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Variscit Lexikon · Herkunft & Fundorte

Variscit – Herkunft & Fundorte

Variscit

Meßbach im Vogtland: die Typlokalität

Die Geschichte des Minerals beginnt im sächsischen Vogtland. In Meßbach bei Plauen fand August Breithaupt das grüne Phosphat in Kieselschiefern, meldete es 1835 kurz und beschrieb es 1837 ausführlich im Journal für praktische Chemie. Den Namen leitete er von „Variscia“ ab, der lateinischen Bezeichnung des Vogtlands. Vier Stufen aus Meßbach in der Mineralogischen Sammlung der TU Bergakademie Freiberg gelten als die wahrscheinlichen Originalstücke der Erstbeschreibung. Wirtschaftlich hat die Typlokalität nie Bedeutung erlangt: Das Material ist kleinstückig, blass und nicht schleifwürdig. Es bleibt eine Angelegenheit für Systematiksammler, die Wert auf die Typlokalität legen. Wer im deutschen Handel „Variscit aus dem Vogtland“ angeboten bekommt, kauft ein mineralogisches Belegstück, keinen Schmuckstein, und sollte das im Preis entsprechend berücksichtigen. Historisch bleibt Meßbach dennoch wichtig, weil hier der Name entstand, den heute jeder Händler weltweit benutzt.

Fundort Land Besonderheit
Meßbach bei Plauen, VogtlandDeutschlandTyplokalität, Erstbeschreibung 1837 durch August Breithaupt, nicht schleifwürdig
Clay Canyon / Little Green Monster Mine, Fairfield, UtahUSAzonierte Knollen mit Wardit und Crandallit, Typlokalität des Wardits, Grube verfüllt
Lucin, UtahUSAQuelle des als „Utahlit“ gehandelten Materials, für Sammler am besten verfügbar
Snowville, UtahUSAblaugrünes Material mit schwarzer Spinnennetzmatrix, Sammelgebiet geschlossen
Lander und Esmeralda County, NevadaUSAGrubenqualitäten wie Damele, New Lander, Desert Bloom, Broken Arrow
Western AustraliaAustralien2003 erschlossene kleine Linse, apfelgrün mit feiner Netzzeichnung, sehr knapp
Gavà, KatalonienSpanieneinzige bekannte neolithische Variscit-Bergwerke Europas, etwa 4200 bis 3400 v. Chr.
Sardinien, Polen, Brasilien, Iranverschiedenekleinere Vorkommen ohne nennenswerte Bedeutung für den Schmuckhandel

Utah und Nevada: das Herz des Marktes

Die schleifwürdige Ware kommt fast vollständig aus dem amerikanischen Westen. In Utah sind drei Gebiete zu unterscheiden. Der Clay Canyon bei Fairfield mit der Little Green Monster Mine lieferte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die berühmten zonierten Knollen mit Wardit- und Crandallitschalen; eine viel zitierte Sammelkampagne unternahm Ed Over 1937. Die Grube wurde aus Sicherheitsgründen verfüllt, gutes Material stammt heute aus Altsammlungen. Um Lucin wird die Ware gewonnen, die als „Utahlit“ in den Handel geht und für Sammler und Hobbyschleifer am zugänglichsten ist. Snowville lieferte Material mit schwarzer Spinnennetzmatrix, das Sammelgebiet ist inzwischen geschlossen. Nevada steuert aus Lander und Esmeralda County Qualitäten bei, die unter Grubennamen wie Damele, New Lander, Desert Bloom, Broken Arrow oder Blue Boy gehandelt werden.

Australien, Katalonien und das übrige Weltvorkommen

2003 wurde im australischen Outback eine kleine Linse mit apfelgrünem Variscit aufgeschlossen. Das Material erreichte über die Tucson-Messe den internationalen Handel und gilt farblich als das Beste, was seit den historischen Utah-Funden auf den Markt kam. Die Menge war und ist klein; eine Neuauflage in vergleichbarem Umfang gilt als unwahrscheinlich. Historisch besonders bemerkenswert ist Gavà in Katalonien: Dort liegen die einzigen bekannten neolithischen Variscit-Bergwerke Europas, betrieben zwischen etwa 4200 und 3400 v. Chr. auf einer Fläche von rund 200 Hektar. Variscitperlen aus Gavà wurden in Gräbern weit entfernt in der Provinz Huesca gefunden, ein Beleg für weiträumigen Fernhandel. Weitere Vorkommen liegen in Brasilien, Polen, Sardinien, Wyoming, Arizona und im Iran, für den Schmuckhandel spielen sie jedoch kaum eine Rolle. Für den Käufer heißt das: Fragen Sie nach der Grube, nicht nur nach dem Land, denn der Fundort bestimmt Aussehen und Preis.

Häufige Fragen

Woher stammt der beste Variscit?
Historisch aus dem Clay Canyon bei Fairfield in Utah, wo die Little Green Monster Mine tiefgrüne, zonierte Knollen lieferte. Dieses Material ist seit der Verfüllung der Grube nur noch aus Altsammlungen erhältlich und entsprechend teuer. Aktuell gilt das australische Material von 2003 als qualitativ führend. Für den normalen Schmuckbedarf liefert Utah um Lucin und Nevada gute und bezahlbare Qualitäten.
Gibt es in Deutschland Variscit?
Ja, und zwar an der Typlokalität Meßbach bei Plauen im Vogtland sowie an einigen weiteren Punkten in Sachsen und Thüringen. Das Material ist allerdings kleinstückig und blass und wird nicht zu Schmuck verarbeitet. Es ist ein Sammelobjekt für Systematiksammler, die Belegstücke von Typlokalitäten suchen. Schleifwürdige deutsche Ware gibt es nicht.
Warum ist Clay-Canyon-Material so teuer?
Weil die Quelle geschlossen ist. Die Little Green Monster Mine wurde aus Sicherheitsgründen verfüllt, es kommt kein neues Material nach. Gleichzeitig ist das Aussehen unverwechselbar: grüne Variscitkerne in konzentrischen Schalen aus grauem Wardit und gelbbraunem Crandallit. Gute Stufen erzielen im Sammlerhandel vierstellige Beträge, einzelne Spitzenstücke werden bei internationalen Auktionshäusern gehandelt.