Variscit ist ein wasserhaltiges Aluminiumphosphat, das in Apfel- bis Blaugrün auftritt und im Handel immer wieder mit Türkis verwechselt wird. Seinen Namen trägt er nach „Variscia“, dem lateinischen Namen des sächsischen Vogtlands, wo er 1837 zuerst beschrieben wurde.
Variscit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Phosphate, wasserhaltige Phosphate ohne fremde Anionen (Strunz 8.CD.10) |
| Chemische Formel | AlPO4 · 2 H2O |
| Kristallsystem | orthorhombisch, Raumgruppe Pbca |
| Mohs-Härte | 3,5 bis 4,5 |
| Dichte | 2,52 bis 2,61 g/cm³ |
| Brechungsindex | 1,563 bis 1,594 (derbes Material meist Spotlesung um 1,56 bis 1,57) |
| Doppelbrechung | 0,031, zweiachsig negativ; an derbem Material nicht messbar |
| Glanz | Glasglanz an Kristallflächen, an derbem Material Wachs- bis Mattglanz |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {010} an Kristallen; derbe, kryptokristalline Ware zeigt praktisch keine Spaltbarkeit |
| Bruch | muschelig bis splittrig, spröde |
| Transparenz | undurchsichtig bis durchscheinend, Kristalle selten durchsichtig |
| Farben | Apfelgrün, Blaugrün, Gelbgrün, Graugrün, selten fast farblos; häufig mit weißer, gelber oder schwarzer Matrix |
| Wichtigste Fundorte | Meßbach bei Plauen (Vogtland, Typlokalität), Clay Canyon bei Fairfield und Lucin (Utah), Lander und Esmeralda County (Nevada), Western Australia, Gavà (Katalonien), Brasilien, Polen, Sardinien |
| Behandlungen | häufig Stabilisierung mit Kunstharz, Dublettenaufbau mit dunkler Unterlage; Färbung fast nur bei Ware, die als Türkis verkauft werden soll |
| Erstbeschreibung | 1837 durch August Breithaupt (Kurzmitteilung bereits 1835), Typlokalität Meßbach bei Plauen im Vogtland |
Ein Phosphat, das seinen Namen einer Landschaft verdankt
Variscit ist ein wasserhaltiges Aluminiumphosphat mit der Formel AlPO4 · 2 H2O. Der Freiberger Mineraloge August Breithaupt erwähnte das Mineral 1835 erstmals kurz und veröffentlichte 1837 die eigentliche Beschreibung im Journal für praktische Chemie. Als Typlokalität gilt Meßbach bei Plauen im sächsischen Vogtland. Den Namen bildete Breithaupt aus „Variscia“, der latinisierten Bezeichnung für das Vogtland. Vier Stufen von Meßbach in der Mineralogischen Sammlung der TU Bergakademie Freiberg gelten als die wahrscheinlichen Originalstücke. Für Sie als Käufer ist wichtig: Das deutsche Material der Typlokalität hat nie eine Rolle als Schmuckstein gespielt, es ist unscheinbar und kleinstückig. Die Ware, die Sie im Handel finden, stammt fast ausschließlich aus den Vereinigten Staaten und seit einigen Jahren aus Australien. Der Name blieb jedoch an dem Mineral haften, auch wenn die Handelsnamen daneben eine eigene, unübersichtliche Karriere gemacht haben.
Warum Variscit kein Türkis ist
Die Verwechslung mit Türkis begleitet Variscit seit über hundert Jahren, und sie hat gute Gründe: Beide sind Phosphate, beide bilden derbe, knollige Massen, beide zeigen dunkle Matrixadern, beide treten in denselben Wüstenregionen des amerikanischen Westens auf. Der Unterschied liegt in der Chemie. Türkis enthält Kupfer, und Kupfer erzeugt das bekannte Himmelblau. Variscit enthält kein Kupfer. Seine Farbe stammt von Spuren dreiwertigen Chroms und Vanadiums, die Aluminium im Gitter vertreten, und diese Elemente erzeugen Grün, nicht Blau. Messbar wird der Unterschied am Brechungsindex: Variscit liegt bei rund 1,57, Türkis bei etwa 1,61. Unter dem Chelsea-Filter zeigt Variscit einen schwachen rosa Schimmer, im Spektroskop ein mittelstarkes Band bei 690 Nanometern und ein schwächeres bei 650 Nanometern. Wo Händler unsicher sind, taucht die Verlegenheitsbezeichnung „Variquoise“ auf. Verlassen Sie sich darauf nicht.
Utah, Nevada und die australische Überraschung
Das berühmteste Material kommt aus dem Clay Canyon bei Fairfield in Utah, wo die Little Green Monster Mine in den 1930er Jahren zonierte Knollen lieferte: tiefgrüner Variscit, umgeben von grauem, durchscheinendem Wardit und gelblich bis braunem Crandallit. Der Clay Canyon ist zugleich die Typlokalität des Wardits. Die Grube wurde aus Sicherheitsgründen verfüllt, gutes Material stammt daher aus alten Sammlungen und erzielt vierstellige Beträge je Stufe. Aus Lucin in Utah stammt die Ware, die als „Utahlit“ gehandelt wird, aus Snowville Material mit schwarzer Spinnennetzmatrix. Nevada liefert unter Handelsnamen wie Damele, New Lander oder Broken Arrow ähnliche Qualitäten. 2003 wurde im australischen Outback eine kleine Linse aufgeschlossen, deren apfelgrüne Ware mit feiner Netzzeichnung dem historischen Utah-Material nahekommt. Sie erreichte über die Tucson-Messe den internationalen Handel und ist bis heute knapp.
Weicher Stein, kalkulierbarer Preis
Mit einer Mohshärte zwischen 3,5 und 4,5 gehört Variscit zu den weichen Schmucksteinen. Er ist außerdem porös und nimmt Fette, Öle und Kosmetika auf, die ihn fleckig machen. Für Ringe und Armbänder ist er deshalb nur in geschützten Fassungen brauchbar, für Anhänger, Broschen und Ohrschmuck dagegen gut geeignet. Geschliffen wird fast ausschließlich im Cabochon, dazu Scheiben, Kugeln, Inlays und Schnitzereien; facettierte Steine sind eine Ausnahme, weil durchsichtiges Material kaum vorkommt. Preislich bleibt Variscit erschwinglich: Blasse oder kleine Cabochons mit unruhiger Zeichnung liegen bei etwa 0,30 bis 2 Euro je Karat, hochwertige Ware mit sattem Grün und klarer Musterung bei rund 15 bis 55 Euro je Karat. Rohware wird meist nach Gramm gehandelt. Historische Clay-Canyon-Stufen folgen einer eigenen, deutlich höheren Sammlerlogik.
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Kurz gefasst
Variscit ist ein Stein für Käufer, die Grün mögen und mit einem weichen Material umgehen können. Kaufen Sie ihn als Cabochon für Anhänger, Broschen oder Ohrschmuck, nicht als Alltagsring. Achten Sie auf ein sattes, gleichmäßiges Grün und eine Zeichnung, die zum Stein passt statt ihn zu zerreißen, und lassen Sie sich sagen, ob stabilisiert wurde. Material aus Utah und Australien rechtfertigt seinen Aufpreis. Wer preiswert einsteigen will, findet ordentliche Ware schon im einstelligen Eurobereich je Karat.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Variscit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
