig, weil rissige Zonen, Hohlräume und Farbwechsel großzügig ausgeschnitten werden müssen. Rechnen Sie bei durchschnittlicher Rohware mit einer Ausbeute von deutlich unter der Hälfte des Ausgangsgewichts.
