Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Spektrolith Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Spektrolith – Schliff & Bearbeitung

Spektrolith

Orientieren ist wichtiger als Schleifen

Beim Spektrolith entscheidet sich die Qualität lange vor dem ersten Schliff. Die Lamellen, an denen das Licht interferiert, liegen in einer einzigen Ebene im Kristall. Nur wenn die spätere Oberfläche annähernd parallel zu dieser Ebene verläuft, feuert der Stein über die ganze Fläche. Liegt sie schräg, leuchtet nur ein Streifen auf, und der Rest bleibt schwarz. Der Schleifer sucht die Schillerebene deshalb zuerst am nassen Rohstück unter einer punktförmigen Lampe, markiert sie und richtet den Zuschnitt danach aus. Das kostet Ausbeute: Je nach Kluftlage und Kristallorientierung bleiben von einem Rohstück oft nur zwanzig bis vierzig Prozent nutzbares Material übrig, der Rest fällt als Anschnitt weg. Kalibrierte Maße sind aus demselben Grund teurer als Freiformen, denn eine vorgegebene Kantenlänge lässt sich nicht immer mit der Schillerebene in Einklang bringen.

Die Spaltbarkeit nach zwei Richtungen

Spektrolith besitzt vollkommene Spaltbarkeit nach {001} und gute nach {010}. Die beiden Flächen schneiden sich unter etwa 86 Grad, also nahezu rechtwinklig. Das bedeutet, dass der Stein in zwei Ebenen bereitwillig glatt aufspringt, und zwar unabhängig davon, wie sorgfältig Sie arbeiten. In der Praxis zeigt sich das an drei Stellen. Beim Aufkitten auf den Dopstock kann die Wärme des Kitts Spannungen erzeugen, die eine Spaltfläche öffnen; arbeiten Sie deshalb mit niedrig schmelzendem Kitt oder mechanischer Halterung. Beim Vorschleifen reagiert das Material empfindlich auf punktuellen Druck und auf zu grobe Körnung; ein Sprung folgt dann sofort der Spaltrichtung. Und beim Abschlussschliff neigen Kanten zum Ausbrechen, weshalb Cabochons eine leicht gebrochene oder gerundete Unterkante erhalten sollten. Dünne Platten unter zwei Millimetern sind kaum handhabbar.

Cabochon, Platte und der seltene Facettenschliff

Die Standardform ist der flach gewölbte Cabochon. Eine niedrige Wölbung ist kein Kompromiss, sondern optisch richtig: Sie hält die polierte Fläche nahe an der Schillerebene und erweitert das Winkelfenster, in dem der Stein feuert. Hohe Wölbungen zerlegen den Schiller in ein schmales Band. Freiformen sind verbreitet, weil sie dem Verlauf der Schillerebene folgen können; für Intarsien und Inlays werden auch plane Platten geschnitten. Facettierter Spektrolith ist eine Rarität. Die dunkle, undurchsichtige Grundmasse liefert kein Innenleben, das Facetten belohnen würden, und die Spaltbarkeit macht das Schleifen scharfer Kanten riskant. Facettiert wird deshalb fast nur durchscheinendes Labradoritmaterial aus Madagaskar. Poliert wird Spektrolith üblicherweise mit Zinnoxid oder Ceroxid auf Leder oder Filz; Diamantpaste bis 50000 Körnung liefert ebenfalls gute Ergebnisse, erfordert aber geringen Anpressdruck.

Häufige Fragen

Warum ist die Ausbeute beim Spektrolith so gering?
Weil zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein müssen. Der Zuschnitt muss parallel zur Schillerebene liegen, und er muss den Klüften und Spaltrichtungen im Rohstück ausweichen. Beide Vorgaben widersprechen sich häufig. In der Praxis bleiben aus einem Rohstück oft nur zwanzig bis vierzig Prozent nutzbares Material. Das erklärt, warum fertige Cabochons je Karat deutlich teurer sind als Rohware.
Kann man Spektrolith facettieren?
Technisch ja, sinnvoll nur selten. Die Grundmasse ist dunkel und undurchsichtig, ein Facettenschliff bringt deshalb keine Brillanz, sondern zerlegt den Schiller in viele kleine, unruhige Felder. Dazu kommt das Risiko: Die vollkommene Spaltbarkeit nach zwei Richtungen lässt scharfe Facettenkanten leicht ausbrechen. Facettiert wird fast ausschließlich durchscheinendes Labradoritmaterial, überwiegend aus Madagaskar.
Welche Wölbung sollte ein Cabochon haben?
Eine flache. Je flacher die Kuppe, desto näher liegt die polierte Fläche an der Schillerebene und desto größer ist der Winkelbereich, in dem der Stein aufleuchtet. Hohe Wölbungen reduzieren den Effekt auf ein wanderndes Band. Üblich sind Höhen von etwa einem Fünftel bis einem Viertel der kurzen Kantenlänge. Für Ringe ist eine flache Form zusätzlich vorteilhaft, weil sie weniger anstößt.