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Das Edelstein-Lexikon

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Variscit Lexikon · Farben & Varietäten

Variscit – Farben & Varietäten

Variscit

Chrom und Vanadium statt Kupfer

Die Farbe des Variscits entsteht durch Spurenelemente, die im Kristallgitter den Platz des Aluminiums einnehmen. Verantwortlich sind vor allem dreiwertiges Chrom und dreiwertiges Vanadium. Beide Ionen absorbieren Licht im roten und im blauvioletten Bereich und lassen den grünen Teil des Spektrums durch. Das ist derselbe Mechanismus, der Smaragd und Chromchalcedon ihre Farbe gibt, und es ist ausdrücklich nicht der Mechanismus des Türkises: Dort sorgt zweiwertiges Kupfer für Blau. Weil Variscit kein Kupfer enthält, kann er das reine Himmelblau des Türkises auch nicht erreichen. Blaugrüne Variscite verdanken ihren Ton nicht Kupfer, sondern der Kombination aus Chromgehalt und Lichtstreuung im feinkörnigen Gefüge. Im Spektroskop zeigt Variscit ein mittelstarkes Absorptionsband bei 690 Nanometern und ein schwächeres bei 650 Nanometern, unter dem Chelsea-Filter einen schwachen rosa Schimmer.

Varietät Farbe Bemerkung
Utahlit / LucinitMintgrün bis dunkles SmaragdgrünHandelsname für Material aus Utah, besonders aus dem Raum Lucin, meist mit weißgrauer Matrix
Clay-Canyon-Materialtiefes Grün mit gelben und grauen Schalenzonierte Knollen mit Crandallit und Wardit, Grube verfüllt, nur noch aus Altbeständen
Snowville-WareBlaugrün mit schwarzem Netzmarkante Spinnennetzmatrix, wird häufig als „Variquoise“ angeboten, Fundgebiet geschlossen
Nevada-Ware (Damele, New Lander u. a.)Grün bis Gelbgrün mit dunkler Matrixnach Gruben benannte Handelsqualitäten, teils mit Chalcedonanteil
Australisches MaterialApfelgrün mit feiner Netzzeichnungseit 2003 auf dem Markt, kleine Mengen, farblich nahe an historischem Utah-Material
AmatriceGrün mit grauen bis braunen QuarzpartienVerwachsung mit Quarz oder Chalcedon, härter und besser polierbar als reiner Variscit
Eisenreicher Variscitrötlich bis violettstichigÜbergang zur Strengitreihe, selten, ohne Bedeutung als Schmuckstein

Vom Apfelgrün bis zum Graugrün

Das Farbspektrum reicht vom hellen Mintgrün über ein sattes Apfel- und Smaragdgrün bis zu Blaugrün, Gelbgrün und trübem Graugrün. Die intensivsten Töne stammen traditionell aus dem Clay Canyon in Utah und aus der australischen Fundstelle; beide liefern ein Grün, das an feinen Chrysopras erinnert. Blasse, milchige Ware ist deutlich häufiger und entsprechend billig. Selten treten eisenreiche Stücke mit rötlichen oder violetten Anteilen auf, die auf den Übergang zum Strengit hinweisen. Wichtig für die Beurteilung: Variscit ist fast immer undurchsichtig bis schwach durchscheinend, und seine Farbe wirkt durch die feinkörnige Struktur eher weich und sattiert als leuchtend. Wer ein glasklares, intensiv leuchtendes Grün sucht, ist bei Chrysopras oder Smaragd besser aufgehoben. Variscit lebt von der ruhigen, opaken Farbfläche und ihrer Musterung.

Handelsnamen, die keine Varietäten sind

Im Handel begegnen Ihnen zahlreiche Namen, die klingen, als bezeichneten sie eigene Mineralien. Das tun sie nicht. „Utahlit“ steht für Variscit aus Utah, besonders aus dem Gebiet um Lucin, „Lucinit“ meint dasselbe. „Amatrice“ bezeichnet Variscit, der eng mit Quarz oder Chalcedon verwachsen ist und dadurch härter und besser polierbar wird. „Variquoise“ ist eine Verlegenheitsbezeichnung für Material, bei dem der Händler selbst nicht sicher ist, ob Variscit oder Türkis vorliegt. Die Nevada-Ware wird nach Gruben benannt: Damele, New Lander, Desert Bloom, Broken Arrow, Blue Boy. Diese Namen sagen etwas über Fundort und typisches Aussehen aus, nicht über die Spezies. Lassen Sie sich beim Kauf immer die mineralogische Bezeichnung nennen, nicht nur den Handelsnamen, und fragen Sie nach, ob stabilisiert oder gefärbt wurde.

Häufige Fragen

Warum ist Variscit grün und nicht blau?
Weil ihm das Kupfer fehlt. Das Blau des Türkises stammt von zweiwertigem Kupfer im Kristallgitter. Variscit ist ein reines Aluminiumphosphat, seine Farbe kommt von Spuren dreiwertigen Chroms und Vanadiums, die Aluminium ersetzen. Diese Ionen erzeugen Grüntöne. Blaugrüne Variscite gibt es, aber ihr Ton entsteht durch die Farbstärke und die Lichtstreuung im feinkörnigen Gefüge, nicht durch Kupfer.
Was bedeutet „Variquoise“?
Der Name ist ein Kunstwort aus Variscit und Turquoise und wird für Material verwendet, bei dem die Zuordnung unsicher ist oder bei dem beide Minerale tatsächlich nebeneinander vorliegen. Er ist kein mineralogischer Begriff und sagt vor allem eines: Der Verkäufer hat den Stein nicht bestimmen lassen. Bei höherpreisiger Ware sollten Sie auf einer klaren Ansprache bestehen, die sich über Brechungsindex und Dichte leicht absichern lässt.
Verblasst Variscit im Licht?
Direkte Sonne und Wärme sind der Hauptfeind. Nicht das Licht selbst, sondern der Wasserverlust setzt dem Stein zu: Variscit enthält zwei Moleküle Kristallwasser, und wenn diese austrocknen, wird die Farbe stumpfer und es können feine Risse entstehen. Bewahren Sie Ihre Steine deshalb nicht auf der Fensterbank oder im Autofenster auf, sondern kühl und dunkel.